Unwetter-Jahresrückblick 2015

Ergänzend zu unserem großen Rückblick auf das denkwürdige Wetterjahr 2015 haben wir auch einen Rückblick auf das Unwetterjahr erstellt. 2015 zeichnete sich in Deutschland durch zahlreiche Sturmereignisse und sommerliche Gewitter, aber auch durch wochenlange Trockenphasen aus, während der die Pegelstände der Flüsse und Seen zum Teil drastisch absackten. Herausragende Ereignisse waren mehrere sehr starke Tornados im Mai, eine Sturmserie im Januar und das Orkantief „Niklas“ am 31. März.

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Schäden durch einen starken Tornado im Landkreis Lüchow-Dannenberg am 10.01.2015 (Quelle: Dennis Müller)

Anfang Januar stellte sich eine Westwetterlage ein, mit der atlantische Tiefs in rascher Folge nach Skandinavien und Europa zogen. Am 9. und 10. Januar erfassten die Sturmfelder des Sturmtiefs „Elon“ und des Orkantiefs „Felix“ vor allem Norddeutschland mit Böen bis Orkanstärke, die einige Schäden anrichteten. An der deutschen Nordseeküste sowie in Bremen und Hamburg gab es am Morgen des 11. Januar eine schwere Sturmflut, bei der das Wasser in Hamburg 3,03 Meter höher auflief als normal. Beide Tiefs lenkten höhenkalte Luft in den Norden Deutschlands. Dadurch konnten sich Gewitter mit heftigen Böen und sogar einzelnen Tornados bilden. Ein starker Tornado hinterließ in Niedersachsen eine mehr als 5 Kilometer lange Schneise mit Verwüstungen, Menschen und Häuser waren aber nicht betroffen.

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Schäden durch den Orkan „Niklas“ im Bergischen Land (Quelle: Thomas Sävert)

Am 2. März durchzog ein schwacher Tornado den osthessischen Ort Otterbach und richtete Schäden an zahlreichen Dächern an. Bäume stürzten um und 500 Kilogramm schwere Heurollen wurden fortbewegt. Auch sonst gab es an diesem Tag durch das Sturmtief „Zacharias“ einige Schäden in der Mitte und im Süden Deutschlands. Am 29. März wurde der Bahnverkehr im Norden und Osten auf einigen Strecken durch umgestürzte Bäume behindert. Das Sturmtief „Mike“ war aber nur der Vorgeschmack auf das ungewöhnlich späte Orkantief „Niklas“, das am 31. März nahezu landesweit Sturmböen, gebietsweise auch orkanartige Böen und Orkanböen bis in tiefe Lagen brachte. Die Wetterstation auf der Zugspitze meldete einen Spitzenwert von 192 km/h, der höchste Wert im Flachland wurde auf der Nordseeinsel Wangerooge mit 140 km/h erreicht. Der versicherte Schaden betrug nach Angaben des Gesamtverbandes der Versicherer etwa 750 Millionen Euro. Das ist mehr als ein Drittel der gesamten versicherten Unwetterschäden im Jahr 2015. Damit gehört „Niklas“ zu den 5 teuersten Winterstürmen seit 1997. Durch den Sturm gab es neun Tote und der Bahnverkehr musste in mehreren Bundesländern komplett eingestellt werden. Mehrere Tornadoverdachtsfälle im Bereich des Sturms konnten vorerst nicht bestätigt werden.

Der Sturm nahm am ersten Tag des Monats April langsam ab, ließ aber im Norden und Osten noch einige Bäume umstürzen. Danach beruhigte sich das Wetter und bei wochenlanger Trockenheit sanken die Pegel der meisten Flüsse deutlich ab. Größere Unwetter blieben aus, erst am 27. April bildeten sich vor allem in Baden-Württemberg und Sachsen örtlich heftige Gewitter mit Starkregen und Hagel. Im Landkreis Rottweil rückten sogar Schneepflüge aus, um die bis zu 10 Zentimeter hohe Hageldecke auf den Straßen zu beseitigen.

