
Sommer 2026 im Rückblick
Rekord-Hitze, Rekord-Dürre und schlussendlich auch noch markante Unwetter mit einigen Tornados: Der Sommer 2026 ist nun statistisch beendet und setzt in vielerlei Hinsicht Ausrufezeichen. Die erreichten Spitzenwerte liegen so weit außerhalb der statistischen Streuung, dass diese nicht anders als durch einen beschleunigten Klimawandel zu erklären sind. Es folgt eine kleine Übersicht mit den vorläufigen Daten.
Einer der heißesten Sommer
Nach vorläufigen Auswertungen liegt die mittlere Temperatur der Sommermonate Juni, Juli und August nach unserem Flächenmittel bei knapp 19,7 Grad und ist damit bis auf wenige Hundertstel Grad nahezu gleichauf mit dem bisherigen Rekordsommer 2003. Nach aktuellem Stand wird er wahrscheinlich sehr knapp an der zweiten Stelle seit Aufzeichnungsbeginn 1881 landen.

Ausmaß und Dauer der Hitze beispiellos
Noch beeindruckender ist allerdings das Ausmaß und die Dauer der Hitzeperioden. Was das Ausmaß angeht, so setzen vor allem neue Hitzerekorde und deren früher Zeitpunkt neue Maßstäbe.
1. Das Ausmaß
Die Extremwerte wurden hier nicht, wie statistisch zu erwarten wäre, im späteren Juli oder August erreicht, sondern bereits Ende Juni. Mit dem ersten stabilen Omega-Hoch – es sollte nicht das letzte sein – kam es zu einem so genannten Heat Dome, einer Hitzeglocke, die von Südwesten kommend ab dem 18. Juni immer höhere Temperaturwerte brachte bei maximaler Sonneneinstrahlung. Der absolute Höhepunkt fand dann am 27. Juni 2026 statt, an dem mit 41,8 Grad an der DWD-Station Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt ein neuer Hitzerekord aufgestellt wurde. Die Station Lüchow (Niedersachsen) in unserem erweiterten meteosol® Messnetz erreichte sogar 42,1 Grad. Aber auch die Nächte waren so warm wie noch nie seit Aufzeichnungsbeginn. Mit 29,9 Grad Tiefsttemperatur am 27. Juni an der Station Hausen bei Würzburg-Rieden aus unserem erweiterten Netz wurde ebenfalls ein neuer Rekord aufgestellt, im DWD-Netz gibt es jetzt mit einem Minimum von 29,4 Grad in Kubschütz, Sachsen, ebenfalls einen neuen Deutschlandrekord. > Hier alle Extremwerte in der Klima-Stationskarte.


> Mehr Informationen zur historischen Hitzewelle im Juni
2. Die Dauer
Noch beeindruckender als diese Absolutwerte ist die Dauer der Hitzewellen, die im Süden, insbesondere Südwesten Deutschlands alles bisher Aufgezeichnete in den Schatten stellt. Besonders beeindruckend ist hier die Anzahl der Heißen Tage, also der Tage mit einer Höchsttemperatur von 30 Grad und mehr.

Nach unserer vorläufigen Auswertung ergibt sich ein Flächenmittel von etwas mehr als 21 Heißen Tagen, wobei das Saarland mit fast 39 Tagen Spitzenreiter ist. Um es greifbar zu machen: Das wären am Stück aufgereiht mehr als fünf Wochen hintereinander Höchstwerte über 30 Grad!
Beeindruckend auch der Abstand der neuen Rekorde zu den bisherigen:

Hier fällt vor allem das Südwest-Nordost-Gefälle auf.
Sehr trocken, im Südwesten Rekord-Dürre
Hinter uns liegt aber nicht nur ein ungewöhnlich heißer, sondern auch ein sehr trockener Sommer. Mit einem von uns ermittelten deutschlandweiten Flächenmittel von knapp 167 Litern pro Quadratmeter liegen wir zwar nicht im negativen Rekordbereich, jedoch fehlen auf der Fläche etwa 73 Liter pro Quadratmeter zum Mittelwert der Jahre 1961 bis 1990, also rund eine durchschnittliche Monatsmenge.

