Was bei der Vorhersage von Gewittern überhaupt möglich ist

Es ist die häufigste Frage in den Sommermonaten, die uns Meteorologen gestellt wird: „Gibt es heute bei mir Gewitter?“ Die Antwort kann in den allermeisten Fällen nur lauten: „Wir wissen es nicht genau.“ Aber was macht die Vorhersage von Schauern und Gewittern so schwierig und was gibt es für Möglichkeiten diese zumindest kurzfristig genauer vorherzusagen. Ich möchte Ihnen im folgenden Beitrag mit Beispielen erläutern, was überhaupt möglich ist bei der Vorhersage und vor allem was an einem Gewittertag genau passiert.

„Heute örtlich Schauer und Gewitter“

Diese Satz lesen Sie in der Vorhersage sicher häufig, vor allem ab April oder Mai bis in den September. Das ist die Zeit, wo aufgrund der stärkeren Sonneneinstrahlung, die Niederschläge immer häufiger Schauercharakter annehmen und flächige Regenfronten insgesamt seltener auftreten. Da sind wir auch schon beim Thema, denn flächige Regenfälle, meist an Fronten gebunden, lassen sich vergleichsweise gut und zuverlässig vorhersagen. Sobald aber Schauer und Gewitter entstehen, ist es mit einer sicheren Ortsvorhersage vorbei. Auch in der heutigen Zeit von großen Supercomputern und das ist weltweit so, nicht nur in Deutschland.

Wettermodelle sind immer die Grundlage

Sie sehen hier an einem Beispiel die Prognose des US Modells, welches für die meisten Wetterapps als Grundlage genommen wird. Es sagt das Wetter für einen Gitterpunkt oder wenn Sie so wollen immer für ein Quadrat von 28x28km vorher. In der Karte sehen Sie, dass für ein kleines Gebiet im Beispiel ein Gewitter berechnet wird (rosa). Für jeden Ort in diesem Gebiet würde nun in der Vorherage zu diesem Zeitpunkt ein Gewittersymbol erscheinen. Die Sache ist jetzt aber, dass es absolut nicht sicher ist, dass genau dort auch zu diesem Zeitpunkt ein Gewitter auftritt. Es könnte genau so gut etwas weiter westlich oder östlich auftreten, wo in diesem Fall kein Gewitter berechnet wird und die Vorhersage (hier knapp östlich) sogar trocken wäre. Die Grenze von trocken und Gewitter verläuft sogar hier genau durch Magdeburg und sie ahnen, dass man Gewitter niemals so genau vorhersagen kann.

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Vorhersagebeispiel eines Wettermodells

 

Nur Regionen lassen sich eingrenzen bei der Vorhersage

Was Sie machen können, ist sich vorher Karten anzusehen, ob in Ihrer Region, ihrem Bundesland und der Umgebung ihres Wohnortes Gewitter berechnet werden. Dabei kommt es nicht darauf an, ob exakt für ihren Ort genau ein Gewitter vorhergesagt wird, sondern ob im Umfeld etwas in den Vorhersagekarten ist. Wir bieten zahlreiche Karten, die sie am besten im signifikanten Wetter vergleichen über die hellblauen Button oben (siehe Grafik unten). Rosa sind dort berechnete Gewitter dargestellt. Zudem betreiben wir das am besten aufgelöste Wettermodell mit 1x1km (Super HD), welches Sie ebenfalls hier ansehen können. Schauen Sie sich einfach mal hier um.

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Was passiert an einem Gewittertag?

Aber warum sind Gewitter nun so schwer vorherzusagen? Das will ich nun an einigen Beispielen zeigen.

Das folgende Beispiel können Sie quasi auch auf ihren Ort übertragen, auch wenn Sie nicht wie hier im Heidekreis und Umgebung in Niedersachsen wohnen. An diesem Tag, dem 22.07.2016 war es absehbar, dass teilweise kräftige Gewitter in Niedersachsen entstehen. Wie aber schon öfter erwähnt hier, wusste niemand vorher an welcher Stelle das ortsgenau der Fall sein wird. Was passierte nun ab dem Mittag?

Auf unserem HD Radar sehen Sie, wie um kurz nach 12 Uhr mittags erste Schauer entstehen. Damit ist der Anfang gemacht und wenn heute für die Region starke Gewitter und Unwetter vorausgesagt werden, wird es nun langsam ernst. Der entscheidende Punkt ist nun: Dass diese Schauer genau dort entstehen, wo sie unten auf dem Radar zu sehen sind, kann niemand vorher genau vorhersagen. Das passiert einfach zufällig genau an dieser Stelle, es hätte auch 20km weiter westlich, östlich, nördlich oder südlich der Fall sein können.

