Große Niederschlagsbilanz seit 2018 – April 2019 verbreitet zu trocken

Der April 2019 war fast landesweit in Deutschland „zu trocken“, also es gab weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel. Besonders trocken war es erneut im Osten Deutschlands. Zudem will ich in diesem Beitrag Bilanz ziehen bezüglich der Dürre im Jahr 2018. Gab es bisher einen Ausgleich?

Niederschläge April 2019

Werfen wir zunächst einen Blick auf die Karte mit den Niederschlagsmengen für den April 2019 und zum Vergleich den April 2018. Die Karten werden sowohl aus abgeleiteten Radardaten als auch aus Messwerten von Wetterstationen erstellt. Im Umfeld der Radarstandorte kann es örtlich durch falsche Radarpixel zu Fehlinterpretationen kommen – für einen Überblick ist die Karte aber sehr gut. Die Regionen mit hellgrün und blau im Osten fallen sofort auf, also die Gebiete, wo nicht wirklich viel zusammenkam. Am meisten Niederschlag gab es dagegen im Südwesten.

Interessant ist der Vergleich mit dem April 2018, er war der wärmste April seit regelmäßiger Messungen im Jahr 1881. Es zeigt uns wieder sehr gut, dass die Temperaturen nichts mit dem Niederschlag zu tun haben, denn der April im vergangenen Jahr war flächig gesehen deutlich nasser! Schauen Sie sich die Detailkarten unter folgenden Links an:

Die Liste mit ausgewählten Wetterstationen quer durch Deutschland verteilt zeigt den zu trockenen Monat sehr gut. Lediglich in Saarbrücken-Ensheim fiel mehr Niederschlag als im langjährigen Mittel (Mittel 1981 bis 2010). In Berlin-Dahlem gab es lediglich 6,5 mm Niederschlag, was hier Platz 5 in der Hitliste der trockensten Monate April seit 1950 macht, gleich auf mit dem Dürrejahr 1976, als ebenfalls nur 6,5 mm zusammenkamen.

Die Abweichungen beziehen sich wie oben schon erwähnt auf die 30jährigen Mittelwerte von 1981 bis 2010. Man muss immer bedenken, dass grob gesagt im Westen deutlich mehr Niederschlag fällt als im Osten. Wir sehen das an den Abweichungen, wenn man Essen-Bredeney mit Berlin-Dahlem vergleicht. Obwohl es in Essen viel mehr Niederschlag gab, sind die Abweichungen zum Mittel noch größer als in Berlin. Deswegen ist es wichtig nicht nur die absolute Mengen zu betrachten, sondern immer eine Einordnung zu den Mittelwerten. Wir vergleichen Hamburg ja auch nicht mit der Sahara. Für Leipzig Holzhausen musste ich mit umliegenden Stationen drei Tage Ende April ergänzen, da es dort keine Messung bzw. Meldung gab!

Trockenste Orte April 2019

Neuburg/Donau (Flugplatz) 380 m 5.2 mm
Berlin-Dahlem (FU) 51 m 6.5 mm
Schönhagen (Ostseebad) 4 m 7.0 mm
Greifswalder Oie 10 m 7.2 mm
Grünow 56 m 7.3 mm
Menz 77 m 7.3 mm
Coschen 43 m 7.3 mm
Manschnow 12 m 7.6 mm
Leck 6 m 8.1 mm
Berlin-Tegel 35 m 8.2 mm
Waren (Müritz) 70 m 8.3 mm
Berlin-Tempelhof 48 m 8.4 mm
Zehdenick 41 m 8.8 mm
Schleswig 3 m 9.0 mm
Schleswig-Jagel 22 m 9.0 mm

Jahr 2019 bis einschließlich April

Die folgenden Karten zeigen den Niederschlag seit Jahresbeginn im Vergleich für denselben Zeitraum bis Ende April im Jahr 2018. Ganz grob gibt es eine ähnliche Verteilung, betrachtet man den Osten genauer, dann ist es aktuell in einigen Gebieten oft sogar etwas trockener als im Jahr 2018. Auch hier können Sie sich die Detailkarten genauer in ihrer Region ansehen:


