Das waren die echten Jahrhundertwinter – Winter 18/19 wird wahrscheinlich „zu warm“

Vor einigen Tagen hatte ich schon Bilanz gezogen für den Dezember 2018 und den Januar 2019 und wir haben gesehen, dass der Winter bisher „zu warm“ beziehungsweise über den längjährigen Mittelwerten liegt. Aus den medialen Ankündigungen von einem Jahrhundertwinter ist mal wieder nichts geworden, wen wundert es auch. Da auch noch die Aussichten sehr mild sind, können wir das Thema bereits abhaken, selbst wenn es nochmal kalt werden sollte.

Wir wollen uns in diesem Beitrag noch einmal den Verlauf des bisherigen Winters anhand von 3 Orten anschauen und dann vergleichen, wie denn ein echter „Jahrhundertwinter“ aussieht. Eigentlich kann es einen „Jahrhundertwinter“ ja nur alle 100 Jahre geben, aber wir wollen nicht so streng sein und betrachten die drei kältesten Winter seit Beginn der regelmäßigen Aufzeichnungen. Dabei habe ich die Daten des Deutschen Wetterdienstes herangezogen. Demnach waren die Winter 1928/1929, 1939/1940 und 1962/1963 die kältesten.

Dabei gilt zu beachten, dass für einen extrem kalten Winter, bezogen auf die Abweichungen vom langjährigen Mittel, schon alle drei Monate (Dezember, Januar, Februar) sehr kalt ausfallen müssen, oder eben mindestens 1 bis 2 Monate extrem kalt. So kommt für die kältesten Winter folgende Liste zusammen. Es gab zudem noch Einzelmonate die kälter waren, beispielsweise der extreme Februar 1956 – ein interessanter Bericht dazu hier.

Eine Zusammenfassung auf unserem Youtubekanal (gerne abonnieren, danke!)

Die 10 kältesten Winter in Deutschland seit 1881

(Deutschlandweite Mitteltemperaturen, Dezember bis Februar. 1963 bedeutet Winter 1962/63 etc.):

1963 -5,48 
1940 -5,00 
1929 -4,84 
1947 -4,55 
1942 -3,95 
1895 -3,40 
1941 -2,82 
1970 -2,80 
1985 -2,46 
1924 -2,36

Die beiden letzten „kalten“ Winter, die ja relativ lang und auch durchaus schneereich waren, landen mit -1,27°C (2009/10) bzw. -0,59°C (2010/11) lediglich auf den Plätzen 26 und 36!
Quelle: Deutscher Wetterdienst

Wir sehen, dass echte Strengwinter schon lange her sind. Und man kann nur müde lächeln, dass fast in jedem Herbst oder zu Winterbeginn ein „Jahrhundertwinter“ laut so einigen Onlinemedien in Aussicht steht. Das ist immer extrem unwahrscheinlich und ist nach den vergangenen Jahrzehnten noch unwahrscheinlicher geworden. Ausgeschlossen allerdings nie.

Kommen wir im Folgenden zu den Diagrammen für den aktuellen Winter mit Stand 12. Februar 2019 und die aus den oben erwähnten Strengwintern, die Top 3. Ich habe im Folgenden für Berlin, Bremen und München die Diagramme erstellt. Es wird sehr deutlich, wie mild dieser Winter im Vergleich war. Beachten Sie auch die medial groß angekündigten „sibirischen Wochen“ ab der letzten Januarwoche. Ja, es war dann zeitweise kalt, mehr aber auch nicht. Was arktische oder sibirische Kaltluft über mehrere Wochen bedeutet, können Sie ja nun in den Diagrammen der Strengwinter sehen.

