Tiefdruckgebiet mit Regen, Starkregen und Gewittern

Besonders am heutigen Dienstag und am Mittwoch, teils aber auch noch bis in den Donnerstag hinein, wird uns ein Tiefdruckgebiet beschäftigen, das genau von Norden her nach Deutschland zieht. Es ist besonders in höheren Luftschichten gut ausgeprägt, wie in der folgenden Animation aus den Karten mit dem Wind in 700 hPa (~3 km Höhe) gut zu sehen. Es eiert nach Deutschland hinein und wird sich zum Donnerstag langsam nach Osten zurückziehen und abschwächen. Solche Höhentiefs schwimmen wie ein Fettauge auf der Suppe und sind damit in ihrer exakten Verlagerung nur schwer berechenbar. Folglich sind auch die genauen Niederschläge schwer vorhersagbar, was vor allem ihre genaue Verteilung betrifft.

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Bevor wir uns die genaue Niederschlagsverteilung bis Mittwoch ansehen, werfen wir einen Blick auf den heutigen Dienstag. Das Höhentief ist mit einem Bereich deutlich kälterer Luft in rund 5 bis 5,5 km Höhe verbunden. Dieser zieht heute am Dienstag von Niedersachsen in die Landesmitte und nach NRW. Besonders hier, aber auch vorderseitig in noch wärmerer und labiler Luft nach Südosten hin können sich einzelne Gewitter bilden. So simuliert auch das Super HD Modell einzelne Gewitter (rosa) in seinen Karten hier. Auch wenn lokal Starkregen dabei sein kann, so bleiben die simulierten Niederschlagsmengen doch im Rahmen. Da die Windscherung im Westen und Nordwesten zunimmt, wären auch „organisierte Strukturen“ denkbar, bis hin zu rotierenden Gewitterzellen mit erhöhter Tornadogefahr. Es könnte aber an ausreichend Labilität mangeln, sodass es eher die harmlose Variante gibt. Schauen wir später, was das Radar zeigen wird.

Ab der Nacht zum Mittwoch wird es dann bezüglich Starkregen, der bis in den Unwetterbereich gehen kann brisanter. Grund ist deutlich feuchtere Luft und viel ausfällbares Wasser in der Atmosphäre, das von Osten her an der Nordflanke des Tiefs herangeführt wird. Wir sehen das unten in den Karten mit dem  atmosphärischen Niederschlagswasser aus dem Super HD links und dem ECMWF Modell rechts. Die exakte Lage dieser, nennen wir es „nassen Zunge“, hängt von der genauen Lage des Tiefs ab, die auf den Kilometer genau kaum vorhersagbar ist. Jedenfalls wird in diesem Bereich die feuchte Brühe vor allem nach Nordosten und Norden hin stark gehoben durch das Tief, was stellenweise heftigen Starkregen auslösen wird. Dabei werden sich Bänder oder Straßen mit Starkregen bilden, die allerdings für große Unterschiede bei der Regenausbeute sorgen werden.

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Blicken wir zunächst auf die Prognose des aktuellen Super HD Modells mit der akkumulierten Niederschlagsmenge bis zum Mittwoch um 20 Uhr. Sehr gut sind die Niederschläge zu sehen, die sich um das Höhentief herum anordnen beziehungsweise kreiseln. Dabei ist deutlich zu erkennen, wie die Mengen nach Nordosten und Norden hin zum Mittwoch größer werden, das Potenzial für Starkregen steigt! Wie das so ist bei schauerartigen und teils gewittrigen Niederschlägen plus die unsichere Lage des Tiefs, wird diese Niederschlagsversion nicht unbedingt die finale Version sein. Deswegen wollen wir uns weiter unten die Verteilung genauer ansehen.

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Wir sehen im Folgenden den Vergleich der Niederschlagsmengen bis Mittwoch um 20 Uhr aus den vier letzten Modellberechnungen des Super HD. Die Berechnung unten rechts ist die aktuelle Berechnung, die nächste kommt im Laufe des Dienstagvormittags und ist unter dem Link weiter unten zu finden. Wir sehen, dass es im Zentrum des Tiefs ein „Loch“ geben wird, wo es nur wenig oder sogar so gut wie keinen Regen geben wird! Leider deutet sich dies genau dort an, wo es eine große Trockenheit seit Wochen und Monaten gibt. Eine Frage ist also, wo dieses Loch genau liegen wird. Zum anderen sind die Signale eindeutig, dass die höchsten Mengen am Mittwoch an der Nord- und Ostflanke des Tiefs fallen werden.

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Schauen wir uns einen weiteren Vergleich an mit den akkumulierten Niederschlagsmengen ebenfalls bis Mittwochabend aus dem GB HD Modell. Zu sehen sind die letzten beiden Berechnungen, die es im Großen und Ganzen ähnlich wie das Super HD Modell sehen. Auch hier wird ein Loch berechnet im Zentrum des Tiefs und die höchsten Summen kommen an der Nord- und Nordostflanke zusammen. Bitte bedenken, dass das GB HD Modell in lokalen Spitzen gerne viel zu viel Niederschlag rechnet, es soll hier in erster Linie um die Verteilung gehen.

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Fassen wir zusammen: 

  • Das „Dürreloch„, also der Bereich, wo im Zentrum des Tiefs kaum oder kein Niederschlag fallen wird, wird sich wahrscheinlich irgendwo im Bereich Thüringen, mittleres und südliches Sachsen-Anhalt, südliches Niedersachsen und westliches Brandenburg sowie bis in die Region um Leipzig auftun. Allerdings entscheiden teilweise nur wenige Kilometer zwischen nix/wenig und sehr viel Regen.
  • Das größte Potenzial für Starkregen und ergiebigen Dauerregen, teils gewittrig, besteht von der polnischen Grenze (also dem äußersten Osten, Lausitz) sowie im nördlichen Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg sowie dem südlichen Schleswig-Holstein bis ins östliche und mittlere Niedersachsen hinein. Hier werden teilweise in 6 Stunden deutlich über 50 mm gerechnet, in der Summe sogar lokal um 100 mm, was zu Überschwemmungen und Hochwasser führen kann! Dieser Streifen wird aber vergleichsweise schmal sein und ist damit nur sehr kurzfristig genau abschätzbar.

Die wichtigsten Links zum Verfolgen der Wetterlage



 

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