Was wirklich dran ist an der Umstellung der Großwetterlage

Nach der großen Rekordwärme in den vergangenen Tagen beginnt die Wetterlage sich langsam umzustellen. Der Wärmestrom reißt ab und wir gelangen zunächst zum Wochenende in den Bereich eines neuen Hochs. Das bedeutet zu dieser Jahreszeit nicht mehr zwangsläufig die große Wärme, sondern eben auch mal dichte Wolken, Nebel oder Hochnebel und eben ganz langsam auch der Jahreszeit entsprechende Temperaturen. Der große Regen bleibt dagegen weiterhin aus.

In der kommenden Woche könnte dann mehr Bewegung in die Wetterküche kommen. Natürlich lesen wir in den bekannten Onlinemedien bereits die üblichen Clickbait-Meldungen, dass jetzt der Schnee kommt, der erste Wintereinbruch und alles ganz wild wird. Schauen wir uns im Folgenden mal nüchtern die aktuellen Berechnungen der Wettermodelle genauer an.



Kampf zwischen fettem Hoch und Tief

Wollen wir also den Blick auf die kommende Woche richten. Während derzeit der Schwerpunkt des hohen Luftdrucks noch über uns und östlich von uns liegt, wandert er zum Wochenende mit Schwerpunkt genau nach Mitteleuropa. Ab Montag baut sich dann nach allen Wettermodellen ein Hoch im Bereich der Britischen Inseln auf und ein kräftiger Tiefdruckkomplex rutscht an der Nordostflanke des Hochs den Buckel herunter nach Süden bis Südosten. Man kann es an den Karten unten nachvollziehen. Das ist die klassische Großwetterlage für herbstliche oder manchmal auch frühwinterliche Kälteeinbrüche in Mitteleuropa.

Nun kommt es sehr stark darauf an, wie sich das Hoch positionieren wird, denn die genaue Lage und Ausrichtung ist alles andere als sicher. Wir sehen unten die Höhenwetterkarte von drei verschiedene Wettermodellen für den kommenden Mittwoch, also heute in einer Woche und bei genauem Hinsehen, erkennen wir die Unterschiede. Ja, in einer Woche. Da wundern wir uns nicht über diverse Unsicherheiten. Das ECMWF Modell (ganz links) sieht das Hoch am westlichsten und somit rutscht das Tief auch am westlichsten den Buckel runter und würde uns damit am stärksten beeinflussen. Die beiden anderen Modelle (Mitte und ganz rechts) sehen das Hoch einen Tick östlicher und damit geht das Tief natürlich auch östlicher runter, logisch. Es würde uns damit eher am Rande erwischen.

Fassen wir zusammen: Je nach Lage des Hochs können wir unter sattem Tiefdruckeinfluss voll in den Kaltluftstrom aus Nordwesten kommen oder es wird nur ein Streifschuss. Im dümmsten Fall rutscht das Hoch sogar so schnell nach, dass wir kaum was vom Tief mitbekommen! Nach jetzigem Stand muss man schon sagen, dass die Tendenz dahin geht, dass das Hoch besonders dem Südwesten und Westen wohl sehr nah sein wird. Aber festlegen kann man sich da noch nicht. Ebenso ob diese Entwicklung nun richtungsweisend für den weiteren Verlauf ist. Folgen weitere Vorstöße und ist die Umstellung dann für längere Zeit oder rutschen wir ins alte (warme) Muster? Es weiß heute niemand!

 

Die Dürre – nass oder weiter trocken?

Haben wir oben also die Konstellation der Großwetterlage mit ihren Unsicherheiten besprochen, so wollen wir uns mit den möglichen Auswirkungen beschäftigen. Wir sehen unten zwei Niederschlagssummenkarten bis kommenden Donnerstag, 25.10.2018. Links ist die Karte aus dem aktuellen ECMWF Modell und wir erinnern uns, dass es das Hoch sehr westlich und damit auch den Tiefdruckeinfluss bei uns stärker rechnet. Die logische Folge ist, dass es besonders von der Nordsee bis in den Osten recht verbreitet nennenswerte Niederschläge sieht. Regen, Schauer und viel Wind wären die Folgen. Vollherbst. Rechts ist das US Modell, nach dem uns das Hoch näher ist. Sagen wir mal so: Die Mengen sind hier überschaubar. Zusammengefasst sieht es also von den Mengen her nach Westen und Südwesten hin eher dürftig aus. Für den Rhein, der derzeit Niedrigwasser im Bereich der Allzeitrekorde führt, kann noch keine Entwarnung gegeben werden.

