Große Trockenheit in Teilen von Deutschland hält an

Wir hatten in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder über die Trockenheit in Teilen von Deutschland berichtet und wollen hier nun ein Update mit den aktuellen Zahlen und Fakten geben. Bevor wir zu den Messwerten der Wetterstationen kommen, zunächst die Niederschlagssummenkarten von April, Mai und Juni 2018. Wir sehen, dass ganz besonders im Mai und Juni abseits einiger kräftiger Gewitterschauer im Norden und Osten einige Gebiete nur hellgrün oder blau eingefärbt sind. Hier ist nur sehr wenig oder nahezu kaum ein Tropfen Regen gefallen. Weite Gebiete im Süden bekamen dagegen ausreichend Niederschlag.

Unter den folgenden Links sind die Detailkarten in voller Auflösung zu finden, einfach in die gewünschte Stadt beziehungsweise in den Landkreis gehen:

rr_april_juni

Bereits im Frühjahr war es in einigen Regionen sehr trocken, wie die folgende Hitliste mit den trockensten Wetterstationen im April, Mai und Juni zeigt.

Trockenste Orte März+April+Mai
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1. Wunstorf 52 m 68.3 mm
2. Wittenberg 72 m 68.9 mm
3. Diepholz 37 m 69.4 mm
4. Artern 131 m 75.2 mm
5. Hannover 51 m 72.2 mm
6. Grünow 56 m 72.7 mm
7. Manschnow 12 m 75.7 mm
8. Parsberg/Oberpfalz-Eglwang 533 m 77.5 mm
9. Grambow-Schwennenz 50 m 77.5 mm
10. Wusterwitz 36 m 79.1 mm
11. Menz 77 m 79.3 mm
12. Bertsdorf-Hörnitz 245 m 79.6 mm
13. Müncheberg 62 m 81.2 mm
14. Oberviechtach 566 m 81.7 mm
15. Neuruppin 41 m 82.0 mm
16. Holzdorf (Flugplatz) 82 m 83.7 mm
17. Kubschütz, Kr. Bautzen 211 m 83.9 mm
18. Jeßnitz 74 m 83.9 mm
19. Simbach/Inn 340 m 85.0 mm
20. Elpersbüttel 2 m 86.0 mm

Wie oben in der Karte bereits gesehen, gab es dann im gesamten Monat Juni an einigen Orten kaum nennenswerten Niederschlag. Dies besonders von Thüringen bis nach Sachsen-Anhalt, aber auch stellenweise an anderen Orten. Die folgenden Hitliste mit den trockensten Orten im Juni (nach Messwerten der Wetterstationen), zeigt an allen aufgelisteten Orten unter 10 mm Niederschlag. Man muss bedenken, dass es vielerorts auch sehr sonnig war und die Verdunstung hoch. Damit sind wenige Millimeter Niederschlag schnell verdunstet.

Trockenste Orte im Juni
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1. Artern 131 m 3.2 mm
2. Erfurt-Weimar 254 m 4.9 mm
3. Aschersleben-Mehringen 109 m 5.1 mm
4. Eschwege 170 m 5.4 mm
5. Olbersleben 160 m 5.4 mm
6. Harzgerode 399 m 6.0 mm
7. Dachwig 173 m 6.2 mm
8. Mühlhausen/Thüringen-Görmar 193 m 6.4 mm
9. Ueckermünde 2 m 6.5 mm
10. Quedlinburg 128 m 6.6 mm
11. Magdeburg 76 m 6.7 mm
12. Wittenberg 72 m 6.9 mm
13. Huy-Pabstorf 112 m 7.8 mm
14. Cölbe, Kr. Marburg-Biedenkopf 234 m 8.1 mm
15. Jena (Sternwarte) 155 m 8.2 mm
16. Helmstedt-Emmerstedt 110 m 8.4 mm
17. Genthin 34 m 8.5 mm
18. Klitzschen bei Torgau 85 m 9.0 mm
19. Wusterwitz 36 m 9.5 mm

Jahr 2018 – trockenste und nasseste Orte

Es folgen noch drei Hitlisten mit dem bisherigen Jahresniederschlag, einschließlich dem Juni. Ich habe jeweils die langjährigen Mittelwerte für den gesamten Jahresniederschlag der Wetterstation (Zeitraum 1981 bis 2010) beigefügt, um zu vergleichen. Beispiel: Artern hat bis jetzt 120,5 mm Niederschlag im Jahr 2018, der Mittelwert nach 1981 bis 2010 ist für ein ganzes Jahr 490 mm Niederschlag. Besonders beeindruckend sind auch die Werte für Hannover mit erst rund 158 mm Niederschlag in 2018. Hier ist also im ersten Halbjahr noch nicht einmal ein Viertel der durchschnittlichen Jahresmenge gefallen.

