Was ist ein Tornado und was ist eine Trichterwolke?

Die international übliche Definition eines Tornado lautet: „Unter einem Tornado versteht man einen kleinräumigen Wirbel mit mehr oder weniger senkrechter Achse, der von einer konvektiven Wolke bis zum Boden reicht.“ Eine konvektive Wolke ist eine nach oben wachsende Wolke: eine Quellwolke die zu einem ausgewachsenen Gewitterturm werden kann.

Oft taucht in Verbindung mit Tornados das Wort Superzelle auf. Doch genau so eine Superzelle (ein langlebiges, kräftiges Gewitter mit rotierendem Aufwindbereich) ist nicht zwingend notwendig, damit sich ein Tornado bilden kann. Entscheidend ist, dass es sich um einen durchgehenden Luftwirbel handelt. Da man Luft jedoch normalerweise nicht sehen kann, sieht man auch den eigentlichen Tornado nicht – es sei denn, er wird durch andere Einflüsse sichtbar. Genau das passiert in Form einer Trichterwolke (englisch: Funnelcloud). Eine Trichterwolke ist der durch Kondensation sichtbare Teil des Luftwirbels, der von der Wolkenbasis nach unten reicht. In diesem Bereich sinkt der Luftdruck stark ab und es setzt schneller Kondensation (=Wolkenbildung) ein. Dies passiert, indem am Boden etwas aufgewirbelt wird. Das können Staub, Wasser oder einfach Trümmer sein.

Es gilt also: Funnelcloud = Wolke, Tornado = Wirbel mit Bodenkontakt

 

Der Wirbel muss dabei nicht durchgehend von der Wolke bis zum Boden sichtbar sein. In manchen Fällen ist die Trichterwolke sogar kaum ausgeprägt, aber unten am Boden richtet der Wirbel starke Schäden an. Selbst bei dem starken Tornado am 23. Juni 2004 in Micheln (Sachsen-Anhalt), bei dem rund 270 Häuser zum Teil schwer beschädigt und mehrere Menschen verletzt wurden, reichte die Trichterwolke nur bis etwa zur Hälfte der Strecke Wolke – Boden hinab. Von unten aufgewirbelter Staub machte den unteren Teil schließlich ebenfalls sichtbar. Ist der Boden aber feucht, dann fällt die Staubwolke weg. Bei den Zwillingstornados am 05. Juni 2016 bei Schleswig wurde nach langer Trockenheit extrem viel Staub aufgewirbelt, der die beiden Tornados sichtbar machte.

 

Es ist Vorsicht geboten, wenn man eine Funnelcloud beobachtet. Sie ist an sich zwar nicht gefährlich, aber: da es nur der durch Kondensation sichtbare Teil des Wirbels ist, sollte man sehr auf der Hut sein, wenn man einen solchen Wolkentrichter erblickt. Es kann sich bei dem Wirbel schon längst um einen Tornado handeln. Es besteht Lebensgefahr! Auch bei dem Tornado am 07. Juni 2016 in Hamburg war die meiste Zeit kein durchgehender Wirbel sichtbar, es gab aber ehebliche Schäden. Deshalb sollte man immer Abstand von einer Trichterwolke halten und erstrecht von einem sichtbaren Tornado.

 

Anders als in den meisten Katastrophenfilmen und sogar in vielen Dokumentationen über Tornados erkennt man die Drehbewegung der Trichterwolke auf den ersten Blick oft gar nicht. Man muss schon genau hinschauen. In TV-Beiträgen werden häufig Zeitrafferaufnahmen gezeigt, um das Geschehen noch dramatischer wirken zu lassen, als es ohnehin schon ist.

 

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