Monatsrückblick: Hitze, Unwetter, #julisturm – die Fakten

Und da ist er schon wieder vorbei – der Juli 2015. Bald bauen die Supermärkte die Weihnachtsdeko wieder auf… 😉 Wir blicken zurück auf die extremen Niederschläge, die unerträglich heißen Temperaturen und den ungewöhnlichen #julisturm.

Der Juli war – Überraschung – wärmer als im Durchschnitt. Beim Durchschnitt beziehen wir von Kachelmannwetter uns auf die letzte Klimaperiode der 30 Jahre von 1981 bis 2010. 18,0°C beträgt in diesem Zeitraum die für Deutschland über die ganze Fläche gemittelte Tagesmitteltemperatur. 2015 hatten wir 19,4°C. Die heißen Phasen in der ersten und dritten Juli-Woche hinterlassen also Spuren in der Statistik, da können die teils recht kühlen Tage nix dran ändern. Mit knapp 3 Grad mehr war es vor allem im südlichen Deutschland deutlich zu heiß; ganz im Norden waren wir voll im Durchschnitt.

Besonders hervorzuheben ist natürlich die urige Hitze ganz zu Beginn des Monats: mit 40,3°C am 05.07. wurde nicht nur der Juli-, sondern gleich der Allzeitrekord in Deutschland überhaupt neu aufgestellt. 40,3°C sind also nun offiziell die jemals an irgendeinem Tag in Deutschland gemessene Tageshöchsttemperatur ever. „Glückwunsch“ an Kitzingen für diese Hausnummer.

Die 5 höchsten Juli-Tagesmaxima (nicht zu verwechseln mit Allzeitrekorden, die vor allem im August auftreten, was die Statistik um einiger 40er erweitern würde) sind nun:

  1. 40,3°C Kitzingen, Juli 2015
  2. 40,2°C Gärmersdorf, Juli 1983
  3. 40,0°C Kösching, Juli 1983
  4. 39,8°C Kahl/Main, Juli 2015
  5. 39,7°C Bad Dürkheim, Juli 2015

Anbei eine Grafik mit den Höchstwerten des flächendeckend heißesten Tags im vergangenen Monat, dem 04.07. (ebenfalls nicht zu verwechseln mit dem 05.07., an dem besagter Rekord gebrochen wurde, es aber nicht verbreitet so heiß war, sondern eben konzentriert im Rhein-Main-Gebiet sowie Unterfranken).

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Auffällig und auch nicht so oft vorkommend waren Bodenfrost-Ereignisse diesen Monat. Wenn Sie sich hier die Temperaturen in 5 cm über der Grasnarbe angucken, können Sie bei Werten von oder unter 0.0°C von Bodenfrost ausgehen: http://kachelmannwetter.com/de/messwerte/deutschland/tiefsttemperatur-boden.html

Meine geschätzten Kollegen Andreas Neuen und Fabian Ruhnau haben am Morgen des 10. Juli (fünf Tage nach den Allzeitvierziggrad!) Bodenfrost gefunden und das ganze audiovisuell festgehalten https://wetterkanal.kachelmannwetter.com/video-10-juli-2015-hitze-weg-frost-in-der-eifel/.

Ein weiteres Thema im Juli 2015 waren natürlich die Unwetter. Wir haben sie versucht, rechtzeitig anzukündigen, und ich denke, dass uns das, soweit es möglich war, recht gut gelungen ist. Riechen Sie das? Eigenlob stinkt… Jedenfalls kauen wir das jetzt nicht alles nochmal durch, ich möchte nur kurz einige Dinge anmerken. Wenn ich Ihnen jetzt sage, dass der Juli trockener als im Durchschnitt war… zeigen Sie mir wahrscheinlich den Vogel. Nun ja. Es gab viele kräftige Schauer, es gab aber auch Landregen. Die Regensummen für diesen Monat im Überblick:

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Am Ende ist der Nordosten über den Landregen glücklich gewesen, durfte sich aber auch ärgern über derbe Unwetter. Wenn Sie sich dennoch erinnern möchten, können Sie jederzeit kostenlos die Niederschlagssummen abrufen für das Gewitter, was bei Ihnen war: http://kachelmannwetter.com/de/regensummen/deutschland/niederschlagssumme-24std/20150731-0850z.html

Exemplarisch für die heftigen und eben sehr lokal begrenzten Unwetter möchte ich die Niederschlagssummen bei Stendal (Sachsen-Anhalt) hervorheben, und wir Meteorologen jubeln darüber, dass dieses wirklich sehr kleinräumige und sich kaum bewegende Gewitter endlich einmal über einer Messstation niederging: 119,9 Liter pro Quadratmeter brachte dieses Teil hervor. Wäre es über irgendeinem Feld niedergegangen, würde es niemals in irgendeiner Statistik auftauchen. Hier die Grafiken dazu; oben die radarbasierten Summen, unten die tatsächlich gemessenen Werte.

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In den ewigen Juli-Top 5 der höchsten 24-stündigen Regenmengen hat sich Demker damit dennoch nicht festsetzen können:

  1. 234,0 mm Augsburg, Juli 1998
  2. 180,7 mm Bad Reichenhall, Juli 1977
  3. 154,5 mm Brocken, Juli 2002
  4. 145,5 mm Trostberg, Juli 1954
  5. 141,3 mm Wendelstein, Juli 1955

Die höchste Niederschlagsintensität ever wurde übrigens im Allgäu bei Füssen am 25.05.1920 mit schreibe und sage 126 mm innerhalb von 8 Minuten gemessen.

Sonnenschein gab es diesen Monat auch reichlich, er war nirgends unter Durchschnitt, eher im Normalbereich oder leicht darüber. Die Spanne an den Stationen reicht in der Monatssumme von 170 bis 300 Stunden. Die höchste jemals gemessene Sonnenscheindauer eines Julis war übrigens satte 400 Stunden im Jahr 1994 in Arkona.

Nicht zu vergessen in unserem Juli-Rückblick ist natürlich der #julisturm von Tief Zeljko. Solche teils orkanartigen Winde sind nicht ungewöhnlich in Deutschland, aber doch recht selten für diese Jahreszeit; außerdem gefährlicher als im Herbst oder Winter, da Open Air Veranstaltungen stattfinden und die Bäume höherer Belastung ausgesetzt sind, weil sie Laub tragen. Für Meteorologen war der Sturm schwer vorherzusagen, weil das Tief sich eben sehr rasch und sehr kleinräumig entwickelt hat.

Die stärkste Böe wurde mit 159 km/h auf dem Brocken gezählt. Was allerdings für die Höhe von 1141 m üNN kein Wunder ist, da die Windgeschwindigkeit in der Regel mit der Höhe zunimmt. Der Rekord für den Brocken wurde übrigens im November 1984 mit 263 km/h aufgestellt. Der Allzeit-Rekord für die stärkste deutsche Böe überhaupt wird von der Zugspitze getragen mit 335 km/h. Schauen Sie sich hier die stärksten Böen vom 25./26.07. im gewünschten Zeitraum für Ihren Ort noch einmal in Ruhe an http://kachelmannwetter.com/de/messwerte/deutschland/windboeen-6h.html.

Danke fürs Lesen!

Herzlich Willkommen, August! Wir sind gespannt, was uns erwartet.

 

5 Kommentare

  1. Petra 1. August 2015
    • Marcus 1. August 2015
  2. Kobi Robertowitsch 1. August 2015
    • Marcus 1. August 2015
  3. Seb 1. August 2015

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