Von den Problemen mit dem (oft) trockenen Frühjahr 2015

Jeder Leser aus dem Süden Deutschlands wird sich die Augen gerieben haben, als er den Titel dieses Beitrages las. Trockenheit? In Konstanz fielen im April und Mai 2015 über 200 Liter Regen pro Quadratmeter – in Kempten waren es gar 280. Mehr als ein Viertel der durchschnittlichen jährlichen Regenmenge.

Doch während sich der Süden in den vergangenen Wochen manchmal tagelang das Profil unter den Gummistiefeln abgelaufen hat, kämpft man in der Mitte, im Osten, im Westen und Nordwesten mit der Trockenheit. Am schlimmsten ist es in Hessen und Thüringen: Hier gab es teilweise nur 10 bis 20 % der durchschnittlichen Regenmenge im Mai, und auch im April fielen nicht mal 40 bis 50% des mittleren Niederschlags. Das Ausbleiben des Regens ist gerade im Frühjahr kritisch zu beäugen, denn:

Gerade jetzt entzieht die Natur dem Boden ungeheuerlich viel Wasser, was vorrangig zum Blätterwachstum benötigt wird. Viele Bauern haben Probleme: ihr Getreide wächst zu langsam. Selbst, wenn es jetzt häufig Schauer gäbe, wären sie entweder zu schwach, um versickern zu können, oder zu stark und würden auf dem krustigen Boden für viel oberirdischen Abfluss sorgen. Landregen wäre hilfreich, doch der steht in den nächsten Wochen nicht ins Haus.

Wirtschaftliche und touristische Schiffbarkeit der großen Flüsse stoßen an ihre Grenzen. Es herrschen bereits für diese Jahreszeit zu niedrige Wasserstände an Elbe, Mosel und Saar und auch die Weser muss sogar schon durch Abgabe aus der Talsperre gestützt werden. Die Elbe in Dresden hat 100 cm bereits unterschritten – geht es noch weiter abwärts, ist die Schifffahrt gefährdet.

Auch für Flora und Fauna an den Flussufern hat Niedrigwasser Folgen: wenig Wasser erwärmt sich schneller als viel Wasser – außerdem kommt über die Stauseen kaum frisches Wasser in den Fluss. Damit fehlen Nährstoffe und die höhere Temperatur ist nicht mehr im Toleranzbereich der Fische, was nicht nur für die Fische an sich, sondern auch für die in der Nahrungskette über ihnen stehenden Vögel kritisch ist.

 

Bild (c) BBV

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