März wird zwölfter „zu warmer“ Monat in Folge – Überblick Erwärmung vergangene Jahre

Der März 2019 neigt sich langsam dem Ende zu und es wird der 12. Monat in Folge, der im Vergleich zum Klimamittel „zu warm“ ausfallen wird. Anders gesagt: auch in diesem Monat wird die Temperatur im Deutschlandmittel über dem langjährigen Klimamittel liegen. Die vergangenen Jahrzehnte, insbesondere seit der Jahrtausendwende, zeigen eine recht eindeutige Erwärmung. Negative Abweichungen haben nur noch Seltenheitswert.

Überblick monatliche Abweichungen seit 2014

Die folgende Grafik zeigt die Abweichungen vom Deutschlandmittel der einzelne Monate seit dem Januar 2014. Hier ist auch die Phase mit durchgehend positiven Abweichungen seit April 2018 deutlich zu sehen. Der Februar und März 2018 waren die bisher letzten Monate, welche unter dem Klimamittel abgeschlossen haben, also negative Abweichungen hatten. Als Referenz wird hier die immer noch international geltende klimatologische Referenzperiode von 1961 bis 1990 genommen. Mehr dazu unten.


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Klimatologische Referenzperioden

Wir haben oben in der Grafik gesehen, dass zum Vergleich die Referenzperiode 1961 bis 1990 genommen wird. Diese ist derzeit immer noch international geltend. Zusätzlich gibt es die neuere Referenzperiode von 1981 bis 2010, die wir in diesem Beitrag weiter unten auch noch sehen werden. Damit man einen Vergleich bekommt und die Temperaturen der einzelnen Monate und Jahre einordnen kann, wird immer jeweils ein Vergleichszeitraum von 30 Jahren genommen. Das sind wie bereits erwähnt entweder die Mittelwerte von 1961 bis 1990 oder 1981 bis 2010.

Nun ist es so, dass die Mittelwerte von der neuen Referenzperiode (1981 bis 2010) schon über denen von 1961 bis 1990 liegen, teilweise je nach Zeitraum sogar 1 Grad mehr. Einfach gesagt: Es ist von 1990 bis 2010 schon signifikant wärmer geworden. So ist es logisch, dass ermittelte positive Abweichungen im Vergleich mit 1961 bis 1990 höher sind, als Abweichungen, welche mit 1981 bis 2010 ermittelt werden. Die neue Referenzperiode 1981 bis 2010 zeigt im Grunde besser, was wir aus den vergangenen Jahrzehnten so gewohnt sind, die Referenzperiode 1961 bis 1990 dagegen besser die etwas längerfristige Temperaturentwicklung seit den 60er Jahren.

März 2019 an ausgewählten Stationen – Tageshöchst- und Tagestiefstwert

Bevor wir die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte etwas genauer ansehen, werfen wir einen Blick auf den bisherigen Märzverlauf mit fünf ausgewählten Wetterstationen. Im Diagramm sind die Tageshöchst- und Tagestiefstwerte im bisherigen Märzverlauf dargestellt. Sicher lagen auch die Tageshöchstwerte teilweise deutlich über dem Klimamittel, also waren wenn man so will „zu warm“, aber viel auffälliger ist der nur selten zu findende Nachtfrost. Dies hat die Temperatur, also das Tagesmittel, deutlich hochgezogen. In erster Linie kommt also der milde März 2019 durch milde Nächte, in der Summe eher weniger durch außergewöhnliche Tageshöchstwerte zu Stande. Grund war hier die sehr wolkenreiche und windige Westwetterlage vor allem in der ersten Monatshälfte. Ist es nachts bewölkt und windig, dann kühlt es nicht besonders stark ab.

