Warum gibt es im Herbst und Winter oft Stürme?

Im Herbst und Winter ziehen je nach Wetterlage häufiger Sturmtiefs über Mitteleuropa hinweg und bringen auch Deutschland des öfteren Sturm. Aber warum ist das überwiegend in den Herbst- und Wintermonaten der Fall und warum ziehen im Sommer so gut wie nie Sturmtiefs über uns hinweg? Wir schaffen Aufklärung:

Zunächst einmal wollen wir klären, was überhaupt ein Sturm- oder Orkantief ist.windstaerke

Ein Tiefdruckgebiet wird als Sturmtief bezeichnet, wenn die mittleren Windgeschwindigkeiten mindestens 9 Beaufort (>74,9 km/h) erreichen.
Ein Tiefdruckgebiet wird als Orkantief bezeichnet, wenn die mittleren Windgeschwindigkeiten mindestens 12 Beaufort (>117,9 km/h) erreichen.

Oft wird allerdings schon von einem Sturm- oder Orkantief gesprochen, wenn die Windböen Stärke 9, beziehungsweise 12 erreichen und nicht erst der Mittelwind.

In den Sommermonaten kommt es in Verbindung mit Gewittern manchmal ebenfalls zu Sturm- oder sogar Orkanböen, die durchaus enorme Windgeschwindigkeiten von deutlich über 120 km/h erreichen können. Diese Windböen in Verbindung mit Gewittern sind aber eine kleinräumige Erscheinung im Vergleich zu Sturm- oder Orkantiefs. Die Gewitter stehen zwar meist im Zusammenhang mit einem Tiefdruckgebiet, diese sind aber nach der obigen Definition keine Sturm- oder Orkantiefs! Deswegen ist es meteorologisch auch nicht richtig, das Pfingstunwetter in NRW aus dem Jahre 2014 mit „Sturmtief ELA“ zu bezeichnen.

Warum besonders im Herbst und Winter Stürme?jetstream

Der Grund ist kurz gesagt, dass es im Herbst und Winter auf dem Nordatlantik und über Europa deutlich größere Temperaturgegensätze gibt, als es im Sommer der Fall ist. Zwar wissen wir, dass es auch im Sommer in Südeuropa oft deutlich wärmer ist als in Nordeuropa, aber im Herbst und Winter sind die Temperaturgegensätze noch stärker ausgeprägt. Das liegt am sinkenden Sonnenstand und einer damit in Nordeuropa einhergehenden deutlichen Abkühlung.

Im Übergangsbereich von kühlen und warmen Luftmassen, umzieht die gesamte Nordhalbkugel die sogenannte Polarfront (ein Jetstream). Sie wandert ab dem Herbst und im Winter aus den oben beschrieben Gründen der Abkühlung südwärts und rückt damit auch deutlich näher an Deutschland heran oder überzieht uns sogar. Einen Ausschnitt vom Nordatlantik und Europa sehen Sie in der Grafik rechts. Dabei mäandriert die Polarfront und zieht sich wellenförmig um die Nordhalbkugel. Die Polarfront ist also eine Art Luftmassengrenze und sie zeichnet sich durch enorme Windgeschwindigkeiten aus westlichen Richtungen besonders in der Höhe aus. Diese können in 8 bis 12 km Höhe durchaus 200 bis 400, selten sogar um 500 km/h erreichen. Je größer der Temperaturunterschied auf engstem Raum, desto ausgeprägter sind die Luftdruckunterschiede und desto stärker weht der Wind an der Polarfront (Luftdruckunterschiede in der Atmosphäre werden durch Wind ausgeglichen). Selbstverständlich gibt es die Polarfront auch auf der Südhalbkugel. Sie haben vielleicht schon einmal gehört, dass Flugzeuge diesen Jetstream nutzen, um schneller an ihr Ziel zu gelangen und auch Treibstoff zu sparen. Sie fliegen dann mit der Polarfront. Durchquert man allerdings einen Jetstream mit dem Flugzeug, kann es zu starken Turbulenzen kommen.

tief1Wir wissen jetzt also, dass es die Polarfront gibt, einen Übergangsbereich zwischen den warmen und kalten Luftmassen, wo extrem starker Wind weht. Hier bilden sich dann Tiefdruckgebiete aus, die nicht selten zu Sturm- oder Orkantiefs werden.  Dabei stößt polare Kaltluft nach Süden zur subtropischen Warmluft vor und es beginnt mit einem anfangs noch kleinen Gebiet, in dem der Luftdruck sinkt. Dies geschieht durch eine Art „Sogwirkung“ aus dem Jetstream, der Polarfront. Die unterschiedlichen Luftmassen verwirbeln also und durch die Corioliskraft (hervorgerufen durch die Erdrotation) wird die eigentlich zum Tiefdruckzentrum hin strömende Luft nach rechts (Nordhalbkugel) abgelenkt. Durch die unterschiedlichen Luftmassen entsteht eine Warm- und Kaltfront. Es wird an der Vorderseite des Tiefs warme Luft nach Norden geführt und auf der Rückseite kühle Luft nach Süden. Der Luftdruck im Kern des Tiefs sinkt immer weiter und somit bauen sich große Luftdruckunterschiede auf. Im Bereich der großen Luftdruckunterschiede (enge Isobaren ->Linien gleichen Luftdrucks) herrscht dann Sturm oder Orkan. Je enger die Isobaren beieinander liegen, desto stärker der Wind. Meteorologen bezeichnen die Entstehung eines Tiefs auch als „Zyklogenese“. In der folgenden Grafik sehen Sie von Schritt 1 bis 3 wie das Tiefdruckgebiet entsteht.

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Westwetterlage

Westwetterlage

Damit uns in Deutschland ein Sturm oder Orkan vom Atlantik erreicht, muss die Polarfront in der Regel über uns oder wenig nördlich von uns verlaufen. Das ist meist bei der typischen Westwetterlage der Fall. Eine genaue Erläuterung zu den Großwetterlagen im Winter, haben wir bereits erstellt. Am häufigsten gibt es Stürme und Orkane in Norddeutschland. Aber besonders wenn die Polarfront weit nach Süden reicht, kann es auch in Süddeutschland zu schlimmen Stürmen oder Orkanen kommen.

 

 

 

 

 

Historische Stürme und Orkane in Deutschland

Der letzte große Orkan, welcher auch weite Teile Deutschlands erfasste und enorme Schäden brachte, war Orkan Kyrill. Zwei weitere schlimme Orkane gab es 2013 mit „Christian“ am 28.10.2013 und „Xaver“ Anfang Dezember 2013. Bei letzteren war allerdings in erster Linie der Norden Deutschlands betroffen. In Süddeutschland wird der Orkan Lothar am 26. Dezember 1999 in Erinnerung bleiben. Er brachte mit schweren Orkanböen besonders in Baden-Württemberg und Bayern große Verwüstungen.

Zu einer regelrechten Orkanserie kam es 1990, als mehrere Orkane in nur wenigen Wochen über Deutschland hinwegzogen. Ursache war auch hier eine ausgeprägte und sehr aktive Westwetterlage mit einer ausgeprägten Polarfront. In Erinnerung sind vermutlich noch die Namen „Vivian“ und „Wiebke“. Die beiden Orkane folgten Ende februar 1990 in wenigen Tagen hintereinander.

 


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3 Kommentare

  1. Albrecht 11. November 2015
    • Fabian 11. November 2015
  2. Helga 7. Februar 2016

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