Wie Saharastaub den Himmel trüben kann

Sollte nicht heute landesweit die Sonne scheinen? Hier in Hannover macht sie es auch, aber in einigen Teilen Deutschlands hält sich dichter Hochnebel, der sich gebietsweise nur zögernd auflöst. Das zeigt auch das aktuelle Satellitenbild deutlich. Was es aber auch zeigt, das sind dichte Wolken, die von Südwesten her ins Land ziehen und bereits Teile von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sowie das Saarland überdecken. Sie kommen tagsüber noch weiter nach Nordosten voran und erfassen den gesamten Südwesten und Westen unseres Landes und könnten am späten Nachmittag sogar die Region Hannover erreichen.

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Wo kommen nun diese von den Modellen kaum bis gar nicht erfassten Wolken her? Zwischen dem Hoch „Leo“ über Osteuropa und dem Tief „Luana“ vor Westeuropa hat sich vor allem in höheren Schichten der Troposphäre eine südliche Strömung eingestellt, mit der aufgewirbelter Saharastaub weit nach Norden transportiert wird. Am Boden merkt man davon nichts, aber in höheren Luftschichten kann der Himmel leicht getrübt sein.

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Staubwolke über dem zentralen Mittelmeerraum, Quelle: NASA

Der Saharastaub bewirkt zudem, dass sich in den höheren Schichten der Troposphäre mehr Kondensationskerne befinden, an denen sich Tropfen bilden können. Dies führt zu vermehrter Wolkenbildung mit recht dichten Schleierwolken („Cirren“), die sich seit heute früh über den Südwesten Deutschlands ausbreiten. Aus diesen Wolken fällt zwar kein Regen auf den Boden, aber sie trüben den Himmel deutlich und lassen so wenig Frühlingsstimmung aufkommen. Durch die geringere Sonneneinstrahlung liegen die Temperaturen zum Teil deutlich unter den ursprünglich erwarteten Werten. Wie genau sich der Saharastaub auf das Wetter bei uns auswirkt, ist noch Gegenstand der Forschung. Messungen über der Sahara haben bereits gezeigt, dass der Staub einen großen Einfluss auf die Strahlungsbilanz hat – mehr Staub in der Atmosphäre lässt weniger Sonnenstrahlung am Boden ankommen.

Saharastaub wird nicht nur gelegentlich über das Mittelmeer nach Mitteleuropa transportiert, häufig weht er mit der Passatströmung weit auf den Atlantik hinaus und sogar bis in die Karibik und nach Amerika. Viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Staubpartikel aus dem ursprünglich fruchtbaren Boden der Sahara sogar dazu beitragen, dass die Regenwälder am Amazonas mit Nährstoffen versorgt werden. Man schätzt, dass jährlich etwa 40 Millionen Tonnen Staub die Regenwälder dort erreichen. Der Saharastaub wirkt sich auch auf die Sturm- und Hurrikanbildung auf dem Atlantik aus. Die trockene und staubige Luft unterdrückt jegliche Sturmbildung, auch wenn alle anderen Faktoren günstig für die Sturmbildung stehen.


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