Wir bekommen über unsere Social Media-Kanäle täglich mit, wie viele Menschen regelmäßig jammern, dass es doch so kalt, wechselhaft und nass sei. Das was wir im März erlebten „ist doch kein Frühling“. Dabei ist einfach das Gefühl verloren gegangen, was im mitteleuropäischen Klima „normal“ ist oder normal war. Seit dem Jahr 2000 lagen beispielsweise alle Sommer (Juni, Juli, August) über dem Klimamittel der Sommer 1961 bis 1990. Kaum vorstellbar was hier los wäre, wenn es heutzutage einen Sommer gäbe, der kälter wäre als das Mittel 1961 bis 1990. Ein nur leicht überdurchschnittlicher Sommer, kommt heute vielen schon kalt vor.

 

März 2019 an ausgewählten Stationen – tägliche Abweichung vom Klimamittel 1981 bis 2010

Im Folgenden sehen wir  für die oben aufgeführten Wetterstationen die täglichen Abweichungen vom Klimamittel.  Die täglichen Abweichungen liegen so gut wie nie bei 0 K (Temperaturdifferenzen werden immer in Kelvin angegeben), zu über 90% ist es täglich entweder wärmer oder kälter als im Klimamittel, oft sogar deutlich. Das liegt einfach an unserem mitteleuropäischen und oft wechselhaften Wetter. Mal Kälte, dann wieder sehr milde Luft. Deswegen ist es auch völliger Blödsinn bei täglichen Abweichungen nach oben oder unten generell von „nicht normal“ zu sprechen. Es muss mindestens die Gesamtbilanz über einen Monat oder eine Jahreszeit betrachtet werden, um eine Aussage zu treffen. Für Klimatrends müssen dagegen mehrere Jahrzehnte betrachtet werden, mindestens 30 Jahre, so wie eben die jeweilige Vergleichsperiode (hier die neuere Referenzperiode 1981 bis 2010). Wie wir oben bereits erfahren haben, würden die positiven Abweichungen zu 1961 bis 1990 noch höher ausfallen.


Großes Klimaarchiv mit:



Vorhersagekarten Temperaturabweichungen vom Klimamittel des ECMWF


Schauen wir uns die Aussichten für den Rest der Woche bis Anfang April an, dann wird sich an den Abweichungen nicht mehr viel ändern. Zumindest ist ein „zu kalter“ Monat praktisch ausgeschlossen. Unten im Temperaturtrend für Frankfurt am Main ist frostfreies Wetter mit Tageshöchstwerten meist über 10, teils über 15 Grad zu sehen.

Deutliche Erwärmung in den vergangenen Jahren

Zur Veranschaulichung habe ich zwei Grafiken des Deutschen Wetterdienstes eingebunden. Sie zeigen die Temperaturanomalie für Deutschland seit den regelmäßigen Wetteraufzeichnungen ab dem Jahr 1881. Als Referenz dient oben in der ersten Grafik der Zeitraum 1961 bis 1990, also mit den Mittelwerten aus diesem Zeitraum werden alle Jahre verglichen. Die zweite Grafik weiter unten zeigt den Vergleich mit der neueren Referenzperiode von 1981 bis 2010.

Es werden zwei Dinge deutlich: Die Abweichungen in den 80er Jahren und weiter zurück sind mit der neuen Referenzperiode deutlich negativer, also viel kälter, wenn man so will. Das zeigt, wie ich oben schon erklärt habe, dass die neue Referenzperiode 1981 bis 2010 schon (deutlich) höhere Mitteltemperaturen hat. Es wird allerdings auch deutlich, dass nach dieser neuen Vergleichsperiode, welche ja bereits wärmer ist, vor allem seit den 90er Jahren der eindeutige Trend zu positiven Abweichungen dennoch bestehen bleibt.

Grafiken: Deutscher Wetterdienst

 

Die wärmsten Jahre an ausgewählten Wetterstationen

Unten sind Hitlisten mit den wärmsten Jahren an zwölf Wetterstationen. Es ist die Jahresmitteltemperatur der jeweils 15 wärmsten Jahre seit Messbeginn (dieser steht in Klammern hinter dem Stationsnamen) aufgeführt. Wenn weitere Jahre die gleiche Mitteltemperatur wie Platz 15 hatten, habe ich diese ebenfalls noch aufgeführt. Beispiel Bremen: Platz 15 hat 10.1°C, die folgenden Jahre aber ebenfalls und sind mit in der Hitliste.

