Bildung eines Medicane über dem Mittelmeer möglich

Über dem Mittelmeer, genauer gesagt dem Ionischen Meer zwischen Italien und Griechenland, könnte sich am Donnerstag oder Freitag ein sogenannter Medicane bilden. Im Grunde ist ein Medicane ähnlich wie ein tropischer Wirbelsturm, also beispielsweise ein Hurrikan. Die zur Bildung des Sturms benötigten Zutaten kommen nur auf eine andere Art und Weise zusammen, Unterschiede gibt es also schon. Weiter unten im Artikel mehr dazu.

Der ganze Prozess beginnt ausgehend von einem Tiefdruckkomplex über Osteuropa, von dem sich bis Donnerstag ein eigenständiges Höhentief abschnüren wird. Wir sehen unten in den Höhenwetterkarten, was dort genau passieren wird. Über Griechenland bildet sich ein eigenständiges Höhentief, das sich vom ursprünglichen Tiefdruckkomplex abschnürt und ins Ionische Meer zwischen Griechenland und Italien abtropft. Solche Höhentiefs schwimmen wie ein Fettauge auf der Suppe und sind in ihrer Verlagerung dann kaum noch genau vorherzusagen.  Zudem sind sie mit höhenkalter Luft angefüllt, was über dem warmen Mittelmeer große vertikale Temperaturgegensätze erzeugt. Dabei bilden sich große Regen- und Gewittergebiete, die bei sinkendem Luftdruck ein kräftiges (Sturm)Tief hervorbringen können.

 



Genaue Entwicklung und Lage unsicher

Unten sind vier verschiedene Wettermodelle für Freitag 14 Uhr, die die Lage des Sturms über dem Mittelmeer zwischen Italien und Griechenland unterschiedlich berechnen. Das ECMWF Modell oben links sieht den Sturm sehr nah an Sizilien, während die anderen Modelle ihn doch ein ganzes Stück weiter südöstlich sehen.

 

Sturm, heftige Gewitter und Regenfälle drohen

Für Freitag um 08 Uhr berechnen das hochaufgelöste Britische Modelle (links) und das ECMWF bereits einen Sturm mit Orkanböen, teils über 140 km/h. Die unterschiedliche Lage wurde oben bereits angesprochen, sodass je nach Zugbahn und Entwicklung alle Gebiete zwischen Süditalien/Sizilien und Griechenland potenziell gefährdet sind. Wer dort mit dem Schiff unterwegs ist sowieso, das könnte dann sehr ungemütlich werden. Sie können die aktuellen Prognosen für die Windböen hier ansehen, es wird sicher mit den neuen Berechnungen konkreter:

 

Wahrscheinlich wird am ehesten Griechenland von Unwettern mit heftigen Regenfällen und Gewittern sowie Sturm erfasst werden. Die Niederschlagssummenkarten bis zum kommenden Sonntag aus drei verschiedenen Wettermodellen zeigen teilweise über 300 mm Regen, lokal können durch Gewittergüsse auch noch mehr zusammenkommen. Das ECMWF (ganz links) lässt den Sturm allerdings weiter auf dem Ionischen Meer überwiegend westlich von Griechenland kreisen, während die beiden anderen Modelle ihn über das südliche Griechenland in die Ägäis ziehen lassen. Es bleibt also wie oben schon angesprochen unsicher, wie sich der Sturm genau verlagern wird.

 

 

Was ist ein Medicane?

Bei einem oben angesprochenen Prozess bilden sich über dem warmen Mittelmeer große Gewittergebiete, die mit Luftdruckfall verbunden sind. So kann sich unter Umständen ein Zentrum tiefen Luftdruckdrucks, besser gesagt ein kleines Tiefdruckgebiet bilden und bekanntlich weht die Luft bei einem Tiefdruckgebiet entgegen dem Uhrzeigersinn um den Kern herum. Einfach gesagt: Diese großräumigen Gewittergebiete können in Rotation geraten und bei sehr starkem Luftdruckfall kann sich in Ausnahmefällen ein wolkenfreies Auge ausbilden. Da die Natur tiefen Luftdruck immer ausgleichen will, muss folglich im Umfeld des Tiefs mit Sturm gerechnet werden.
Dies alles kommt einigen vielleicht schon bekannt vor von tropischen Stürmen auf dem tropischen Atlantik oder Pazifik. Und richtig, genau hier wollen wir hin. Es gibt zwar meteorologisch gesehen deutliche und wichtige Unterschiede zu tropischen Stürmen (auf die ich hier jetzt nicht genau eingehe) aber z. B. einen Ähnlichkeit durch einen „warmer Kern“ des Tiefs. Am signifikantesten ist aber die Ähnlichkeit auf Satellitenbildern, also eine ähnliche Wolkenstruktur mit wolkenlosem Auge im Zentrum. Die Optik macht hier also vor allem die Musik.

In den 1980er Jahren wurden diese Tiefs dann „Medicanes“ getauft. Das Wort setzt sich zusammen aus medi(terran) und (Hurri)cane. Sie treten bevorzugt in den Herbstmonaten September und Oktober auf, wenn kühlere Luft in der Höhe über das aufgeheizte Mittelmeer weht. Eingestuft werden Medicans ähnliche wie Tropische Stürme:

– Mediterrane tropische Depression unter 63 km/h
– Mediterraner tropischer Sturm mit 64 bis 111 km/h
– Medicane oder mediterraner Hurrikan ab 112 km/h

 



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2 Kommentare

  1. Barend H. Kuiken 26. September 2018
  2. Bernhard Gramberg 2. Oktober 2018