
Der historische Juni 2026 im Rückblick
Wer am letzten Juni-Wochenende 2026 in Deutschland vor die Tür trat, fühlte sich nicht mehr wie in Mitteleuropa, sondern wie am Äquator. Eine historische Hitzewelle hat zum Monatsende zahlreiche Allzeitrekorde pulverisiert und die 40-Grad-Marke reihenweise fallen lassen. Doch trotz historischer Spitzenwerte weit über 40 Grad war es in der Fläche nicht der wärmste Juni seit Aufzeichnungsbeginn.
Neuer Hitzerekord für Deutschland
Die Intensität der Hitzewelle macht sich auch in einem neuen historischen Rekord bemerkbar. Für Deutschland gilt jetzt eine neue höchste Temperatur seit Beginn der Wetteraufzeichnungen (flächig seit 1881). Dieser wurde nach Auswertung des DWD-Messnetzes in Coschen (Brandenburg) am Sonntag, dem 28.06.2026 mit sage und schreibe 41,7 Grad registriert. Für Coschen wurde der alte Stationsrekord von 40,4 Grad vom Vortag dabei direkt wieder übertroffen.
Nimmt man unser erweitertes meteosol® Messnetz hinzu, sieht man: Es ging noch heißer. Bereits am Samstag, dem 27.06.2026, meldete die Station Lüchow (KMW) in Niedersachsen 42,1 Grad. Stationen mit derartigen Rekorden werden dabei noch gründlich auf Herz und Nieren geprüft, dieses engmaschige Netz zeigt jedoch eindrucksvoll, dass es eine hohe Stationsdichte braucht, um wichtige lokale Phänomene wie Hitzeinseln gut erfassen zu können.
Hintergrund-Tipp: Wie extrem diese Hitzewelle wirklich war, haben wir in einer detaillierten Analyse hier zusammengefasst: Historische Hitzewelle: Drei deutsche Temperaturrekorde in Folge.
Auch ein Blick auf die Deutschlandkarten mit den Höchstwerten verdeutlicht die Wucht dieser zwei Hitzetage. Es gibt eine sehr lange Liste an neuen Allzeitmaxima, auch viele an Stationen mit langer Historie:

Selbst auf den Höhen und Inseln gab es Heiße Tage: Der Fichtelberg meldete am 27.06. maximal 31,2 Grad, der Kahle Asten 32,7 Grad und Helgoland knackte mit 30,4 Grad den alten Rekord aus dem Juli 1994.
Dass diese Rekorde statt wie bisher meist im Juli schon im Juni auftreten konnten, macht den klimatologischen Ausnahmezustand dieser Wetterlage noch deutlicher.
Extrem-Hitze vs. Monatsmittel
Warum also ist dieser Juni trotz dieser absoluten Endgegner-Hitze „nur“ der zweitwärmste Juni der Messgeschichte (nach 2019)? Die Antwort liegt in der Volatilität der Temperatur in diesem Monat: Der Juni verhielt sich sehr wechselhaft und schwankte stark zwischen den Welten.
Bevor sich der Heat Dome im letzten Drittel des Monats von Südwest-Europa vollends nach Deutschland verlagerte, zeigte der Juni in der Mitte nämlich auch sein anderes, kühles Gesicht. Denken wir nur an die Nacht zum 17.06.2026 zurück:

Während man zehn Tage später nachts kaum ein Auge zubekam, war es Mitte des Monats recht frisch. Die Station Barth in Mecklenburg-Vorpommern registrierte in dieser Nacht in 5 Zentimetern Höhe über dem Erdboden exakt 0,0 Grad – also haarscharf am Bodenfrost vorbei! Man muss aber deutlich herausstellen, dass diese etwas zu kühlen Phasen nicht ungewöhnlich sind. Über 40 Grad im Juni sind dagegen aus einer anderen Klimawelt. So oder so, die kühle Phase im zweiten Junidrittel fungierte als thermisches Bremssegment, sodass der Juni 2026 nach vorläufigem Stand auf Platz 2 der wärmsten landen dürfte.

Zwischen Trockenheit und explosiven Gewittern
Beim Blick auf den Niederschlag zeichnet sich das typische Bild eines sommerlich geprägten Monats ab. Großflächiger, landwirtschaftlich wertvoller Landregen war Mangelware. Stattdessen dominierten Trockenheit neben punktuellen, teils unwetterartigen organisierten größeren Gewittersystemen (MCS, Multizellen, etc.). Schon in der ersten Juniwoche zog eine Gewitterserie über Deutschland hinweg, doch die extrem heiße und auch feuchte, also sehr energiereiche und wasserdampfreiche Luft, sorgte für heftige Unwetter mit Eintreffen der Kaltfront zum Monatsende.

Unsere Karte mit der kalibrierten Radarsumme seit Monatsbeginn visualisiert diese extreme Ungleichverteilung. Während weite Teile des Landes, insbesondere im Nordost-Lee der Gebirge, regelrecht vertrockneten, gibt es lokal, vor allem im äußersten Nordwesten und Südosten, eng begrenzte, violette Flecken mit Starkniederschlägen auf der Karte. Mehr Details auf der Radarseite beim Klicken in die Karte.