Orange markiert sind Jahre ab dem Jahr 2000. Dadurch wird deutlich, dass sehr viele der warmen Jahre, egal an welcher Station, seit dem Jahr 2000 aufgetreten sind. Von den 18 wärmsten Jahren in Frankfurt seit Messbeginn 1950, fallen 15 auf die Jahre seit 2000! Auf den Bergen sieht es dagegen nicht anders aus, wie unten für den Brocken, den Kahlen Asten, den Fichtelberg im Erzgebirge sowie den Feldberg im Schwarzwald zu sehen. Und natürlich hat es auch früher (nennen wir „früher“ hier die ersten Jahre des Messbeginns) warme Jahre gegeben, aber in der Hitliste finden sich davon kaum noch welche.

 

Klimatrends immer nur über viele Jahre ersichtlich

Ich zeige hier einfach nur Daten der vergangenen Jahre und will gar nicht groß den Klimawandel beziehungsweise die eindeutige Erwärmung der vergangenen Jahre und Jahrzehnte vertiefen, erst recht nicht, wie viel Anteil der Mensch hat. Das ist nicht meine Aufgabe, sondern die der Klimaforschung. Dennoch ist es immer schlimm, wie viele Menschen Wetter und Klima in einen Topf werfen. Klimatrends sind immer nur über einen langen Zeitraum von mindestens 30 Jahren zu sehen, wobei das logischerweise erdgeschichtlich ein Wimpernschlag ist. Es ist nicht ausschlaggebend, wenn es ein oder gar zwei Monate gibt, die unterdurchschnittlich ausfallen, anders gesagt „zu kalt“. Das war zuletzt im Februar und März 2018 der Fall und schon kamen laute Stimmen „wo denn die Klimaerwärmung hin ist?“. Ich will damit sagen, dass wir immer einen viel größeren Zeitraum betrachten müssen und wie wir in den Hitlisten mit den wärmsten Jahren sehen, landete 2018 trotz der zwei kalten Monate noch ganz oben unter den wärmsten Jahren seit Beginn der Wetteraufzeichungen.

Einzelne kalte Monate sind genau so wenig ein Zeichen gegen eine Erwärmung, wie einzelne warme Monate ein Zeichen für die Erwärmung sind. Die Summe über viele, viele Jahre macht es. Wir erinnern uns an den kalten und sehr schneereichen Dezember 2010 oder den kalten und winterlichen März 2013. In der Summe der Monate sind solche kalten Monate aber mittlerweile Ausreißer, die (deutlich) „zu warmen“ Monate überwiegen.

Ebenso ist es natürlich völliger Blödsinn jede Hitzewelle und erst recht jedes Unwetter mit dem Klimawandel in Verbindung zu bringen. Nehmen wir das Beispiel Hitze: Im Jahr 2018 gab es an vielen Orten so viele Sommertage (>=25°C) und Hitzetage (>=30°C) wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Es ist nahe liegend, dass der Klimawandel beziehungsweise die Erwärmung damit in Verbindung steht, aber dennoch muss man für einen Trend die Hitzetage aus vielen Jahren auswerten, mindestens 30 Jahre sollten es schon sein. Für Frankfurt zeigt sich dann in der Hitliste unten, dass 2018 schon absolut beispiellos war, denn der alte Rekord wurde um 12 Tage übertroffen. Ebenso liegen in den Top 10 das Jahr 2003 auf Platz 2 und 2015 auf Platz 3. Ganze fünf Jahre, also die Hälfte, stammen auch hier aus den Jahren seit 2000.

Frankfurt/Main Anzahl Hitzetage (>=30°C) seit 1950
2018 43.0
2003 31.0
2015 27.0
1994 26.0
1976 22.0
1964 21.0
2005 20.0
1995 20.0
2006 20.0
1983 18.0



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