Unwetter-Nachbericht Samstag 06.06.15

Am Samstag 06.06.15 war zum wiederholten Mal in diesem Jahr eine knifflige Gewitterlage über der Südhälfte Deutschlands. Besonders in Baden-Württemberg und Bayern sind starke Gewitterzellen entstanden mit Starkregen, Hagel so groß wie Golfbälle und vielen Tausenden Blitzen.

Gewitter treten oft nur punktuell auf, besonders wenn ein so großes Gebiet wie das, was wir gestern „bewarnt“ haben, betroffen ist. Die Luftmasse war optimal für die Bildung von derart heftigen Gewittern.

Einige Parameter haben dazu beigetragen, dass die Schauer besonders und extrem kräftig ausgefallen sind.

Wind in 3 km Höhe um 21 Uhr

Wind in 3 km Höhe um 21 Uhr

Hauptkriterium für die Verlagerung von Gewitterzellen ist der Wind. Ohne ihn würde sich in der Atmosphäre natürlich gar nichts horizontal bewegen. Der Wind in ungefährer Höhe des unteren Wolkenteils (3 km über dem Boden) war ausgesprochen schwach, zeitweise quasi gar nicht vorhanden. Deshalb blieben die Schauer vor allem am Nachmittag und frühen Abend oft ortsfest – und sorgten an diesen Orten für unschöne Ereignisse.
Eine Gewitterwolke kann sich in Mitteleuropa bis ca. 11 km in die Höhe erstrecken. Weiter oben als nur in 3 km war der Wind etwas präsenter, womit der obere Teil der Gewitterwolke ein wenig verlagert wurde, und man die Gewitter in Verlagerungsrichtung aus weiter Entfernung hat sehen können – oder wahrgenommen weil man auf ein mal im Schatten dieser Wolke war.

Drei der bissigsten Zellen seien an dieser Stelle noch mal erwähnt:
Calw (BW) von 13:20 bis 14:40 Uhr sowie Sindelfingen / LK Böblingen 14:40 bis 15:25 Uhr.
Anhand diese Blitzkarte ist erkennbar, wie sich die Gewitterzelle fortbewegt hat – nämlich so gut wie gar nicht. Über mindestens 30 Minuten (erkennbar an den Farben der Blitze) blitzt es immer wieder im selben Gebiet.

Blitze zwischen Calw und Sindelfingen, immer wieder das gleiche Gebiet, keine Verlagerung

Blitze zwischen Calw und Sindelfingen, immer wieder das gleiche Gebiet, keine Verlagerung

In der Regel ziehen Schauer und Gewitter kurz auf und schnell wieder ab, zum Vergleich hier die Zugbahn eines Gewitters heute Morgen um 7:45 Uhr im südlichen Brandenburg:

Zugbahn einer kleinen Gewitters in Brandenburg

Zugbahn einer kleinen Gewitters in Brandenburg

Die gefährlichen Folgen von ortsfesten Gewittern sind Überflutungen durch anhaltenden Starkregen, starke Schäden durch anhaltenden Hagel und erhöhte Lebensgefahr durch höhere Blitzdichte. In Sindelfingen kamen außerdem Hagelsteine, so groß wie Taubeneier vom Himmel (Video auf YouTube)!

Nur eine Stunde später traf es den LK Reutlingen zwischen 15:40 und 16:40 Uhr zwischen Burladingen, Trochtelfingen und
Gammertingen. Innerhalb dieser Stunde gab es hier ca. 50 bis 70 Liter Regen pro qm!

Ein weiteres schlimmes Unwetter ereignete sich über ganze zwei Stunden von 18:10 bis 20:10 Uhr in Bretten bei Karlsruhe. Auch hier keine Verlagerung des Gewitters und somit anhaltender Starkregen und vor allem Hagel! Hier ein Video mit Hagelsteinen so groß wie Golfbälle.

Zudem ein Video von Überschwemmungen einer Straße, wo die Kanalisation nicht mehr kompensieren kann, auf Instagram

In Bretten wurde die mutmaßlich größte Regenmenge erreicht mit über 100 Liter/qm innerhalb einer Stunde!

Radar-basierte Regenmengen auf kachelmannwetter.com/de/regensummen

Radar-basierte Regenmengen auf kachelmannwetter.com/de/regensummen

Wir können dies aufgrund unserer auf den Radar-Reflektivitäten basierenden Niederschlagssummen feststellten, was den Vorteil hat, dass keine feste Wetterstation in der Nähe sein muss. Tatsächlich hat nämlich so gut wie keine ortsfeste Wetterstation das „Glück“ gehabt, ein solches Gewitter über sich zu haben. Für die Statistik, die allein auf den Stationswerten beruht, gehen diese extremen Regenmengen von gestern also leider verloren.

Im Laufe der Nacht zogen dann die großflächigeren gewittrigen Schauer vom südlichen BW/BY Richtung Sachsen. Dabei wurden tatsächlich Regenmengen registriert:

24-stündige Regenmengen bis heute Morgen um 8

24-stündige Regenmengen bis heute Morgen um 8

Etwas schönes haben solche Gewitter jedoch meistens auch:

Mammatus-Wolken bei Rothenfels

Mammatus-Wolken bei Rothenfels

Diese schönen Mammatus-Wolken wurden uns via twitter aus Rothenfels zugeschickt. Sie entstehen meist am Rand einer Gewitterwolke und verbildlichen die Turbulenzen in solchen Wolken.
Und zum Schluss halten wir wieder fest: es bleibt dabei – Gewitter treffend vorherzusagen ist wie ein Sechser im Lotto.

5 Kommentare

  1. Freddy 7. Juni 2015
    • Marcus 7. Juni 2015
  2. Theres 7. Juni 2015
    • Marcus 7. Juni 2015
  3. hans deischl 7. Juni 2015

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