Vom Niedrigwasser direkt zum Hochwasser?

Nicht selten wechselt eine markante Niedrigwassersituation in eine Phase mit Sturm, Starkregen und leichtem Hochwasser. So auch in diesem Jahr. Nach der wochenlangen, überwiegend trockenen Witterung in diesem Herbst, haben die ersten atlantischen Tiefs mit ihren Ausläufern Deutschland überquert. Diese brachten am Montag und Dienstag gebietsweise größere Regenmengen.
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Abb. 1: Regensummen bis zum Mittwochmorgen, gefallen innerhalb von 48 Stunden

Die größten Regenmengen sind im Sauerland in NRW zusammengekommen, bis zu 40 Liter pro Quadratmeter wurden hier erreicht. Gleichzeitig fielen in der Pfalz sowie in weiten Teilen von Baden-Württemberg und Bayern nur unbedeutende Mengen. Allgemein sind die Pegelstände in der Nordhälfte Deutschlands schon deutlich angestiegen. Am Pegel Dresden stieg der Wasserstand binnen drei Tagen um rund einen Meter bei weiter steigender Tendenz.

Am Rhein steigen derzeit erst die Wasserstände in der Niederrheinstrecke, da hier auch die Nebenflüsse wie die Ruhr schon deutlich angestiegen sind. In der Mittelrheinstrecke bis Worms werden gerade die Tiefstwerte für dieses Jahr erreicht. Worms meldete am heutigen Morgen einen Pegelstand von 0,33 Metern. Das ist nur 18 Zentimeter vom Niedrigwasserrekord aus dem Jahr 2003 entfernt. In den kommenden Tagen werden auch hier die Pegelstände deutlich nach oben schnellen. Im Verlauf der kommenden Woche dürften die Schifffahrt und Logistikunternehmen wieder aufatmen, wenn am Pegel Worms 1,00 bis 1,50 Meter gemessen werden und der Pegelstand in Koblenz und Emmerich um 1 bis 2 Meter angestiegen sein wird. Dann können nach den wochenlangen Einschränkungen auch wieder mehr Güter und Rohstoffe auf dem Rhein transportiert werden.

Hochwasser ist derzeit aber nur an kleinen Bächen und Flüssen möglich, denn die Talsperren sind recht leer und können viel Wasser aufnehmen. Lediglich in Niedersachsen und in Schleswig-Holstein können stürmischer Westwind und weiterer Regen für Hochwasser sorgen. Zudem gab es am Mittwochmorgen eine leichte Sturmflut. Regenwasser aus dem Binnenland konnte daher nicht mehr in vollem Umfang in die Nordsee abgeführt werden.

In Süddeutschland kommen in den kommenden Tagen neben ergiebigen Regenfällen noch starke Schneefälle in den hohen Berglagen dazu. So können die Bäche und Flüsse allmählich und nicht bedrohlich ansteigen. Ein gefährliches Hochwasser ist derzeit nicht in Sicht, zumal einige Pegelstände sich hier derzeit noch immer auf Rekordtiefstständen bewegen.

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