Gibt es Hurrikane auf dem Südatlantik?

Ende November endet auf dem Atlantik offiziell die Hurrikansaison. In manchen Jahren kommt auch im Dezember noch mal ein Sturm vor. Dies gilt allerdings nur für den Nordatlantik. Was viele gar nicht wissen: Auch der Südatlantik zwischen Brasilien und Afrika kann den einen oder anderen Tropischen Sturm hervorbringen. Im März 2004 überraschte ein ausgewachsener Hurrikan selbst viele Fachleute.

Lange Zeit wurde gerätselt, warum auf dem Südatlantik mutmaßlich keine tropischen Wirbelstürme auftraten, zumindest wurden keine Stürme registriert. Und genau das war der Haken. Es gab keinen Wetterdienst, der für dieses Meeresgebiet zuständig war und tropische oder subtropische Tiefs wurden trotz vorhandener Satellitenbilder nicht systematisch beobachtet.

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Hurrikan „Catarina“ vor der brasilianischen Küste, Quelle: NRL Monterey

Am 24. und 25. März 2004 wandelte sich ein ehemals außertropisches Tief, angefüllt mit kalter Luft, vor der südbrasilianischen Küste in ein tropisches System um. Das Wasser wies Temperaturen um 25 Grad auf und die Luft in den untersten Schichten wurde durch das Wasser erwärmt. Gleichzeitig war im Bereich des Tiefs in der Höhe weiterhin recht kalte Luft vorhanden. Dadurch war die Luftschichtung labil und es bildeten sich vermehrt Schauer und Gewitter aus, die sich um das Tiefzentrum formierten. Das Tief wurde damit zunehmend tropisch. Ein solcher Prozess der Hurrikanentstehung wird auf dem Nordatlantik jedes Jahr mehrfach beobachtet.

Am Abend des 25. März 2004 erreichte das tropische Tief Sturmstärke und zog grob westwärts in Richtung Brasilien. Am Folgetag verstärkte sich der Sturm zum ersten bekannten Hurrikan auf dem Südatlantik und er traf am Morgen des 28. März auf die Küste im Süden Brasiliens. Besonders betroffen waren hier die Bundesstaaten Santa Catarina und Rio Grande do Sul, wo es einige Tote und erhebliche Schäden gab. Als der Hurrikan auf Land traf, reichten die mittleren Windgeschwindigkeiten – ermittelt aus Satellitendaten – bis etwa 140 km/h mit stärkeren Böen und der Luftdruck im Auge des Hurrikans lag bei 981 Hektopascal. Dies entspricht einem schwachen Hurrikan der untersten Kategorie der fünfteiligen Hurrikanskala, ist aber vergleichbar mit dem Orkan „Kyrill“ 2007 bei uns in Deutschland, und das in einer Region, in der die Menschen dies nicht kennen.

Und die betroffenen Küstenbewohner waren nicht vorbereitet. Zwar gab es Sturmwarnungen, aber keine Warnungen vor einem ausgewachsenen Hurrikan. In den USA und in Europa wurde in Internetforen schon frühzeitig auf den Sturm hingewiesen, während die Existenz eines tropischen Wirbelsturms beim Wetterdienst in Brasilien zurückgewiesen wurde. NASA (Raumfahrtagentur der USA) und NOAA (US-Wetterdienst) veröffentlichten dennoch aktuell alle Satellitendaten, die verfügbar waren und warnten vor dem Hurrikan, der so zu einem Politikum wurde. Einen offiziellen Namen bekam der Hurrikan zwar nicht, durchgesetzt hat sich aber „Catarina“ nach der am schlimmsten betroffenen Region.

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Hurrikan „Catarina“, aufgenommen aus der ISS, Quelle: NASA

Durch den Hurrikan vom März 2004 wurde das Interesse vieler Meteorologen geweckt. Recherchen ergaben, dass es schon früher einzelne Stürme auf dem Südatlantik gegeben hatte, ein Hurrikan wie 2004 war allerdings nicht dabei. Tropische Stürme gab es unter anderem im April 1991, im Mai 2001 und im Januar 2004. Im März 2010 bildete sich dicht vor der brasilianischen Küste ein ausgeprägter Tropensturm, der aber zum Glück keine größeren Schäden anrichtete. Was vor Beginn des Satellitenzeitalters in den 1960er Jahren geschah, ist völlig offen.

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Tropensturm am 09.03.2010, Quelle: OSEI/NOAA

Warum gibt es nur so wenige Stürme auf dem Südatlantik? Das Meerwasser ist hier um mehrere Grad kälter als nördlich des Äquators. Dies ist aber nicht der einzige Grund, da man inzwischen weiß, dass sich Stürme und Hurrikane auch bei Wassertemperaturen von 22 bis 26 Grad oder sogar noch darunter bilden können, wenn in größeren Höhen kältere Luft liegt und die Schichtung damit ausreichend labil ist. Die Innertropische Konvergenzzone liegt auf dem Atlantik durch die unterschiedliche Verteilung von Land und Wasser im Bereich des Äquators oder nördlich davon, aber nie südlich. Daraus gehen also keine südatlantischen Stürme hervor. Zu nah am Äquator fehlt sowieso die Corioliskraft, die durch die Erdrotation entsteht und die Drehbewegung um ein Tiefzentrum hervorruft. Anders als auf dem Nordatlantik fehlen auf dem südlichen Ozean die „Easterly Waves“, das sind Störungen in der Passatströmung, die von Afrika auf den Ozean ziehen und aus denen Stürme entstehen können. Andere Theorien schieben die Sturmarmut auf starke und damit für die Hurrikanbildung ungünstige Höhenwinde.

In den Wintermonaten (Sommer auf der Südhalbkugel) lohnt sich schon mal ein Blick auf den Südatlantik. Wenn alles passt, ist durchaus wieder ein Sturm oder Hurrikan wie 2004 möglich. Aktuelle Satellitenbilder vom Atlantik sind hier zu finden. Dort kann man die Region verändern oder selbst wählen (Rasterkarten) und auch zwischen Bildern im sichtbaren Bereich oder Infrarot wechseln. Die Top-Alarm-Bilder zeigen die Temperaturen an den Oberflächen der Wolken – je kälter, desto höher reichend.

 

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