Übersicht zahlreiche Niederschlagssummenkarten mit Archiv


Trockenste Orte Jahr 2019 bis einschließlich April

Bad Lauchstädt 119 m 76.4 mm
Erfurt-Weimar 254 m 76.6 mm
Grünow 56 m 87.6 mm
Artern 131 m 89.6 mm
Worms 95 m 90.2 mm
Olbersleben 160 m 92.2 mm
Dachwig 173 m 92.4 mm
Leipzig/Halle 131 m 97.8 mm
Trollenhagen 69 m 100.0 mm
Aschersleben-Mehringen 109 m 103.0 mm
Bernburg/Saale (Nord) 90 m 103.6 mm
Lüchow 17 m 103.7 mm
Neuburg/Donau (Flugplatz) 380 m 104.0 mm
Naumburg/Saale-Kreipitzsch 246 m 107.3 mm
Greifswalder Oie 10 m 110.4 mm
Köthen (Anhalt) 88 m 110.8 mm
Quedlinburg 128 m 111.0 mm
Querfurt-Mühle Lodersleben 166 m 111.0 mm
Jeßnitz 73 m 111.5 mm
Manschnow 12 m 111.7 mm

Niederschlagsbilanz seit der Dürre 2018

In der folgenden Liste sehen wir die Niederschlagsmengen während der großen Trockenheit 2018 von Februar bis November im Vergleich mit den Niederschlagsmengen seit dem 1. Dezember 2018. Bis Ende November ging die Trockenheit, bevor im Dezember der große Umschwung zu nassem Wetter kam. Jeweils habe ich die Abweichungen vom langjährigen Mittel hinzugefügt, die sich immer auf den ausgewerteten Zeitraum beziehen, also Februar 2018 bis November 2018 und Dezember 2018 bis April 2019.

Wie eigentlich auch zu erwarten war, ist das Defizit trotz des oft nassen Wetters zu Jahresbeginn nach dem nun trockenen April so gesehen nicht ausgeglichen. Das ist natürlich auch nur schwer möglich, da das Defizit 2018 enorm war. Allerdings zeigen die Zahlen doch recht deutlich, dass nicht wirklich viel mehr Niederschlag als im langjährigen Mittel seit dem 1. Dezember gefallen ist. Speziell in den Mittelgebirgen und Alpen sieht es dagegen etwas anders aus. Hier kam doch deutlich mehr zusammen. Groß sind die Abweichungen besonders im Osten. Nach der Dürre fehlen auch seit Dezember in Erfurt über 50 mm und in Berlin über 30 mm zu den langjährigen Mittelwerten.

 

Niederschlagsvorhersage bis zum 11. Mai

Die Karte unten zeigt die aktuelle Berechnung des ECMWF Modells. Im Osten käme wieder nur wenig zusammen, was allerdings, ich betone es noch einmal, klimatologisch nicht so besonders ist. Hier fällt eben deutlich weniger Regen als im Süden und Westen, wo auch oft über 30 bis 40 mm zusammenkommen sollen. Aber wie dem auch sei, Regen ist im Osten bitter nötig und es könnte mit nur wenig Niederschlag auch im Mai erst einmal weitergehen. Über einen Dürresommer 2019 zu spekulieren ist natürlich totaler Schwachsinn. Es weiß niemand was uns in den kommenden Monaten erwarten wird und dass es bei viel zu trockenem Wetter eine neue Dürre geben wird, insbesondere bei der Vorgeschichte mit dem Jahr 2018, ist jetzt keine große Erkenntnis. Es kann auch einen total verregneten Sommer geben, ich erinnere daran, dass der Sommer 2017 gerade im Osten und auch in Berlin einer der nassesten seit Messbeginn war!

Die Karte ist nur eine Momentaufnahme, schauen sie die aktuellen Berechnungen unter dem folgenden Link an oder für ihren Ort im XL Trend (Beispiel Berlin unten):



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