Markanter Kaltlufteinbruch zum Wochenende

In den kommenden Tagen wird es erst einmal milder und in weiten Landesteilen auch trockener. Besonders im großen Westen macht sich Hochdruckeinfluss bemerkbar, sodass der Feiertag am 1. Mai vielerorts ganz passabel wird. Schon ab Donnerstag macht sich von Westen her aber ein erneuter Wetterumschwung bemerkbar, mit aufkommenden Schauern aus Westen. Am Freitag überquert uns dann eine Kaltfront, die rückseitig eine sogenannte Troglage mit deutlich kälterer Luft einleitet.

Kaltfront am Freitag – kalte Polarluft fließt ein

Die Kaltfront wird uns am Freitag von Nord nach Süd überqueren und den deutlichen Wetterwechsel einleiten. Zwischen hohem Druck auf dem Atlantik und sich nach Mitteleuropa ausweitendem Tiefdruck strömt dann kalte und feuchte Polarluft über die Nordsee ein. Wie sich das alles im Detail darstellt und das genaue Timing der Front ist natürlich noch nicht exakt vorhersagbar. Sie können das in den Karten für das signifikante Wetter + Bewölkung in unserem Super HD Modell verfolgen. Oder schauen Sie doch einfach die genaue Ortsvorhersage.


Wetterübersicht mit genauer Vorhersage, Radar und 14 Tage-Trend für jeden Ort


Kalte Troglage pünktlich zum Wochenende

Die beiden Karten unten zeigen die Temperatur in ca. 5 Kilometer Höhe von zwei verschiedenen Wettermodellen. Beide zeigen für den Samstag einheitlich eine Troglage mit höhenkalter Luft bis ca. -37 Grad. Troglage heißt das, weil es wie ein Trog in den Karten aussieht (schwarze gestrichelte Linie). Wenn diese hochreichende Kaltluft Anfang Mai reinschwenkt, dann stellen sich mit der schon starken Maisonne besonders tagsüber große vertikale Temperaturgegensätze ein. Die Folge sind kräftige Regen-, Schneeregen- und Graupelschauer sowie örtlich auch Gewitter, die mit viel Wind übers Land ziehen. Es ist eigentlich das klassische Aprilwetter mit einem Wechsel aus Sonne und dicken, dunklen Wolken mit prasselndem Graupel.

Die Schneefallgrenze sinkt auf 600 bis 400 Meter, in den erwähnten kräftigen Schauern oder in einem Gewitter kann es kurz auch dicke nasse Flocken bis ins norddeutsche Tiefland geben. In den Mittelgebirgen und teilweise bis in die Alpentäler muss man mit Neuschnee und Glätte rechnen, in den erwähnten kräftigen Schauern kann es durch Graupel auch kurz im Tiefland glatt werden. So geschehen erst am Sonntag auf der A 71 in Thüringen inklusive Massenkarambolage.

 

Deutliche negative Temperaturabweichungen

Ich habe aus dem führenden europäischen Wettermodelle ECMWF die Temperaturabweichungen für jeweils Samstag und Sonntag um 14 Uhr herausgesucht. Die Karten zeigen die Abweichung der berechneten Temperatur im Bezug auf langjährige Mittelwerte: Sind es am 04. Mai im Mittel an Ort X 15 Grad und es werden nur 5 Grad berechnet, dann wird eine Abweichung von -10 K (°C) angezeigt. Sie können sich alle Vorhersagekarten im Detail ansehen:

Der berechnete Kaltlufteinbruch zeigt sich in großen Teilen Europas recht deutlich mit flächig negativen Temperaturabweichungen. Ich denke, das darf auch endlich mal sein, nachdem der April 2019 der 13. „zu warme“ Monat in Folge wird.


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Wetter ist kein Klima!

Das Gejammer wird am Wochenende wieder groß werden, vor allem in diversen Medien und Radiosendern, wird das kalte und wechselhafte Wetter sicher beweint werden. Dabei sind späte Kaltluftvorstöße nicht ungewöhnlich im Frühling, ja wir befinden uns tatsächlich noch mitten im Frühling. Im vergangenen Jahr erlebten wir den wärmsten April und den wärmsten Mai seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Folge. Das war extrem und ein sehr ungewöhnliches Ereignis, der Sommer begann quasi schon im April.