Trockenste Orte 2018 (bis einschließlich Juni)
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1. Artern 131 m 120.5 mm – 490 mm Jahresmittel
2. Wittenberg 72 m 134.9 mm – 571 mm Jahresmittel
3. Olbersleben 160 m 138.1 mm – 568 mm Jahresmittel
4. Bad Lauchstädt 119 m 138.9 mm – 473 mm Jahresmittel
5. Wusterwitz 36 m 139.0 mm – 547 mm Jahresmittel
6. Quedlinburg 128 m 143.3 mm – 538 mm Jahresmittel
7. Holzdorf (Flugplatz) 82 m 144.4 mm – 546 mm Jahresmittel
8. Baruth 54 m 144.8 mm – 556 mm Jahresmittel
9. Jeßnitz 74 m 145.5 mm – 552 mm Jahresmittel
10. Starkenberg-Tegkwitz 193 m 147.7 mm – 613 mm Jahresmittel
11. Klitzschen bei Torgau 85 m 148.1 mm – 586 mm Jahresmittel
12. Weimar-Schöndorf 325 m 149.8 mm – 579 mm Jahresmittel
13. Zeitz 200 m 152.7 mm – 605 mm Jahresmittel
14. Genthin 34 m 153.7 mm – 546 mm Jahresmittel
15. Köthen (Anhalt) 88 m 155.0 mm – 533 mm Jahresmittel
16. Berge 40 m 156.8 mm – 515 mm Jahresmittel
17. Aschersleben-Mehringen 109 m 157.4 mm – 527 mm Jahresmittel
18. Querfurt-Mühle Lodersleben 166 m 158.1 mm – 550 mm Jahresmittel
19. Hannover 51 m 158.3 mm – 661 mm Jahresmittel
20. Gera-Leumnitz 300 m 161.5 mm – 619 mm Jahresmittel

Nasseste Orte 2018 (bis einschließlich Juni)
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1. Feldberg/Schwarzwald 1490 m 931.2 mm – 1637 mm Jahresmittel
2. Zugspitze 2964 m 849.5 mm – 2085 mm Jahresmittel
3. Freudenstadt 797 m 750.9 mm – 1690 mm Jahresmittel
4. Oberstdorf 810 m 703.0 mm – 1742 mm Jahresmittel
5. Siegsdorf-Höll 721 m 690.1 mm – 1633 mm Jahresmittel
6. Reit im Winkl 696 m 654.9 mm – 1746 mm Jahresmittel
7. Lenzkirch-Ruhbühl 818 m 648.3 mm – 1306 mm Jahresmittel
8. Bad Kohlgrub (Rosshof) 734 m 644.4 mm – 1349 mm Jahresmittel
9. Oy-Mittelberg-Petersthal 885 m 641.1 mm – 1540 mm Jahresmittel
10. Garmisch-Partenkirchen 704 m 627.2 mm – 1370 mm Jahresmittel
11. Brocken 1140 m 619.5 mm – 1879 mm Jahresmittel
12. Piding 458 m 616.5 mm – 1464 mm Jahresmittel
13. Weiskirchen/Saar 455 m 600.6 mm – 1221 mm Jahresmittel
14. Elzach-Fisnacht 360 m 580.2 mm – 1497 mm Jahresmittel
15. Wolfach 285 m 573.3 mm – 1317 mm Jahresmittel
16. Meinerzhagen-Redlendorf 380 m 564.1 mm – 1409 mm Jahresmittel
17. Remscheid-Lennep 310 m 555.9 mm – 1498 mm Jahresmittel
18. Schmücke 937 m 545.0 mm – 1345 mm Jahresmittel
19. Tholey 396 m 538.6 mm – 1031 mm Jahresmittel
20. Villingen-Schwenningen 706 m 538.1 mm – 899 mm Jahresmittel