Bei Betrachtung des Mittelwerts muss hier allerdings beachtet werden, dass auch extreme Starkniederschläge mit eingehen, die im Rahmen einiger Gewitter vor allem am Alpenrand niedergegangen sind und häufig ungenutzt oberflächlich abflossen oder zu unwetterartigen Folgen führten.
Ausnahme Alpenrand
Die höchste Tagesmenge wurde nach bisherigem Stand am 29. Juni in Deisenhofen bei München erreicht mit 102 Litern pro Quadratmeter. Alle maximalen Mengen können in unseren Klima-Stationskarten nachgesehen werden. In der Summe fielen am Alpenrand häufig Mengen von 300 bis knapp 500 Liter pro Quadratmeter:

Hier spielten teilweise die orografische Hebung als auch Staueffekte eine Rolle. Insbesondere bemerkt man hier aber auch die exponentielle Abhängigkeit von Temperatur und Feuchtigkeit: Pro 10 Grad Erwärmung kann die Luft etwa doppelt so viel Wasserdampf aufnehmen (Clausius-Clapeyronsche Gleichung). Auch hier wurden die Folgen eines beschleunigten Klimawandels exemplarisch demonstriert.
Niedrigwasser und Waldbrände
Sonst sticht vor allem der Südwesten heraus mit besonders langen Dürreperioden, da sich dort schwerpunktmäßig nach einem stabilen Omega-Hoch mit kurzen Unterbrechungen das nächste etablierte. Dementsprechend bemerkte man dies auch an neuen Rekord-Niedrigständen der Flüsse, allen voran dem des Rheins. Er erreichte vor allem im zweiten Augustdrittel Negativrekorde, unter anderem in Köln (66 cm), Düsseldorf (22 cm) und Kaub (6 cm), alle sehr deutlich unter den alten Minima. Aber auch die Elbe sank am Pegel Strombrücke in Magdeburg bis auf 42 cm und legte den Domfelsen („Hungerfelsen“) komplett frei – ein neuer historischer Niedrigwert. Mit entsprechend wirtschaftlichen Folgen.
Mit der Trockenheit kam es daher auch vor allem im Westen zu teils verheerenden Waldbränden, unter ihnen zu dem bei Hürtgenwald auf einer Fläche von 300 bis 400 ha vom 13. bis 21. August mit Evakuierung des Ortsteils Gey oder auch vom belgischen Hohen Venn aus mit Rauchentwicklungen und Evakuierungsmaßnahmen bis nach Monschau.

Einer der sonnigsten Sommer
Die anhaltenden Hochdrucklagen schlagen auch in puncto Sonnenscheindauer zu Buche. So landet nach unserer vorläufigen Auswertung der Sommer 2026 mit im Flächenmittel gut 761 Stunden mindestens in den Top 10 seit Aufzeichnungsbeginn, wahrscheinlich sogar in den Top 5. Und selbstverständlich auch hier das Süd – Nord – Gefälle: Spitzenreiter ist das Saarland, während Tiefs an der Nordostflanke der Blockade-Hochs phasenweise auch die feuchtere und damit wolkenreichere Luft über die Nordsee ins Landesinnere brachte. Dementsprechend ist Niedersachsen hier – relativ gesehen – das Schlusslicht:

Wie es dazu kam
Gegenseitiges Aufschaukeln
Um zu erklären, wie ein solcher Extremsommer entstehen konnte, muss man weiter zurück bis in den Spätwinter und ins Frühjahr gehen und auf unsere Wetterküche blicken, den Atlantik. Dort hielten sich ungewöhnlich häufig Hochdruckbrücken, vom östlichen Nordatlantik bis zur Biskaya und in die westliche Mittelmeerregion hinein.
Die Folge: ungewöhnlich hohe Sonneneinstrahlung und wenig Wind. Durch die Einstrahlung konnte sich die Meeresoberfläche dadurch deutlich besser erwärmen als üblich. Dies wurde aber noch verstärkt durch die fehlende Durchmischung mit kälterem Tiefenwasser, da deutlich weniger Mittelwind als sonst üblich auftrat. Dementsprechend baute sich bis Ende Mai eine sehr warme obere Wasserschicht auf.
Zudem gab es durch das sich immer wieder regenerierende Strömungsmuster mit Trögen auf dem zentralen Atlantik Zufuhr von Sahara-Luft, wodurch der Wärmetransport vom Wasser an die Atmosphäre stark unterdrückt wurde. All diese Effekte, zusammen mit dem ohnehin höheren „Sockel“ durch global höhere Wassertemperaturen, sorgten zu Beginn des Sommers für einen gigantischen Wärmespeicher vor unserer Haustür, der nun nur noch angezapft werden musste:

