Jahrtausendflut in South Carolina – Notstand ausgerufen

Wie wir bereits am Freitag hier im Wetterkanal berichten haben finden zur Zeit (indirekt beeinflusst durch den Hurricane Joaquin) im Südosten der USA extreme Regenfälle statt. Betroffen ist vor allem South Carolina, der Bundesstaat in dem ich lebe.

Seit Freitag hat es insbesondere im Süden und in der Mitte South Carolinas unglaubliche Regenmengen gegeben. Am Samstag hatte es die Küstenregionen, vor allem Charleston und Myrtle Beach, hart getroffen, am heutigen Sonntag Columbia, die mittig liegende Hauptstadt von South Carolina. Straßen stehen knietief, teilweise meterhoch unter Wasser. Autos stehen bis zum Dach, manche Häuser bis zur 1. Etage unter Wasser. Dämme sind gebrochen, Straßen sind abgesackt und haben Autos mitgerissen. Leider gibt es auch schon 5 Todesopfer. Es sind wirklich unvorstellbare Regenmengen, die seit Freitag hier in South Carolina gefallen sind.
Innerhalb von nur 24 Stunden sind von Freitag auf Samstag in Myrtle Beach bereits gute 400 Liter/qm gefallen, bis Sonntagmorgen (Ortszeit) waren es mancherorts sogar über 600 Liter/qm. Zur Einschätzung wie viel Regen das ist: in Berlin fallen im ganzen Jahr im Durchschnitt 580 Liter/qm. Jeden Tag werden irgendwo in South Carolina neue Regenrekorde aufgestellt. Solch ein Regenereignis hat es hier noch nie gegeben. Es handelt sich statistisch gesehen um Ereignis, wie es normalerweise nur 1x in tausend Jahren vorkommt. Präsident Obama hat bereits den Notstand ausgerufen.

Hier eine Auswahl der höchsten Regenmengen (Donnerstag, 1.10. bis Sonntag, 4.10. 11:30 Uhr Ortszeit):

Boone Hall Plantation     615 l/qm         (am Meer gelegen)
Gills Creek                         467 l/qm         (östlich von Columbia)
Huger                                  465 l/qm        (Küstenregion)
Wateree                              434 l/qm         (südöstlich von Columbia)
Charleston Flughafen      422 l/qm
Charleston Innenstadt    362 l/qm         (am Meer gelegen)
Columbia                           300 l/qm
Greenville/Spart. Flgh    150 l/qm          (im Norden gelegen)

 

Ich lebe im Upstate, im Norden von South Carolina in der Nähe von Greenville. Hier regnet es nicht ganz so viel wie weiter südlich. Mein kleiner Regenmesser im Garten verzeichnete von Freitag auf Samstag in 24 Stunden bereits 2 inches, das sind 50 Liter/qm.

Von Samstag auf Sonntag meldete der Flughafen Greenville/Spartanburg sogar knappe 90 Liter/qm in 24 Stunden. So viel Regen fällt in meiner Heimatstadt Wuppertal im ganzen Monat Mai. Hier im Upstate ist es eher der Wind, der mit starken bis stürmischen, vereinzelt auch Sturmböen weht und für Stromausfälle sorgt. Momentan sind tausende Haushalte hier im Norden ohne Strom. Ich war glücklicherweise nur kurzzeitig davon betroffen.

Woher der ganze Regen?

Es ist eine durchaus etwas komplexere Wetterlage. Den direkten Einfluss hat ein Höhentief über dem Südosten. Es schaufelt stetig auf seiner Vorderseite feuchte Tropenluft aus Süden über das Meer kommend direkt nach South Carolina. Der Hurricane Joaquin hat einen weiteren, indirekten Einfluss. Obwohl er weit weg bei den Bahamas lag (mittlerweile bei Bermuda), bringt er zusätzliche Feuchtigkeit in dieses Wettersystem (siehe Abbildung, zum Vergrößern bitte anklicken). Da sich das Höhentief kaum bewegt, hält der Zustrom an feuchtwarmer Luft sowie die extremen Regenfälle an. Und es regnet noch weiter…

Watervapor-scflood

Satellitenbild im Wasserdampf-Kanal. Zu erkennen die enorme Wasserdampfzunge, die direkt vom Meer nach South Carolina gerichtet ist und mit Joaquin interagiert.

 

Zum Abschluss einige Impressionen:

 

 

 

 

 

 

 

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