Über die Luftmassen, den Wind und die Zukunft des Sommers

Seit zwei Tagen beschäftigt uns nur ein Wort im deutschen Wetter: Luftmassengrenze. Im Fernsehen, im Radio, auf unserem Wetterkanal. Luftmassengrenze!!! Man kann auch Front dazu sagen. Allerdings sind derart stationäre Fronten wie diese eher eine Luftmassengrenze. Es gibt verschiedene interessante Dinge an dieser LMG zu beobachten. Ich versuche mal, ein wenig die aktuelle Wetterlage zu erklären und wir schauen mal, ob der Sommer nochmal zurückkommt. Ich habe über das Radarbild von 10:00 Uhr die Windrichtungen in verschiedenen Höhen der Atmosphäre skizziert.

Die schwarzen Pfeile stellen die Windvektoren in Bodennähe dar, die blau-roten Pfeile die Windvektoren in rund 3 km, also genau in Höhe der Regenwolken. Die LMG liegt ungefähr am Ostrand des Regengebiets. Dass es östlich des Regens wärmer ist als westlich, ist kein Geheimnis mehr. Wir Meteorologen erkennen dass eben auch an diesen Pfeilen, genauer gesagt an der Drehung des Windes mit der Höhe. Gehen wir vom Boden zur Höhe, kann sich der Wind entweder nach links oder nach rechts drehen. Wir sehen im Bild: Im Nordosten dreht sich der Windpfeil nach rechts, westlich der LMG nach links. Eine Rechtsdrehung geht immer mit dem Heranführen warmer Luft einher, eine Linksdrehung mit dem Zubringen von kalten Luftmassen. So viel zur theoretischen Erklärung der aktuellen Luftmassen.

Nun haben wir also warme Luft im Osten, die sich am Boden bis knapp 30 Grad erwärmt; im Westen um 20, im Regen nur um 15 Grad. An der Luftmassengrenze schiebt sich die warme Luft über die kalte und umgekehrt: die kalte Luft schiebt sich unter die warme. So entsteht der enorme Niederschlag. Diese Vorgänge sind dieselben wie an Warmfronten und Kaltfronten. Nur hier liegt das ganze eben stationär da – und tricky ist die Tatsache, dass der Höhenwind eben nicht senkrecht zur Front bzw. LMG weht, sondern parallel. An sich wäre das Regengebiet halb so wild, wenn der Wind senkrecht dazu wehen würde. So aber regnet es seit Tagen aus Südosten, und die LMG verlagert sich nur ganz langsam. Seit Sonntag regnet es an der LMG durchweg, man mag sich nicht ausmalen, welche Fluten es gegeben hätte, wenn sich die LMG Null Komma Nichts bewegt hätte. So waren es zumindest ein paar Kilometer.

Im Laufe des Tages bzw. bis morgen wird sich das Regenband verschmälern. Insgesamt wird sich das ganze Konstrukt in der zweiten Wochenhälfte auflösen. Ab Donnerstag werden sich die Temperaturen allmählich angleichen. Im Osten lässt das Heranführen von Warmluft nach, im Westen setzen sich wärmere Luftmassen von Süden her durch. Am Donnerstag haben wir schon Temperaturen zwischen 20 und 26, am Wochenende sind es verbreitet 24 bis 29, am Oberrhein wohl bis 30 Grad. Der Sommer nimmt also nochmal Anlauf! Temperaturen jenseits der 35 Grad sollten für dieses Jahr aber Geschichte sein, selbst die 30 werden wir verbreitet nicht mehr zu Gesicht bekommen. Es wird sich für den Rest des Augusts eher so ein Pendeln zwischen kühlen „um-20-Grad-Phasen“ und schön warmen „24-bis-30-Grad-Phasen“ einstellen. Dann ist ja schon bald September, die Tage werden weiterhin kürzer, die Schokoladenweihnachtsmänner in den Läden mehr……………regen_2015_08_18_07_50_2_74

Zu guter Letzt noch die radargestützen 24-h-Niederschlagssummen von gestern 10 Uhr bis heute 10 Uhr. Beachtlich, die klaren Kanten.

2 Kommentare

  1. Stephan Selleng 18. August 2015
    • Marcus 19. August 2015

Kommentieren