Derzeit in weiten Teilen Europas kälter als im langjährigen Mittel

Es begann bereits im Februar, als uns nach dem bisher milden Winter, insbesondere einem sehr milden Januar, die ersten Kältevorstöße aus Nordosten erreichten. Seit dem hat sich mit wenigen Unterbrechungen in Mitteleuropa und aktuell auch in weiten Teilen von Südeuropa die Kaltluft breit gemacht und mehr oder weniger eingenistet.

Betrachtet man die vergangenen Jahre, zeigt sich ein nicht mehr so oft gesehenes Bild über Europa mit vielerorts negativen Temperaturabweichungen im Vergleich zum langjährigen Mittel. Eine ähnliche Situation gab es im Jahr 2013, als der März ebenfalls in Deutschland ein überwiegend winterlicher Monat war. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass der Frühling erst am 20. März beginnt, bis dahin ist nun mal Winter. Und nur weil es in den vergangenen Jahren oft schon sehr mild und frühlingshaft war, muss das nicht immer so sein und es darf auch ruhig noch winterlich sein. Das kommt vor und das Wetter kennt keinen Kalender.

Unten sehen wir die Abweichungen vom langjährigen Mittel jeweils für 13 Uhr am heutigen Dienstag sowie am kommenden Mittwoch, Donnerstag und Freitag. Deutlich positive Abweichungen finden wir vor allem im Bereich der Türkei und zeitweise auch leicht positive Abweichungen in Skandinavien. Insbesondere in großen Teilen von Osteuropa, Mitteleuropa und im Mittelmeerraum von Italien bis Spanien sowie ebenfalls bis nach Nordafrika (hier besonders ausgeprägt) ist es einfach gesagt für die Jahreszeit „zu kalt“. Bei Abweichungen vom Mittel sollte aber bedacht werden, dass nicht gleich alles was nach oben oder unten abweicht unnormal ist! Das Wetter ist eigentlich immer großen Schwankungen unterlegen und nur selten entsprechen die Temperaturen exakt den Mittelwerten. Auch diese setzen sich ja aus Abweichungen nach oben sowie nach unten der vergangenen Jahre zusammen. Und wichtig: Wir sprechen hier von Wetter, nicht von Klima. –> Erklärung

abweichung

 

Der Grund ist eine stark meridional ausgeprägte Wetterlage. Wir sehen unten die Luftdruckverteilung über Europa für den heutigen Dienstag, den Mittwoch und den kommenden Freitag. Die Pfeile zeigen die Luftmassenverteilung beziehungsweise die Strömung, welche sich durch die Luftdruckverteilung einstellt. Wir sehen, dass die Pfeile im Großen und Ganzen meist stark von Nord nach Süd ausgerichtet sind und Kaltluft aus dem Norden weit nach Süden vorstoßen kann. Das bedeutet „meridionale Wetterlage“, wobei es auch genau umgekehrt sein kann, wenn das Strömungsmuster stark von Süd nach Nord ausgerichtet ist, also sehr warme Luft weit nach Norden verfrachtet wird. Das Gegenteil ist eine zonale Wetterlage, wenn die Strömung von West nach Ost ausgerichtet ist; die typische Westwetterlage, die eher gemäßigte Temperaturen bringt. Weder besonders kalt, nach besonders warm.

Zum Wochenende bildet sich über dem Nordatlantik ein kräftiges Tief, das an seiner Vorderseite mildere Luft nach Norden weht. So richtig milde Luft wird, beziehungsweise kann dabei aber nicht angezapft werden, da sie einfach im Bereich der Iberischen Halbinsel nicht vorhanden ist. Wir haben ja oben auf den Karten gesehen, dass die Temperaturen selbst in Marokko unterdurchschnittlich sind.

aktuell

 

Wir sehen die aktuelle Situation auch gut an einem Vergleich der Höhenwetterkarten (wer mehr wissen will –>Erklärung) vom kommenden Donnerstag und dem 24.12.2017, also Heiligabend. Wir erinnern uns, dass es damals vergleichsweise mild war. Das zeigt auch der recht weit nördliche Verlauf der Frontalzone damals, die einfach gesagt milde/warme Luft im Süden von kalter Luft im Norden trennt. Auffällig und im März nicht alltäglich ist nun aktuell das extrem weite Ausgreifen nach Süden bis nach Nordafrika. Man kann also sagen, dass die Großwetterlage in Mittel- und Südeuropa aktuell viel „winterlicher“ ist, als es Weihnachten und besonders auch im Januar der Fall war. Man muss aber bedenken, dass die Abkühlung der Nordhemisphäre erst im Februar ihren Höhenpunkt erreicht und bis weit in den März folglich noch sehr kalte Luft über Nord(ost)europa liegt. Diese kann bei entsprechender Wetterlage (wie es derzeit der Fall ist) leicht angezapft werden und nach Süden vorstoßen.

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Die folgenden Karten zeigen die Höchstwerte in Europa für den kommenden Mittwoch, Donnerstag und Freitag. Auffällig sind die besonders am Donnerstag und Freitag schon sommerlich anmutenden Temperaturen ganz im Südosten, im Bereich der Türkei. Sonst sehen wir selbst in weiten Teilen von Italien und Spanien häufig unter 15 Grad, ja oft sogar um oder unter 10 Grad. Erst Freitag setzt mit dem Heranwehen milderer Luft in größeren Teilen von Spanien eine Milderung ein.

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Viel Regen, Schnee und Wind in Südeuropa

Bis einschließlich dem Wochenende sorgen die Tiefs in Südeuropa für sehr wechselhaftes und teils nasses Wetter, örtlich besteht auch Unwettergefahr durch Starkniederschläge. Sowohl in Form von Regen, als auch (besonders in den Gebirgen) in Form von Schnee. Ebenso wird der Wind zeitweise stürmisch sein mit heftigen Böen. Die Karte unten zeigt die akkumulierte Niederschlagsmenge bis einschließlich Samstag. Gebietsweise kommen 50 bis lokal auch um 100 Liter pro Quadratmeter zusammen.

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Was von diesen Niederschlägen wo und wie viel als Schnee runterkommt, zeigt die folgende Karte. Nicht nur die Gebirge, sondern auch tiefere Lagen besonders im Bereich des Balkans, wo hier mildere Luft auf kalte Luft trifft, bekommen teils große Neuschneemengen. Erwähnt sei hier Serbien, aber auch Rumänien und Teile von Bulgarien.

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4 Kommentare

  1. Thomas Leis 20. März 2018
  2. Wolfgang 20. März 2018
    • Sven 25. März 2018

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