Da nicht jeder Leser aus Berlin, Bremen oder München kommt, können Sie die täglichen Tagestiefstwerte und Tageshöchstwerte in unserem großen Archiv nachsehen. 1928/1929 gab es natürlich noch nicht so viele Wetterstationen, aber bereits 1962/1963 gab es viele Messwerte. Wählen Sie einfach über das Menü beziehungsweise das Kalendersymbol Jahr, Datum und Tag. Die „Jahrhundertwinter“ kennen Sie ja nun:

Winter 2018/2019 und Extremwinter Berlin

 

 

Winter 2018/2019 und Extremwinter Bremen

 

Winter 2018/2019 und Extremwinter München

Ausbrüche arktischer Kälte

Wir sehen, dass die sehr kalten Winter längere Phasen mit Dauerfrost und strengen Nachtfrost bringen. In allen Wintern ist es so, dass die Zirkulation auf der Nordhemisphäre komplett „gestört“ ist. Die atlantische Tiefdrucktätigkeit kommt entweder komplett zum Erliegen oder wird durch ein starkes, blockierendes Hoch vom europäischen Kontinent ferngehalten. Der Polarwirbel spaltet sich in den meisten Fällen auf und ein Teil mit arktischer Kaltluft bricht weit nach Süden Richtung Mittel- oder sogar Südeuropa aus.

Das kam in der Vergangenheit immer wieder vor, selten eben über viele Wochen oder gar Monate mit mehreren Vorstößen. Wir sehen auch, dass es selbst in den strengen Winter auch zumindest kurze Phasen mit (etwas) milderer Luft gab.

Es ist schon erstaunlich, wie im Januar sogar Politiker auf den Schwachsinn der „sibirischen Wochen“ reingefallen sind und dann auch noch direkt eine nicht existierende Verbindung zum Golfstrom ziehen. Das ist leider an Unsinn nicht mehr zu überbieten. Es war zu diesem Zeitpunkt 1.)  keine sibirische Kälte in Sicht und sie kam ja auch nie und 2.) selbst wenn sibirische Kälte uns über 2 bis 4 Wochen erreicht hätte, wäre das zwar selten, aber das gab es eben früher auch schon. Aus einem Einzelereignis Rückschlüsse auf den Klimawandel zu ziehen ist immer unprofessionell und schadet der seriösen Forschung und der Debatte generell.

Vergleich von 2018/2019 mit den Extremwintern

Wollen wir uns im Folgenden zum besseren Vergleich noch die Diagramme von oben zusammengefasst ansehen. Jeweils habe ich die Höchstwerte und die Tiefstwerte aus den drei Strengwintern mit denen aus dem aktuellen Winter in ein Diagramm gepackt. Ich denke viel muss man da nicht sagen. Viele können sich heute sicher nicht mehr vorstellen, was ein echter Eiswinter bedeutet. Und ja: Es ist im Mittel unbestritten wärmer geworden, ganz besonders in den vergangenen 20 bis 30 Jahren. Aber: Dies schließt nicht aus, dass es eben auch zu kalten Einzelereignissen kommt, nach einigen Klimavorhersagen könnte die Wahrscheinlichkeit sogar steigen. Man denke an den Dezember 2010, Februar 2012 oder auch März 2013. Wetter ist nicht Klima!

Berlin: Höchstwerte und Tiefstwerte

Bremen: Höchstwerte und Tiefstwerte

München: Höchstwerte und Tiefstwerte

 

Aussichten – erstmal mild!

Wie oben schon erwähnt, wird der Februar mit hoher Wahrscheinlichkeit „zu warm“ beziehungsweise mit einer positiven Abweichung vom langjährigen Mittel abschließen. Es wird in den kommenden Tagen abseits von einigen Nebel- oder Hochnebelregionen einen großen Tagesgang geben mit oft zweistelligen Höchstwerten und noch vergleichsweise frischen Nächten. Wie eigentlich im März oder gar Anfang April üblich. Örtlich können 15 Grad oder etwas mehr erreicht werden. Was dann in der 3. Dekade noch kommt, ist logischerweise unsicher. Die Bilanz des Winter 18/19 wird das aber wahrscheinlich kaum noch beeinflussen. Sehr milde Lösungen sind unten am Beispiel Köln in der Bandbreite weiter vorhanden. Dauerfrost sieht keine Lösung (hellrot hinterlegter Bereich).

 



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4 Kommentare

  1. Schnuddelbudel 13. Februar 2019
  2. Hans 13. Februar 2019
  3. Manfred Rinke 14. Februar 2019
    • Fabian 14. Februar 2019

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