Tornadoverdacht am Montagabend in Hessen bisher unbegründet

Am Montagabend überquerte eine markante Kaltfront die gesamte Westhälfte Deutschlands. Sie war mit Starkregen, einzelnen Gewittern und örtlich heftigen Böen verbunden. Im Main-Kinzig-Kreis in Hessen soll nach einer Pressemeldung sogar eine „Windhose“ Schäden angerichtet haben. Korrekterweise sollte man – sofern es denn einer war – von einem Tornado sprechen, das alte deutsche Wort „Windhose“ wird in den Medien oft verniedlichend gebraucht.

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Das Radarbild vom Montagabend, 21:00 Uhr MEZ, zeigt die Kaltfront, die sich von Schleswig-Holstein bis nach Ostfrankreich erstreckt. Der Vorderrand erreicht den betreffenden Bereich nordöstlich von Frankfurt am Main. An solchen winterlichen Kaltfronten kommen im Bereich von Sturm- und Orkantiefs gar nicht so selten auch stärkere Tornados vor. Lesen Sie mir dazu: Winterstürme und Tornados.

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Zoomt man in den Main-Kinzig-Kreis (zum Vergrößern des Bildes bitte klicken), erkennt man nichts besonderes, keine eingelagerte Schauer- oder Gewitterzelle, keine besondere Formation an der Front. Auch das Radarbild mit den relativen Geschwindigkeiten zeigt keine Auffälligkeiten. Mehr zum Erkennen von Tornados bzw. der auslösenden Schauer und Gewitter bei uns im Wetterkanal: Wie erkenne ich einen Tornado in den Radarbildern? Nur wenige Kilometer nordwestlich von Niederdorfelden wurden allerdings gegen 21 Uhr einzelne Blitze registriert.

In dieser Pressemeldung heißt es unter anderem: „Windhose deckt Hallendach ab […] Anders im Main-Kinzig-Kreis: In Niederdorfelden bei Maintal deckte ein heftiger Windstoß ein Hallendach ab. Die Abdeckplatten wurden einige Meter durch die Luft geschleudert und landeten in umliegenden Gärten. Ursache war laut Polizei eine Windhose.“

Bisher gibt es aber keine Hinweise darauf, dass es sich tatsächlich um einen Tornado (= Windhose) handelte. Es liegt nur dieser sehr unkonkrete Hinweis auf die Mitteilung der Polizei vor. Die meisten Polizisten (und auch Feuerwehrmänner) sind aber nicht geschult und können normale Sturmschäden nicht von Schäden durch einen Tornado unterscheiden. Abdeckplatten weisen meistens gute Flugeigenschaften auf und können auch durch eine normale Sturmböe einige Meter durch die Luft fliegen. Da sonst nichts auf einen möglichen Tornado hindeutet, ist derzeit eine Sturmböe wahrscheinlicher. Mit solchen Pressemeldungen sollte man also sehr vorsichtig sein, vor allem so lange sie ungeprüft erscheinen. Wirklichen Aufschluss kann nur eine Schadenanalyse vor Ort geben.

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Nochmals der Hinweis: Man sollte grundsätzlich lieber von einem Tornado sprechen, wenn es denn einer war. Der Begriff Windhose wird leider zu oft falsch gebraucht, oft nur für schwache Tornados oder für Staubteufel. Und „Mini-Tornados“ gibt es schon mal gar nicht. Wenn nicht klar ist, was vor Ort passiert ist, aber es Indizien gibt, die einen Tornado möglich erscheinen lassen, dann spricht man von einem Tornadoverdacht.


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Ein Kommentar

  1. Gummistiefel46 28. Februar 2017

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