Breite Regionen auf unserer Abweichungskarte verharren im tiefbraunen Bereich bei einem massiven Defizit von oft nur 20 bis 40 Prozent des langjährigen Juni-Solls. Ein Zustand, der die Waldbrandgefahr und die Trockenheit massiv verschärft hat.
Auf der anderen Seite meldete Deisenhofen im Landkreis München am Sonntag, den 28.06.2026, extreme 101,6 mm Gesamtregen – davon fielen 51,2 mm innerhalb von nur einer Stunde zwischen 19 und 20 Uhr (zum Vergleich: mittlere Monatssumme Juni dort 63,1 mm). Zuvor fegte am Morgen desselben Tages eine Gewitterböe durch Büsum mit 128 km/h (volle Orkanstärke).
- alle Regensummen 28.06.2026 (+ erweitertes Messnetz; zum Ablesen in die Karte klicken)
- Windböen 6-stündig bis 28.06.2026, 08 Uhr MESZ (+erweitertes Messnetz, jeweils im Plus-Abo)
Fazit: Ein Juni für die Geschichtsbücher
Auch, wenn es sich hier um ein einzelnes Wetterereignis gehandelt hat: Der Juni 2026 hat durch seine extremen Ausreißer an Hitzerekorden eindrucksvoll bewiesen, dass sich das Klima in grundlegender Veränderung befindet. Derartige Rekorde schon so früh im Sommer sind nur erklärbar durch einen deutlichen Anstieg der globalen Temperatur, insbesondere der Wasseroberflächentemperatur. Wären der mittlere Atlantik und das westliche Mittelmeer nicht so viel wärmer als das langjährige Mittel gewesen, hätte sich ein derartiger „Heat Dome“ über Westeuropa gar nicht aufbauen können, der sich dann in Folge auch auf Deutschland zubewegt hat. Darum ist davon auszugehen, dass Werte über 41 oder 42 Grad in Deutschland, heute noch absolute Rekordwerte, in Zukunft bei entsprechender Wetterlage häufiger auftreten werden. Umfangreiche Klimadaten für Deutschland und viele weitere Orte weltweit jederzeit bei uns auf kachelmannwetter.com in der Rubrik Klima.

Messwerte für Stationen weltweit, Radardaten, Satellitendaten und vieles mehr in unserem umfangreichen Wetter- und Klimaarchiv mit Daten ab dem Jahr 1781, im Plus-Abo auch mit unserem erweiterten Messnetz.









Lieber Frank,
besten Dank für die aufschlussreiche Analyse. Eine Sache hätte ich noch zu ergänzen. Der DWD schrieb gestern: Zitat „Update: Der vorläufige Höchstwert wurde nach Prüfung der Messdaten angepasst. In Möckern-Drewitz lag die Maximaltemperatur am 27. Juni nicht bei 41,5 °C, sondern bei 41,8 °C – verursacht durch eine kurzzeitige Übertragungslücke. Alle Werte bleiben bis zur Abschlussprüfung vorläufig.“
Demnach ginge der Hitze-Pokal (vorläufig)an Möckern-Drewitz.
Abgesehen davon: Gibt es ein Foto von „Eurer“ Station Lüchow und wie sieht es dort mit der Messtechnik im Vergleich zum DWD-Standard aus?
Beste Grüße aus dem grünen Münsterland, Jürgen
Lieber Jürgen,
danke für Deine Hinweise. Dass es dort eine Korrektur gab, war mir nicht bekannt. Es würde aber an der Gesamtsituation nicht viel ändern. Dass Werte am 1. Juli noch vorläufig sind, liegt in der Natur der Sache. Auch unsere Station Lüchow wird natürlich noch überprüft werden. Alle Stationen aus dem meteosol Messnetz sind WMO-konform. Ich werde Infos und Fotos zu dieser Station anfragen und bei Bedarf nachliefern.
Gruß vom Kap Arkona
Frank
Danke für die tolle Übersicht!
Die Hitze am Ende des Monats war eine Mischung zwischen denkwürdig und bedenklich..
Bitte nochmal die Lage von Büsum überprüfen. Eine ostfriesische Insel ist das nicht, sondern eine Gemeinde auf dem Festland im Kreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein. 🙂
Viele Grüße
Daniel (Region Hannover)
Hallo Daniel,
danke für das Lob und fürs Aufpassen … klassischer Fehler beim Nach-Editieren. Ist korrigiert!
Gruß
Frank
Kann es sein, dass aktuelle Höchstemperaturmessungen gegenüber früheren Messungen etwas nach oben verzerren, da sie jetzt oft in 10 min Intervallen angegeben werden, früher vielleicht nur stündlich oder halbstündlich registriert wurden. Oder wie werden die Höchstwerte früher oder heute definiert?
Können die stündlich gemessenen Werte für den Tagesdurchschnitt die klimatische Situation zuverlässiger darstellen und vergleichbar machen?