Interpretation von Radarbildern – alles zum Regenradar

In Deutschland gibt es den Radarverbund des Deutschen Wetterdienstes, von dem alle Radarbilder jeglicher Anbieter stammen. Es gibt zwar noch einzelne Radarstationen, die nicht vom DWD betrieben werden, die eignen sich aber nicht für ein flächendeckendes Radarbild (Komposit).

Durch ein Wetterradar bekommt man flächendeckend dreidimensionale Informationen zum Niederschlag, sowohl was die Intensität betrifft als auch die Stärke. Oft wird angenommen, dass ein Niederschlags- bzw. Wetterradar auch Wolken anzeigt, das ist nicht der Fall! Für einen Überblick zur aktuellen Wolkenverteilung gibt es Satellitenbilder, wo Sie zahlreiche für die ganze Welt auf kachelmannwetter.com im Menü „Satellitenbilder“ finden. Die Satellitenbilder werden von Wettersatelliten aufgenommen, die in 36.000 Kilometer über dem Äquator schweben, während ein Wetterradar bodengebunden ist.

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Unten sehen wir die Karte des Deutschen Wetterdienstes mit dem Radarverbund für Deutschland. Die Kreise zeigen jeweils die Reichweite um das Wetteradar herum, die Standorte der Radaranlagen sind jeweils auf der Karte angegeben, wie beispielsweise Essen oder Dresden.

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Quelle: DWD Radarverbund

Die folgende Grafik des Deutschen Wetterdienstes zeigt die Funktionsweise der Radargeräte. Es werden dabei für verschiedene Radarprodukte mehrere Scans in einem unterschiedlichen Winkel durchgeführt

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Quelle: DWD

Beispiel

Wie oben bereits geschrieben, sind die Seiten-/Aufrisse insbesondere bei Gewittern sehr wertvoll und liefern wichtige Informationen. Die Legende zeigt die Reflektivität (dBZ), sie ist abhängig von der Größe und der Anzahl von Regentropfen oder Hagelkörnern pro Volumen. Wir sehen unten als Beispiel ein Bild vom Radarstandort Essen. Oben sehen wir den Aufriss, rechts den Seitenriss. Wir blicken jeweils von der Seite auf die Schauer- und Gewitterwolken. Stellen Sie es sich so vor, dass Sie nördlich oder östlich vom Gewitter im Rheinland stehen und von der Seite hineinblicken. Was sehen wir? Das Gewitter etwas westlich von Köln zeigt bis in über 10 Kilometer Höhe sehr starke Reflektivität, der rote Bereich geht im Aufriss bis über 10 Kilometer hinaus und reicht bis knapp an 12 Kilometer heran. Die Angaben von 0 bis 12 Kilometer jeweils oben und rechts zeigen die Höhe an. Die Gewitterzelle dort bei Köln hat an diesem Tag dort großen Hagel von teils über 4 cm Korngröße gebracht. Je höher und auch breiter sehr starke Echos zu sehen sind (orange und rot), desto größer ist die Wahrscheinlichkeit für extremen Niederschlag im Gewitter. Bei hochreichend roten Echos (>55 dBZ), muss mit hoher Wahrscheinlichkeit von größerem Hagel ausgegangen werden.

Ausfall von Radargeräten

Nun kann es immer mal wieder vorkommen, dass ein Radargerät oder mehrere ausfallen, sei es durch eine Wartung oder durch eine technische Störung. Wir sehen unten ein Beispiel, wo gleich drei Radaranlagen ausgefallen sind: Hannover, Essen und Neuheilenbach. Bei Hannover gibt es den Vorteil, dass der Bereich weitgehend von den umliegenden Anlagen überdeckt wird. Dies ist bei Essen und Neuheilenbach nicht der Fall, da weiter im Westen kein Radar mehr steht. Man sieht die nicht abgedeckten Bereiche in dunkelgrau.

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Man kann in diesem Fall auf andere Radarbilder ausweichen, wie das Radar+Blitze, da es eine höhere Reichweite besitzt als das HD+ Radar.

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Wie deute ich genau ein Radarbild?

Es ist ganz einfach: Unter jedem Radarbild befindet sich eine Legende, die zeigt mit welchen Farben welche Stärke des Niederschlags angezeigt wird. Bei extrem hohen Reflektivitäten, ist in den meisten Fällen von Hagel auszugehen. Es gibt allerdings einige Ausnahmen, denn in seltenen Fällen kann leichter Niederschlag angezeigt werden, obwohl es am Boden trocken ist. Das kann daher kommen, weil Niederschlag in höheren Schichten erfasst wird (Grafik oben mit verschiedenen Scanwinkeln) und dieser bis zum Boden verdunstet.

Ebenso wird Schneefall mit deutlich geringeren Intensitäten angezeigt als Regentropfen oder Hagel. Nehmen wir die Legende unten aus unserem HD+ Radar, dann hört diese bei sehr starkem Schneefall schon maximal im gelb-orangen Bereich auf. Bei dunkelblau bis grün kann es je nach dem ob der Schnee trocken oder nass ist sogar schon stark schneien.

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Radarprodukte von kachelmannwetter.com

Beim optimierten Radarkomposit des Radar HD+ werden die Echos der 17 Radarstandorte abhängig von der Position zum Radar variabel zu einem Komposit verschmolzen. Mit dieser neuen Methode werden sogenannte Artefakte reduziert, die im Überlappungsbereich mehrerer Radare auftreten können. Damit werden verlässlichere Werte erreicht, wenn z. B. in einer Warmfront oder aus einem Gewitteramboss weit oben Niederschlag ausfällt, aber nicht den Boden erreicht. Zudem wird die effektive Auflösung des Radars in diesen Bereichen erhöht.

Vergleich der drei verschiedenen Radarprodukte von der besten Auflösung mit 250 x 250 m über 1 x 1 km bis hin zu 2 x 2 km.

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Fehlechos erkennen

Wir sehen unten ein gutes Beispiel für Fehlechos im Bereich des aktuellen Ersatzradars auf Borkum (links oben). Man erkennt diese sehr gut in der Animation, dass sie sich nicht oder unnatürlich bewegen. Außerdem sind reale Niederschlagsgebiete immer klassisch abgegrenzt von stärkerer Intensität im Kernbereich hin zu schwächerer Intensität am Rand. Wir sehen dazu echte Regenfälle und teils kräftige Gewitter mit hohen Intensitäten (rot) rechts im Bild.

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2 Kommentare

  1. Otto 2. August 2018
    • Kofelheini 3. August 2018

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