Typisch bei der zu erwartenden Lage wäre auch, dass am ehesten die Nordosthälfte Deutschlands Niederschlag bekommt und der Südwesten und Westen eher weniger. Hier ist man einfach näher am Hoch.

 

Schnee Mittelgebirge Alpen nicht ausgeschlossen

Sollte der Kaltluftstrom also über Deutschland gehen, dann wäre schon in den Mittelgebirgen und Alpen Schneefall möglich. Auch hier wieder die zwei Varianten mit nah am Tief (links) und mehr am Hoch (rechts). Links sehen wir vom ECMWF Signale für eine (dünne) Schneedecke vor allem in den östlichen Mittelgebirgen und in den Alpen, rechts dagegen praktisch nix. Jetzt werden sicher viele enttäuscht sein, die schon die großen „Schnee-Schlagzeilen“ an anderer Stelle im www gelesen haben.

Übrigens: Frühe Wintereinbrüche in den Alpen und ganz besonders in den östlichen Mittelgebirgen kommen ab Mitte Oktober immer wieder mal vor. Das ist absolut nichts ungewöhnliches, wenn es denn tatsächlich reichen sollte, was ja noch sehr sehr fraglich ist. Schauen Sie hier, das Archiv der Schneehöhen weiß alles:

Wir sehen unter den Links oben, dass gerade das Erzgebirge bzw. die östlichen Mittelgebirge und die Alpen dafür prädestiniert sind.

 

Ensembles – Einordnung des ECMWF Hauptlaufs

Wir erinnern uns, dass das ECMWF Wettermodell die Variante berechnet mit dem stärksten Tiefdruckeinfluss und damit mit den meisten Niederschlägen und auch mit Schnee in den östlichen Mittelgebirgen und Alpen. Nun werden neben dem Modell-Hauptlauf, den wir oben mit Karten betrachtet haben, noch weitere 50 Berechnungen durchgeführt. Diese sehen wir unten im Diagramm und zwar für das Geopotential, was auch ganz oben auf den Höhenwetterkarten zu sehen war. Je tiefer, desto mehr Tiefdruck, je höher, desto mehr Hochdruck. So kann man es ganz einfach beschreiben. Im Diagramm für Berlin sehen wir nun, dass der Hauptlauf (rote Linie) in den 50 Lösungen relativ weit unten angesiedelt ist. Er liegt unter dem Mittel aller 50 Lösungen. Natürlich könnte sich der Hauptlauf am Ende auch durchsetzen und es gibt sogar Lösungen mit noch mehr Tiefdruckeinfluss, aber tendenziell sollten wir die Variante des Hauptlaufs (viel Tiefdruckeinfluss) mit Blick auf das Ensemble Diagramm  noch skeptisch betrachten.

 

Zurück auf „Normalwerte“

Schauen wir uns die Temperaturentwicklung im 10 Tage-Trend an, wo zahlreiche Wettermodelle für jeden Ort verglichen werden. Es ist die beste Möglichkeit Trends über einen längeren Zeitraum herauszulesen. Und ja, längerer Zeitraum ist beim Wetter schon bis Tag 10. Sie können das für ihren Ort regelmäßig checken:

Für Berlin sehen wir den Temperaturrückgang von Werten um 20 Grad auf Werte um 15 Grad, später eher zwischen 10 und 15 Grad, alles bezogen auf die Tageshöchsttemperatur. Schon wieder wundern sich Leser der Clickbait-Schlagzeilen, denn das ist ja gerade ein Rückgang auf halbwegs „normale“ Werte für Ende Oktober. Das Thema Schnee in Berlin können wir damit erst einmal abhaken. Wobei ich schon einbringen will, dass sich bei sehr „günstiger“ Entwicklung auch in tiefen Lagen besonders im Osten und Nordosten Graupel und nasse Flocken in einem Schauer mal bis ganz runter beimischen können. Wow! Das Ende Oktober!

Etwas weiter unten noch der Trend für Karlsruhe, der etwas langsamer einen Temperaturrückgang rechnet. Wir sehen aber auch hier, die große Kälte wird das nicht. Wobei es uns sicher kalt vorkommen wird nach der fast durchgehenden Dauerwärme seit April.

 



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7 Kommentare

  1. Luc 17. Oktober 2018
    • Fabian 17. Oktober 2018
      • Andreas John 18. Oktober 2018
        • Jannik 18. Oktober 2018
  2. Bernd 17. Oktober 2018
  3. Wolfgang 17. Oktober 2018
  4. Thomas 18. Oktober 2018

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