Murmeltiertag 2016: Phil sieht keinen Schatten – baldiger Frühling für die USA

Heute ist in den USA Groundhog Day, Murmeltiertag. Wer jetzt sofort an den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ denkt, hat vollkommen Recht.

Jedes Jahr am 2. Februar findet im kleinen knapp 6000 Seelen-Ort Punxsutawney in Pennsylvania ein riesiges Spektakel statt. Eigentlich ist es sogar ein richtiges Festival. Es geht schon einige Tage vorher los mit Konzerten, Bällen und allerlei anderen Festivitäten. Der Höhepunkt ist jedoch der 2. Februar. Am Morgen versammelt sich der Vorstand des Murmeltier-Clubs um den Baumstumpf von Punxsutawney Phil, dem Wettervorhersage-Murmeltier. Es kommt aus seinem Bau und spricht mit dem Präsidenten des Clubs. Nur der aktuelle Präsident ist nämlich in der Lage, „Groundhogese“ zu verstehen und die Vorhersage allen Anwesenden zu übersetzen (siehe Titelbild):

  • sieht er seinen Schatten, gibt es weitere sechs Wochen kaltes Winterwetter
  • sieht er seinen Schatten nicht, kehrt bald der Frühling ein

Die Vorhersagefähigkeiten von Punxsutawney Phil sind überraschenderweise nicht überragend. 🙂 Man kann genauso gut eine Münze werfen. Letztes Jahr hat er seinen Schatten gesehen. Die USA sollten also noch weitere 6 Wochen Winter erleben. Am Ende war es ein leicht zu kalter und winterlicher Februar, aber ein zu warmer März. Mit guten Willem hatte Punxsutawney Phil also eine Trefferquote von 50 Prozent.

Die Murmeltier-Legende hat europäische Wurzeln 

Der Murmeltiertag stammt vom christlichen Mariä Lichtmess ab, welches ebenfalls am heutigen 2. Februar ist; genau genommen von den Bauernregeln zu Lichtmess. Hier zwei Beispiele, die den Zusammenhang direkt klar machen:

  • „Ist’s zu Lichtmess mild und rein, wirds ein langer Winter sein.“
  • „Wenn’s an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit; ist es aber klar und hell, kommt der Lenz wohl nicht so schnell.“

Die ersten Siedler, die sich in Pennsylvania niederließen, waren Deutsche. Sie übertrugen die Lichtmess-Bauernregel auf das in Pennsylvania heimische und weit verbreitete Murmeltier, in dem sie ihm so viel Klugheit zuschrieben, dass es, wenn am 2. Februar die Sonne schiene und es somit „seinen Schatten“ sähe, sich erschrecken und sofort wieder in seinen Bau zurück kehren würde, um für weitere 6 Wochen Winterschlaf zu halten.

Sieht Punxsutawney Phil dieses Jahr seinen Schatten?

Die Chancen stehen besser, dass Phil seinen Schatten sieht. Momentan gibt es nur wenige Wolken über Pennsylvania und auch der Dienstag wird ein freundlicher Tag mit Sonne und lockeren Wolken bleiben. Allerdings kann sich am Morgen durchaus noch Nebel halten. Es bleibt also spannend. 😉 (links: Bewölkungsprognose in Prozent: rechts: signifikantes Wetter, gelb=Nebel; zum Vergrößern bitte anklicken)

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Seit Beginn 1886 lag das Murmeltier deutlich öfter daneben als richtig. Insgesamt sah er 102 mal seinen Schatten, nur 18 mal keinen Schatten. Einen wissenschaftlichen Zusammenhang zwischen seinen Vorhersagen und dem wirklichen Wetter gibt es somit nicht, wie die amerikanische Wetter- und Ozeanografie-Behörde NOAA aufgearbeitet hat (hier geht es zum Bericht – in engl.). Den Fans von Punxsutawney Phil ist das natürlich egal. Selbst der Murmeltier-Club gibt zu: „Wir machen es für den Spaß!“ Kurzum: es ist ein völlig absurder, natürlich unwissenschaftlicher, aber sehr beliebter und einfach lustiger Tag in den USA, der mittlerweile auch immer mehr Fans weltweit bekommt.

Wer der Vorhersage von Punxsutawney Phil folgen will:

Schaut Euch auf unseren Satellitenbildern für Amerika an, ob es Wolken über Pennsylvania gibt oder nicht. In den Sozialen Medien ist Phil natürlich ebenfalls vertreten, auf Twitter via @GroundhogClub und es gibt auch eine eigene Facebook-Seite.

 

Nachtrag: Phil sieht keinen Schatten, früher Frühling steht vor der Tür.

Um etwa 7:25 Uhr Ortszeit verkündete das Murmeltier, dass es seinen Schatten nicht sieht. Der Frühling ist somit für die USA nicht mehr weit. Der Himmel über Punxsutawney war zum Zeitpunkt der „Vorhersage“ locker bewölkt bei frostigen Temperaturen um -4 Grad. Das letzte Mal sah Phil in 2013 keinen Schatten. Damals folgte für den Osten der USA kaltes und schneereiches Winterwetter bis weit in den März hinein…

 

Der Bericht wurde am 2. Februar um 5 Uhr MEZ erstellt, zuletzt geändert am 2. Februar um 14:30 Uhr MEZ.

Titelbild: By Anthony Quintano [CC BY 2.0]

Ein Kommentar

  1. Hans-Joachim Redlich 2. Februar 2016

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