Donnerstag einzelne Gewitter, Freitag größere Gewitterlage möglich

Es bleibt in den kommenden Tagen sozusagen „Musik“ drin beim Wetter, denn Gewitter bleiben weiterhin ein Thema. Insgesamt milde und teils feuchte Luftmassen werden uns aus Südosten beschäftigen. Die großräumige Druckkonstellation ist dabei eine Hochdruckzone über Nordeuropa und eine Tiefdruckzone über Südwesteuropa. Deutschland liegt genau zwischen den beiden steuernden Druckgebilden in einer südöstlichen Strömung.

Donnerstag

Im Laufe des Tages kann sich wieder etwas Energie aufbauen oder besser gesagt die Luftmasse wird labilisiert – die Grundvoraussetzung für Gewitter. Wir sehen unten zwei Karten für den Parameter CAPE*. Damit zeigt sich in den beiden Vorhersagekarten aus dem Super HD Modell und dem HD Modell für 18 Uhr ein recht verschwommendes Bild, wo die Luftmasse labilisiert. Es lassen sich keine klaren Regionen eingrenzen, außer vielleicht teilweise im Osten und ganz im Norden, wo es dunkelgrün ist, sollen die Verhältnisse stabil bleiben und damit ungünstig für Gewitter. Sonst sind in vielen Regionen, also fast überall, potenziell Gewitter möglich. Viel wird auch davon abhängen, wo die Sonne länger einstrahlt oder wo eventuell dichtere Wolken eine Labilisierung der Luft bremsen.

*Diese spezielle Unwetterparameter „CAPE“ zeigt die verfügbare konvektive potenzielle Energie. CAPE bedeutet „convective available potential energy“, übersetzt „konvektiv verfügbare potentielle Energie“. Einfach gesagt handelt es sich bei diesem Parameter um die Energie, die einem möglichen Gewitter zur Verfügung steht. Hohe Werte deuten auf starke Gewitter und Unwetter hin, allerdings können in Ausnahmefällen auch bei niedrigen Werten, wenn andere Faktoren stimmen, starke Gewitter auftreten. CAPE alleine ist allerdings keine Garantie für Gewitter! Lediglich die Energie, die bei auftretenden möglichen Gewittern zur Verfügung steht, kann abgeschätzt werden. Wird im Modell Niederschlag und viel CAPE gerechnet, ist die Wahrscheinlich für starke Gewitter und Unwetter deutlich erhöht.

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Ausschlaggebend werden nun kleine Störungen sein, Randtiefs, Randtröge, die kaum exakt vorherzusagen sind und von Süden nach Norden beziehungsweise von Südost nach Nordwest mit der Strömung durchschwenken. Sie können für einen Hebungsantrieb sorgen und in der labilen Luft Gewitter auslösen. Schauen wir uns im Folgenden jeweils zwei Karten für das signifikante Wetter aus dem Super HD Modell (oben) und aus dem HD Modell (unten) an.

Wahrscheinlich wird ab dem späteren nachmittag und dem Abend so eine Störung durchschwenken und von Süden her über die Mitte bis nach Nordwesten hin einzelne Gewitter auslösen. Vom Timing her sind die beiden Modelle doch sehr unterschiedlich. Das HD Modell (unten) sieht beispielsweise in NRW erst in der Nacht zum Freitag einen Höhepunkt mit den vermehrten Gewittersignalen, das Super HD lässt einen Cluster bereits am Abend von Hessen nach NRW übergreifen. Insgesamt ist die Windscherung nicht stark erhöht und die Gewitter können zwar Starkregen und kleinkörnigen Hagel bringen, sollten aber weniger intensiv ausfallen, wie am Montag.

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Freitag

Am Freitag könnte sich dann besonders im Osten und im Norden eine Gewitterlage einstellen, die etwas mehr Brisanz hat, wobei es es natürlich mal wieder auf Details ankommt, auf die wir zwei Tage zuvor noch nicht eingehen werden. Jedenfalls sehen wir unten die Situation am Freitag um 14 Uhr nach dem ECMWF Modell (links) und dem US Modell (rechts). Zu sehen ist das Großwetterlagen-Komposit, wo wir auch die Luftmassen erkennen können. Mit oranger Farbe wird aus Südosten in den Osten und Norden Deutschlands feucht-warme Luft gelenkt. Ursache wird ein Tief sein, das irgendwo von Süddeutschland über die Mitte oder den Osten Deutschlands Richtung Nordsee zieht. Es lenkt gleichzeitig auf der Rückseite kühlere Luft in den Südwesten. Die genaue Lage sowie dessen Timing bei der Zugbahn sind noch nicht ganz sicher.

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Grober Vergleich Niederschlagsprognosen Freitag

Verglichen werden aus verschiedenen Wettermodellen jeweils die 6stündigen Summen von 08 bis 14 Uhr (links) und 14 bis 20 Uhr (rechts). Zusäzlich habe ich Symbole eingefügt, wo sich wahrscheinlich die größte Gewittergefahr zu finden sein wird – an der Vorderseite des Tiefs über dem Osten, Norden oder auch dem großen Nordosten.

Wir sehen insgesamt ein recht einheitliches Bild, was die großräumige Niederschlagsverteilung angeht. Logischerweise werden in Verbindung mit der noch unterschiedlich berechneten Zugbahn des Tiefs die Niederschlag-Hotspots unterschiedlich simuliert. Aber was lesen wir aus den folgenden drei Vergleichen?

  • Es wird einen Streifen mit teils ergiebigen und gewittrigen Niederschlägen geben, der sich von der Mitte bis in den Nordwesten ziehen wird. Es wird der Übergangsbreich sein, wo die mildere und feuchtere Luft aus Südosten auf die kühlere aufgleitet. Das bedeutet teils schauerartig und gewittrig durchsetze Regenfälle, lokal möglicherweise mit Überflutungsgefahr, wenn Gewitter eingelagert sind (da kann deutlich mehr örtlich zusammenkommen)!
  • Auf der Nordostseite des Tiefs wird labile und wärmere Luft einbezogen. Zusätzlich nimmt die Windscherung deutlich zu und es können sich teils kräftige Gewitter bilden, die sich im Tagesverlauf nach Nord bis Nordwest verlagern. Dabei sind neben Starkregen auch Hagel (meist kleinkörnig) sowie Gewitterböen möglich. Hier hängt aber vieles zum einen vom Timing ab, also ob der Ablauf zeitlich „günstig“ in die Nachmittags- und Abendstunden fällt. Zum anderen könnte auch starke Bewölkung den Aufbau von ausreichend Energie verhindern und die Gewitteraktivität dämpfen. Also noch einige offene Fragen.

 

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7 Kommentare

  1. Thomas Leis 11. April 2018
    • Fabian 11. April 2018
  2. marc 12. April 2018
    • Clemens Grohs 12. April 2018
  3. Marc 12. April 2018
    • Clemens Grohs 12. April 2018
  4. Marc 12. April 2018

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