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Dopplerradarbild vom 05.05.2015, grün zeigt Bewegung zum Radar bei Rostock hin und rot vom Radar weg. Direkt im Bereich Bützow sind deutlich gegenläufige Richtungen und damit Rotation auf engstem Raum zu erkennen.

Der Mai war geprägt durch mehrere schwere Unwetterlagen. Schon am 5. Mai zogen kräftige Gewitter über den Norden und Nordosten Deutschlands hinweg, vor allem Mecklenburg-Vorpommern war betroffen. Hier wurden bisher 6 Tornados bestätigt, weitere Verdachtsfälle liegen vor. Ein starker Tornado der Stärke F2 (ca. 180 bis ca. 250 km/h) traf den Ort Groß Laasch, wo das ehemalige Bahnhofsgebäude auseinandergerissen wurde und der angrenzende Wald einen Totalschaden erlitt. Der stärkste Tornado an diesem Abend (Stärke F3, ab 255 km/h) traf die Kleinstadt Bützow. Im Südwesten der Stadt wurden Gebäude fast ganz zerstört und eine Schneise der Verwüstung zog sich durch die Stadt. Es handelte sich um einen breiten „Multivortex-Tornado“, bei dem mehrere kleine, aber starke Wirbel um ein Zentrum rotieren. Zum Glück gab es keine Toten, der Schaden lag aber im zweistelligen Millionenbereich.

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Schwere Schäden am 13. Mai bei Augsburg (Quelle: Daniel Richter)

Bereits am 12. Mai gab es die nächste markante Unwetterlage in Deutschland. Betroffen waren besonders Hessen und die Osthälfte des Landes. Zahlreiche Gewitter brachten vor allem Sturm und Überschwemmungen. Elf Tornadoverdachtsfälle wurden registriert, von denen vier in Runkel-Arfurt / Seelbach (Hessen), Kirchgandern (Thüringen), Nohra (Thüringen) und Alten (Sachsen-Anhalt) bestätigt werden konnten. Der Tornado in Kirchgandern erreichte die Stärke F2 mit Windspitzen um 200 km/h. Am Abend des 13. Mai überquerten mehrere so genannten Superzellen – langlebige kräftige Gewitter mit beständig rotierendem Aufwindbereich – den Süden von Baden-Württemberg und Bayern. In Freiburg beschädigte Hagel bis Golfballgröße viele Fahrzeuge. Tornados wurden bei Lenzkirch und von Bonndorf bis nach Fützen (alle in Baden-Württemberg) registriert. Der Tornado ab Bonndorf erreichte die Stärke F3 der Fujitaskala, streifte aber nur wenige bewohnte Orte. In den Wäldern gab es enorme Schäden innerhalb einer bis zu 400 Meter breiten und mehr als 30 Kilometer langen Schneise. Weiter östlich bildete sich bei Augsburg (Bayern) ein weiterer Tornado der Stärke F3, der vor allem in den Orten Stettenhofen und Affing mehrere Häuser zerstörte und sogar Fahrzeuge durch die Luft wirbelte. Stark abgeschwächt zog er bis nach Aichach. Der Gesamtschaden durch die Tornados an diesem Abend wurde auf etwa 100 Millionen Euro geschätzt. Am 29. Mai fegte ein Tornado zunächst einen LKW von der Autobahn A9 und traf danach den Ort Freystadt-Ohausen (Bayern), wo etwa 20 Dächer beschädigt wurden.

Im Juni wurden vor allem lokale Unwetter beobachtet. Hochdruckphasen trugen zu einem recht trockenen Monat bei, während örtlich Überschwemmungen durch Starkregen und Hagel auftraten. Überwiegend waren es Gewitter, die nur langsam zogen und so lokal eng begrenzt große Regenmengen brachten. Wegen des oft nur schwachen Höhenwindes waren die Bedingungen für die Tornadoentstehung recht ungünstig. Anders als im Mai wurden daher nur wenige, schwache Tornados bestätigt.