Nasseste Orte unter 200 Meter üNN
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1. Saarbrücken-Burbach 190 m 474.9 mm – 819 mm Jahresmittel
2. Ohlsbach 172 m 474.8 mm – 1068 mm Jahresmittel
3. Wuppertal-Buchenhofen 160 m 456.1 mm – 1175 mm Jahresmittel
4. Perl-Nennig 155 m 433.4 mm – 795 mm Jahresmittel
5. Neunkirchen-Seelscheid-Krawinkel 195 m 428.8 mm – 1073 mm Jahresmittel
6. Gründau-Breitenborn 184 m 411.0 mm – 916 mm Jahresmittel
7. Trier-Zewen 137 m 406.1 mm – 720 mm Jahresmittel
8. Bad Bergzabern 181 m 399.8 mm – 816 mm Jahresmittel
9. Schleswig 3 m 397.2 mm – 885 mm Jahresmittel
10. Lahr 155 m 369.5 mm – 835 mm Jahresmittel
11. Gießen/Wettenberg 186 m 362.4 mm – 666 mm Jahresmittel
12. Hattstedt 5 m 355.5 mm – 832 mm Jahresmittel
13. Bochum 81 m 355.2 mm – 873 mm Jahresmittel
14. Kleve 14 m 353.8 mm – 816 mm Jahresmittel
15. Köln-Bonn 68 m 352.9 mm – 839 mm Jahresmittel
16. Bielefeld-Deppendorf 105 m 347.1 mm – 903 mm Jahresmittel
17. Quickborn 13 m 346.6 mm – 838 mm Jahresmittel
18. Wagersrott 28 m 345.9 mm – 775 mm Jahresmittel
19. Rheinau-Memprechtshofen 131 m 345.8 mm – 894 mm Jahresmittel
20. Meppen 19 m 345.5 mm – / mm Jahresmittel

Ein paar Worte zum Niederschlag

Wir sehen am Jahresmittel der jeweiligen Stationen, dass es sich in der Hitliste der trockensten Orte generell um Orte mit vergleichsweise wenig Niederschlag handelt. Ebenso sind die nassesten Orte die Orte, die von Natur aus mehr Niederschlag über das Jahr haben. Selbst die Orte unter 200 m üNN, haben oft sogar (fast) den doppelten Jahresniederschlag der trockensten Orte. Beispiel Artern 490 mm, Saarbrücken-Burbach 819 mm oder Ohlsbach sogar 1068 mm über das ganze Jahr. Wichtig ist auch, dass es sich bei den langjährigen Mittelwerten für das Jahr nie um ein „Soll“ handelt, was ich leider oft lesen muss. Das ist Blödsinn, da die Niederschläge von Jahr zu Jahr sehr variabel sind, gerade in den Sommermonaten. Etwa von Mai bis September haben wir es mehrheitlich mit Konvektion zu tun, sprich Schauern und Gewittern, die immer unregelmäßig und ungerecht verteilt sind. Ein Unwetter kann bereits 100 mm in wenigen Stunden bringen, sodass allein dadurch 1/5 oder an einigen Orten fast 1/4 des Jahresniederschlags „gesammelt“ werden kann. Ziehen Gewitter dagegen zufällig immer vorbei, dann bleibt es logischerweise sehr trocken. Der typische Landregen mit leichter bis mäßiger Intensität über viele Stunden, ist in der Sommersaison sowieso eher selten. Wenn es flächigen Landregen gibt, dann ist dieser oft mit Starkregen verbunden und unwetterartig und führt nicht selten zu Hochwasser, wie zuletzt im Juli 2017.

Schauen wir uns einfach das vergangene Jahr 2017 an: Der Juni war das komplette Gegenteil mit teils sogar über 200 mm bei Berlin! Im sonst oft nassen NRW gab es dagegen teils sogar weniger Niederschlag als im Mittel.

Auch der Juli 2017 eine recht verbreitet sehr nasse Angelegenheit, wir erinnern uns an das Rekordhochwasser im Harz.

Trend: Im großen Norden und Osten weiter trocken

Wir sehen unten zwei verschiedene Wettermodelle: Links die berechneten Niederschlagssummen bis 13.07.2018 vom ECMWF, rechts vom GFS Modell. Für die große Nordhälfte sieht es weiterhin sehr dürftig aus, da selbst die schwachen Signale im GFS nur örtliche Schauer oder Gewitter sind. Durch sich zum Wochenende erneut verstärkenden Hochdruckeinfluss, soll es hier weiter nahezu verbreitet trocken bleiben.

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4 Kommentare

  1. Susanne Sedello 6. Juli 2018
    • Fabian 6. Juli 2018

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