Die Regenkatastrophe an der Côte d’Azur – ein Rückblick

Am vergangenen Samstag, den 03.10.2015 kam es in Frankreich an der Côte d’Azur zu unwetterartigen Regenfällen in Verbindung mit Gewittern. Ich schrieb bereits in einem Bericht vom 04.10.2015 über die Ereignisse dort. In den Wassermassen verloren insgesamt 19 Menschen ihr Leben und die schweren Überschwemmungen verursachten Millionenschäden. Unglaublich mag man denken, wie derartige Regenmengen in kurzer Zeit fallen können. Trotz der Tragik des Ereignisses, lassen sich die dramatischen Entwicklungen meteorologisch erklären und sind gar nicht so außergewöhnlich, wie man vielleicht denken mag.

Wetterlage
Schauen wir uns die Wetterlage am 03.10.2015 über Frankreich an: Ursache war in erster Linie ein Höhentief, das über der südlichen Mitte Frankreichs lag und langsam nach Osten zog. Am Boden fand sich zu dieser Zeit kein richtiges zugehöriges Tiefdruckgebiet, weshalb man auch von einem „Kaltlufttropfen“ sprechen kann. Die unten stehende Wetterkarte zeigt die Temperaturen in etwa 5,5 Kilometern Höhe und veranschaulicht gut, was mit dem Kaltlufttropfen gemeint ist. Hier findet sich in der Höhe ein abgeschlossenes Gebiet mit kälterer Luft. Da durch dieses die vertikalen Temperaturgegensätze zum Boden zunehmen, wird die Atmosphäre labil und besonders an der Südostflanke konnten sich kräftige Regenfälle und Gewitter bilden. Hinzu kommt das warme Mittelmeer, von dem sehr viel feuchte Luft zur Côte d’Azur geweht wurde.

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Entwicklung des Unwetters
Am Abend des 03.10. bildete sich direkt an der Mitelmeerküste eine neue, sehr intensive Gewitterzelle. Sie zog nur langsam und generierte sich über einen kurzen Zeitraum immer wieder neu im Bereich von Cannes. Die folgende Animation unser Top Alarm Satellitenbilder zeigt diesen Vorgang sehr anschaulich. Das Satellitenbild zeigt die Wolkenobertemperaturen, die bei der Gewitterzelle über Cannes mit bis zu -68 Grad sehr tief lagen. Das wiederum bedeutet, dass die Gewitterzelle sehr hochreichend und unwetterträchtig war.

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So fielen in Cannes innerhalb von einer Stunde 107 Liter Regen pro Quadratmeter. Auf jeden Quadratmeter im betroffenen Gebiet, kam also soviel Wasser zusammen, wie aus mehr als 10 vollen Putzeimern. Insgesamt summierten sich die Niederschlagsmengen dann in etwa 3 Stunden auf 191 Liter/m². Zur besseren Vorstellung noch ein Vergleich: Nach langjährigen Mittelwerten fallen im ganzen Monat September in Berlin etwa 45 Liter/m².

Einordnung und Ursachen
Derartig intensive Starkniederschläge kommen in den Herbstmonaten im Mittelmeerraum immer wieder vor. Dass es aber genau eine Stadt trifft, ist logischerweise nicht häufig der Fall. Problematisch sind wie in Cannes abschüssige Straßen oder hügeliges Gelände und Gebirge. Wassermassen der Starkniederschläge sammeln sich in den Straßen und verwandeln diese in reißende Ströme. Oft weil es durch die enge Bebauung keine natürlichen Abflussmöglichkeiten mehr gibt. Bei hoher Strömungsgeschwindigkeit, reicht schon ein geringer Wasserstand von 20 oder 30 Zentimetern aus, um Menschen mitzureißen. Bei noch höheren Wasserständen, werden irgendwann auch Autos mitgerissen. Häufig kommt es auch bei uns in Deutschland nach schlimmen Starkregenereignissen zu lauter Kritik an der vorhandenen Kanalisation. Ich behaupte, dass kaum eine Stadt der Welt ihre gesamte Kanalisation für Starkniederschläge mit 100 Liter/m² und mehr in 1 bis 2 Stunden auslegen kann. Die Wassermassen sind so enorm, dass die Dimension der Abwasserrohre wohl nicht nur finanziell an ihre Grenzen stoßen würde.

Sind so große Regenmengen auch in Deutschland möglich?
Kurz gesagt: ja. Bei uns ist in den Sommermonaten Hochsaison für Starkniederschläge, die meist bei kräftigen Gewittern auftreten. Wenn sich diese nur langsam verlagern oder vor Ort über mehrere Stunden immer neu bilden, sind derartige Regenmengen wie in Cannes auch bei uns möglich. Als Beispiel sei das Unwetter von Münster in NRW am 28.07.2014 genannt. Hier fielen an einer Wetterstation des Landesumweltamtes 292 Liter/m² in wenigen Stunden. Die Überschwemmungen in der Stadt waren enorm. Ebenso wurde die Stadt Dortmund im Sommer 2008 von einem stationären Gewitter getroffen, wo um die 200 Liter/m² in 2 bis 3 Stunden fielen. Auch hier kam es zu enormen Überschwemmungen.

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