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Extreme Schäden am 07.07.2015 in Framersheim (Quelle: Sebastian Stöttinger)

Im Juli und August 2015 lösten schwere Unwetter nur gelegentlich Hitzeperioden ab. Am 5. Juli und erneut am 7. August wurde im bayerischen Kitzingen mit 40,3 Grad der deutsche Hitzerekord aufgestellt, es folgten in vielen Regionen heftige Unwetter. Am 7. Juli trafen Gewitterfallböen („Downburst“) den rheinland-pfälzischen Ort Framersheim mit Spitzenböen bis über 200 km/h und richteten hier Schäden in Millionenhöhe an. Im weiteren Verlauf gab es landesweit einzelne heftige Gewitter, wobei es in der Landesmitte vom Saarland bis nach Sachsen kaum Niederschlag gab. Im Juli wurden mindestens zwei Tornados beobachtet. Im August gab es mindestens zwei Tornados in Ahausen bei Bremen mit Schäden auf zwei Höfen und am 15. auf dem Jadebusen.

Der September startete mit schweren Unwettern. Bereits in der Nacht zum 1. September überquerten kräftige Gewitter Teile Brandenburgs. In der Gemeinde Niederer Fläming flogen größere Dachteile bis zu 300 Meter weit. Ein Tornado ist in diesem Fall wahrscheinlich, aber noch nicht bestätigt. Danach gab es nur noch sporadisch stärkere Unwetter. Am 11. September richtete ein schwacher, aber spektakulär aussehender Tornado in Neugersdorf-Ebersbach (Sachsen) leichte Schäden an. Am 15. September hinterließ ein Tornado in Ostholstein (Schleswig-Holstein) in einer mehr als 8 Kilometer langen und 50 bis 100 Meter breiten Schneise erhebliche Schäden. Auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums wurden etliche PKW beschädigt. Ein Tornado bei Xanten am Niederrhein betraf am 22. September glücklicherweise nur freie Flächen.

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Schnee am Abend des 24.11. im Bergischen Land (Quelle: Thomas Sävert)

Im insgesamt durchschnittlichen Oktober herrschte oft wechselhaftes Wetter. Am 14. Oktober sank die Schneefallgrenze bei anhaltenden Niederschlägen im Westen gebietsweise bis in tiefe Lagen ab. In allen Bergländern bildete sich eine Schneedecke, zum Teil so früh wie noch nie seit Aufzeichnungsbeginn. Es gab sogar Behinderungen durch Schneebruch. Extremes Niedrigwasser stellte sich im November in vielen Flüssen ein. Am 17./18. November brachte das Sturmtief „Heini“ vor allem im Norden und in der Mitte lokal orkanartige Böen, Bäume stürzten um und einzelne Dächer wurden beschädigt. Am 24. November legte sich über die Mitte und den Süden des Landes verbreitet eine mehrere Zentimeter hohe Schneedecke, die aber meist schnell wieder dahinschmolz. Der Dezember verlief insgesamt ruhig und ungewöhnlich mild. Bestätigte Tornados wurden von Oktober bis zum Jahresende nicht registriert.

Insgesamt sind bisher 32 Tornados im Jahr 2015 bestätigt. Da zahlreiche Fälle noch untersucht werden, kann sich die Zahl noch erhöhen. Eine genaue Statistik für Deutschland gibt es derzeit noch nicht, wir gehen aber von 30 bis 60 Tornados pro Jahr aus. Dabei können Tornados bei uns genauso stark sein wie in den USA. Selbst tonnenschwere Mähdrescher wurden in Deutschland schon mal durch die Luft gewirbelt. Die meisten Tornados sind allerdings schwach – egal ob hier oder in den USA.

 

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