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Die folgende Animation zeigt den Ablauf, wie aus den kleinen und harmlosen Schauern in den folgenden zwei Stunden heftige Gewitter mit unwetterartigem Starkregen und Hagel werden. Auch hier sehen Sie, wie völlig willkürlich neue rote und teilweise rosafarbene Gebiete mit Starkregen und Hagel im HD Radar auftauchen. Gleichzeitig bleiben dazwischen andere Regionen komplett trocken. Alles auf wenigen Kilometern, teilweise wenigen hundert Metern, die zwischen Unwetter und trocken entscheiden. Das ist auch der entscheidende Punkt: Die Prozesse laufen so kleinräumig ab, dass sie vorher nicht ortsgenau vorhergesagt werden können.

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Im Folgenden noch ein weiteres Beispiel: Am 01. April 2017 bildete sich in der westlichen Region Hannover ein kräftiges Gewitter mit Hagel und Starkregen. Sie sehen, dass es in der Stadt selber komplett trocken blieb. Dies kann man morgens noch nicht vorhersagen, erst recht nicht ein oder zwei oder drei Tage vorher. Die Animation zeigt den Ablauf nur in 30min-Schritten, klicken Sie sich hier durch alle Bilder fünfminütig, um die Entwicklung besser zu verstehen und nachzuvollziehen.

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Kurzfristige Vorhersage und Warnungen mit unseren Tools möglich

Zusammengefasst lässt sich vor Gewittern erst warnen, beziehungsweise ihre Zugbahn mit betroffenen Orten ist erst vorhersagbar, wenn sie einmal entstanden sind. Genau so erfolgen auch Unwetterwarnungen vor Gewittern, hier in Deutschland, wie auch in den USA. Da der exakte Entstehungsort vorher nicht vorhergesagt werden kann, kann man sie nur verfolgen und ihre weitere Zugbahn analysieren. Hinzu kommt, dass sich besonders die Intensität des Gewitters binnen Minuten verändern kann. Es kann sich sowohl verstärken, als auch abschwächen.

Stormtracking, Sturzfluthinweise und Meteosafe

  • Stormtracking

Die Funktion beziehungsweise eine Erläuterung sehen Sie hier. Wo mäßig, stark oder extrem steht, wird in den unten folgenden Bildern ein Gewitter/Unwetter erkannt und ihm nach einer eigens entwickelten Analyse eine Stärke zugeordnet. Wir können mit dem Analyseverfahren sogar Rotation im Gewitter erkennen, die einen Hinweis auf einen möglichen Tornado liefert. Die folgende Linie mit den Querstrichen zeigt die Zugrichtung an, also die Richtung, in die das Gewitter ziehen wird. Hier ein Beispiel.

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Sie sehen hier ein Beispiel von unserem Stormtracking vom Juli 2016 in Bayern. Die Gewitterzellen im HD Radar werden alle 5min analysiert und es erfolgt sowohl die Berechnung der Zugbahn, als auch aus zahlreichen Daten eine Einschätzung der Stärke (orange, rot, violett).

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  • Sturzflut

Die Funktion beziehungsweise eine Erläuterung sehen Sie hier. Es werden Gebiete, in denen sehr viel oder besser gesagt zu viel Regen fällt mit einer farbigen Fläche markiert. In dieser Region herrscht dann mäßige (orange), große (rot) oder extreme (violett) Überflutungsgefahr. Mit einem Klick auf die Fläche erfahren Sie wie beim Stormtracking zahlreiche Details und auch die genau betroffenen Orte. Hier ein Beispiel.

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  • Meteosafe

Mit diesen Tools und noch vielen weiteren Funktionen betreiben wir Meteosafe. Sie können das also nicht nur über unsere Website verfolgen, sondern können sich für einen gewünschten Ort nach individuellen Einstellungen informieren lassen. Dazu können Sie sich in der Beta-Phase noch kostenlos unter https://meteosafe.com/ registrieren und frühzeitig bei Wettergefahren informieren lassen.

 



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Außerdem gibt es aktuelle Satellitenbilder weltweit, im Menü ist der Kartenausschnitt über die Kontinent- und Länderauswahl möglich oder über Rasterkarten selbst wählbar. Entsprechendes gilt für die weltweit berechneten Wettermodelle aus Deutschland und aus den USA. NEU: Satellitenbild-Archiv ab 1981.

Ein Kommentar

  1. Wetterstation Künzelsau 3. April 2017

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