Deutschland-Wetter: Wir nähern uns der Hitze und wie sicher ist das (Wochen-)Ende?

Natürlich bleiben wir von Kachelmannwetter weiterhin am Hitze-Ball und halten Sie regelmäßig auf dem Laufenden über die Prognosen. Der Witz an der Sache ist, dass ja vor einer Woche von der #vollpfostenmeteorologie schon die 40 für Ende nächster Woche ausgerufen wurde, aber ich als Meteorologe täglich sehe, wie die Modelle hin- und herzappeln und wir uns immer an den Kopf greifen und sagen: Was soll das? Wer gibt Prognosen mit 40°C ab, obwohl sich in den 14 Tagen bis dahin noch (mindestens) 14 mal alles ändert? Nur mit viel Glück errechnen die Modelle am Ende genau das gleiche wie zu Beginn…

Heute will ich mal zeigen, wie sich der Stand der Temperaturen in der Wettervorhersage für die kommende Woche alleine seit gestern so geändert hat und warum das so ist.

Im Titelbild ist eine Tabelle dargestellt (eigens erstellt, bitte nicht ohne meine Erlaubnis kopieren; der Artikel hier darf dennoch gern geteilt werden) – die Tabelle zeigt 4 Linien. 2 für Berlin und 2 für Freiburg. Sie sollen den „Nordosten“ Deutschlands bzw. den „Südwesten“ repräsentieren. Jeder der beiden Orte hat zwei Linien: eine nach heutigem Modellstand und eine nach gestrigem. Konzentrieren wir uns zunächst auf die Unterschiede in den Orten. Wir stellen also rot und grün gegenüber.

Eine Sache möchte ich noch kurz einwerfen: Die Tabelle ist ein reiner Modell-Output, ohne menschlichen Eingriff. Modelle können die Temperatur durchaus etwas verfehlen, daher füge ich hinzu, dass man hier keine definitiven Höchstwerte ablesen kann. Auch in Berlin kann Donnerstag schon die 30 erreicht werden, obwohl die Kurve nur bis zur 28 geht. (Gut, dass es noch menschliche Meteorologen gibt, die nach bestem Wissen und Gewissen versuchen, aus den Modellberechnungen relativ realistische Prognosen zu basteln!)

Nun zum Punkt! Deutlich erkennbar ist, wann es in Freiburg schon heiß wird, und wann erst in Berlin. Wie man an meiner „wunderschönen“ Europakarte (Ist das Kunst, oder kann das weg?) sehen kann, tut sich die Hitze im Nordosten noch sehr schwer. Die kann aber nichts dafür, denn dorthin strömt immer noch „kühlere“ Luft. Obacht: Das ist keine Bodendruckverteilung, wie man sie im Fernsehen sieht mit Hochs und Tiefs. Auf dieser Karte ist die Höhenströmung, und damit das Heran- oder Abführen von unterschiedlich warmer Luft skizziert. Das eingegrünte über dem Atlantik da links, das ist kein Algenteppich oder zu viel Plastikmüll. Das ist ein Höhentief. Völlig zu unterscheiden vom Bodentief!

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Nun, die kurzen grauen Pfeile deuten an, wo nach Mittwoch die Reise für die heiße Luft hingehen soll: bingo, genau nach Deutschland. Und so kommt es, dass am Freitag, Samstag und Sonntag kaum noch ein Ort unter 30 Grad im deutschen Flachland zu finden sein wird. Am besten man fährt anne Küste, da ists angenehmer.

Jetzt zur Frage aller Fragen, die alle Menschen brennend interessiert (was für ein Wortspiel, angesichts der Glut die uns erwartet), und deshalb jeder in Portalen sich 10- oder 14-Tages-Wettervorhersagen anguckt, obwohl er genau weiß dass es absoluter Quark ist was dort drin steht: Wie lange bleibt denn jetzt diese uns stöhnen lassende Hitze???

Und ich kann sie nicht beantworten. Dafür schäme ich mich aber nicht, denn niemand kann das beantworten. Im folgenden Bild zeige ich, was nach dem Wochenende passieren könnte, aber nicht muss, ich persönlich aber schon an nen kleinen Dämpfer glaube, den es dann gibt:

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Das Höhentief ist mit der Geduld am Ende. Die ganze Woche schaut es zu, lässt uns schwitzen und stöhnen. Es besteht die Möglichkeit, dass dieses Höhentief mit den kurzen Pfeilen Richtung Mitteleuropa rein prescht und mit viel Blitz und Krawall der Glut ein Ende setzt. Bitte zwischen den Worten „Möglichkeit“ und „Wirklichkeit“ differenzieren.

Nun zum Unterschied zwischen den Linien eines Ortes, also Stand gestern vs. Stand heute (wieder Augen auf die Tabelle ganz oben richten bitte):

  • Berlin: Man sieht, dass sich zu Beginn des Zeitraums größere Unterschiede der Prognose auftun, als am Mittwoch, Donnerstag und Freitag. Die Frage hier ist nämlich: Wie schnell wird sich im Nordosten Deutschlands die Lage stabilisieren? Eher noch kalt, eher schon warm? Aber dann, ja dann wird’s warm.
  • Freiburg: Zunächst alles top, es wird schon bald sehr heiß. Doch was passiert am Wochenende? Die roten Linien weichen doch schon sehr voneinander ab. Hier ist die Frage, ob und wie stark sich von Westen her das grüne Höhentief durchsetzt. Nach heutigem Stand sieht es so aus, als bliebe es noch ein Weilchen länger heiß. Erfahrungsgemäß ist das für mich auch die wahrscheinlichere Variante; nicht nur deshalb, weil wir heute einen Tag näher dran sind als gestern.

Diskussion: Um meinen Beitrag noch ein wenig selbstkritisch zu betrachten, möchte ich hinzufügen, dass wir hier in der Tabelle oben von ortsgenauen Vorhersagen reden. Punktgenau. 5, 6, 7 Tage im Voraus. Geht nicht. Wir können sagen: Es wird in Deutschland zwischen 30 und 35 Grad warm, aber nicht, wo. Womöglich verlagert sich die Warmluftblase ja am Wochenende erst nach Niedersachsen oder Mitteldeutschland. Dann erzähle ich hier etwas von 33 Grad in Freiburg und 31 in Berlin und stelle das als Nonplusultra dar. Nein, durchaus kann es am Wochenende heißere Orte als Freiburg geben, Orte mit 35, 36, ja sogar 37 Grad sind möglich.

Wir werden weiterhin regelmäßig über die Entwicklung berichten, täglich reinschauen lohnt sich!

Vielen Dank fürs Durchhalten mit Lesen bis zum Schluss 🙂

18 Kommentare

  1. Petra 28. Juni 2015
    • Marcus 28. Juni 2015
  2. Sylke Schönberg 28. Juni 2015
    • Marcus 28. Juni 2015
  3. Kobi Robertowitsch 28. Juni 2015
    • Marcus 28. Juni 2015
  4. Kobi Robertowitsch 28. Juni 2015
  5. Kathi 28. Juni 2015
    • Marcus 28. Juni 2015
      • Evie 30. Juni 2015
  6. Matthias 28. Juni 2015
    • Marcus 28. Juni 2015
  7. Jensl 28. Juni 2015
    • Marcus 28. Juni 2015
  8. Frank aus Erlangen 28. Juni 2015
  9. Evie 28. Juni 2015
  10. Stefan 29. Juni 2015
  11. Thomas 29. Juni 2015

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