Gerne wird Wetter und Klima in einen Topf geschmissen. Sobald es mal deutlich kälter ist, ist das natürlich ein Beweis für einen nicht existierenden Klimawandel. „Wo bleibt denn der Klimawandel?“ oder „Ist das jetzt der große Klimawandel?“ muss man besonders in sozialen Netzwerken häufig lesen. Das ist natürlich Blödsinn: Wenn wir von Klima sprechen, dann müssen wir Mittelwerte mehrerer Jahrzehnte betrachten. Ein Kaltluftvorstoß oder auch eine Hitzewelle sagen nichts aus. Ich empfehle Ihnen meinen umfangreichen Beitrag zur Temperaturentwicklung in Deutschland seit 1881.

Gefahr von Nachtfrost – tagsüber alles im Rahmen

Da wir kommendes Wochenende schon Mai haben, wird es zwar kalt für die Jahreszeit, aber natürlich nicht winterlich kalt. Zwischen den Schauern mit etwas Sonne können die Höchstwerte „noch“ um 10 Grad liegen, wie auch der Modellvergleich für Hamburg unten zeigt. Gerät die eingeflossene Polarluft dann von Westen unter schwachen Hochdruckeinfluss und der Wind schläft ein, kann es Nachtfrost geben. Das wird aber auf viele Details ankommen, so einfach ist Frost Anfang Mai nicht mehr zu bekommen. Der Himmel muss klar sein und der Wind nur sehr schwach, die Luft am besten schön trocken. Das sind Details über die wir zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht spekulieren sollten.

Sie können einfach regelmäßig den Trend mit Modellvergleich für die Temperaturen und ihren Ort verfolgen:

14 Tage-Trend mit Bandbreite der möglichen Temperaturen – Beispiel Hamburg und hier für Ihren Ort. Die Beule von Freitag bis Sonntag ist sicher, wie schnell es wieder wärmer wird dagegen sehr unsicher (hellroter Unsicherheitsbereich).

Das sind nicht die Eisheiligen!

Das mit den Eisheiligen ist sowieso ein leidiges Thema. Zunächst ein paar Infos:

Die Eisheiligen sind eigentlich nicht vom 11. bis zum 15. Mai, denn nach der Kalenderreform des Papstes Gregor XIII. aus dem Jahre 1582, wurde die Zeitrechnung nämlich einfach 11 Tage vorgestellt. Der bis dahin gültige Julianische Kalender war nicht genau genug und wich inzwischen um 10 Tage von der tatsächlichen Zeitrechnung ab. Seitdem leben wir mit dem Gregorianischen Kalender. Demnach ist zum Beispiel die „Kalte Sophie“ erst am 26. Mai!

Sie können einfach die vergangenen Jahre für die jeweiligen Tage durchsehen, wie die Tiefstwerte waren und wann es wirklich zu den Eisheiligen Frost gab. Sei es jetzt der allgemein gültige falsche Zeitraum oder der richtige Zeitraum 10 Tage später.

In vielen Medien wird jeder Kaltlufteinbruch von Ende April bis Ende Mai als Eisheilige verkauft. Kommt ein Kaltlufteinbruch früher oder auch später sind es entweder die „verfrühten Eisheiligen“ oder die „verspäteten Eisheiligen“. Ich sehe es einfach so: Im Mai sind immer noch Kälterückfälle möglich mit Nachtfrost, besonders bis zur Monatsmitte. Mehr muss man eigentlich nicht wissen.

Wie ich oben schon erwähnte, ist Luftfrost im Mai nicht mehr ganz so einfach zu bekommen, tritt aber in einigen Jahren immer mal wieder auf. Unten ein Beispiel aus dem Jahr 1980. Auch da können Sie in unserem Archiv einfach mal stöbern und die vergangenen Jahrzehnte durchsehen.

 



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