Nicht zuletzt sind diese hohen Wassertemperaturen gewissermaßen „Geburtshelfer“ für die dann entstehenden Omega-Hochs: Steigt die überhitzte Meeresluft auf und kondensiert vor dem Höhenrücken, so setzt dies gigantische Wärme in der mittleren und oberen Atmosphäre frei. Dadurch kann sich das Hoch stromabwärts in der Vertikalen noch weiter ausdehnen. Es wird dadurch sehr viel träger und mächtiger. Das Absinken an der Hochachse sorgt dann für die Erwärmung durch Kompression und die berühmte Hitzeglocke mit entsprechendem Deckel.
Dieses Muster sollte sich bis Mitte August dann auch immer wieder wiederholen. Dass die Achse eher über Westeuropa lag und wir eher knapp östlich von ihr lagen, hat uns vor noch extremeren Temperaturen bewahrt, wie sie etwa in Frankreich aufgetreten sind.
Der Ablauf
Anfang Juni war hierzulande zunächst noch nichts zu spüren, der Sommer begann sehr wechselhaft mit Trogvorstößen von Frankreich her und entsprechender Unwetter-Gefahr, noch gab es keine große Wärme. Zur Mitte des Monats zeichnete sich dann der Wetterwechsel ab, und ab dem 18. Juni ging es mit der Hitze richtig los. Es folgte die bereits erwähnte historische (erste) Hitzewelle, die dann am 28. Juni durch teils schwere Gewitter abgeräumt wurde.
Der Juli zeigte sich dann in Deutschland mit großen Gegensätzen: Während der Südwesten sich durch immer wieder regenerierende Omega-Hochs über Südeuropa im Bereich von ruhiger Subtropikluft befand und sich die Hitze- und Dürresituation weiter verschärfte, zogen an seiner Nordostflanke immer wieder Ausläufer atlantischer Tiefs entlang mit unbeständigerem Wetter in gemäßigter Meeresluft:

Zum Ende des Monats etablierte sich noch einmal ein zentrales Hochdruckgebiet, das zum Ende des Monats mit einer gefährlichen Sturmfront unterbrochen wurde.
Der August zeigte sich dann in seiner ersten Hälfte größtenteils unter Hochdruckeinfluss, mit einer Südwestlage stiegen die Temperaturen vor allem im Süden wieder einmal mit großer Hitzebelastung, ehe dann zur Monatsmitte die Wetterlage kippte: Allmählich wurde die Hitze südostwärts verdrängt, und dieser Übergang hin zu dynamischerem Wetter von Westen her sorgte für eine Unwetterlage, die dann am 19. August ihren Höhepunkt fand. Eine extrem dynamische kurzwellige Störung sorgte für eine ungewöhnlich brisante Lage, bei der unter anderem eine Superzelle vom Westerwaldkreis bei Höhr-Grenzhausen über Mittelhessen bis nach Thüringen zu Tornado-Schäden führte. Auch in Fürstenwalde bei Berlin kam es zu einem Tornado, der aber nicht mit dieser Superzelle in Zusammenhang stand.
» So gut waren die Unwetter mit Tornados am 19.08.2026 wirklich vorherzusagen
Bis zum Ende des Monats beruhigte sich das Wetter nicht, es blieb turbulent und es kam zu weiteren, teils kräftigen Gewittern und noch vereinzelt Downburstschäden und Tornadosichtungen vor allem im Nordseeumfeld bei allmählich sinkendem Temperaturniveau.
Zusammengefasst:
Dieser Sommer 2026 hat in Deutschland in vielerlei Hinsicht Ausrufezeichen gesetzt. Es war nicht nur der (beinahe) heißeste, einer der sonnigsten und ein sehr trockener Sommer seit Aufzeichnungsbeginn. Die Länge und Intensität der Hitzewellen vor allem im Süden ist beispiellos und sprengt alles bisher Beobachtete mit Abstand.
Der exponentiell höhere Wasserdampfgehalt hat sich durch räumlich begrenzte, aber extreme Starkniederschläge gezeigt. Mit der höheren Energie in der Atmosphäre sind damit auch mögliche Unwetterauswirkungen extremer, wenn entsprechende Voraussetzungen gegeben sind.
Mit den entsprechenden kostenlosen Tools bei Kachelmannwetter hat dabei jeder heutzutage die Möglichkeit, sich zeitnah vor herannahenden Unwettern zu informieren und sich entsprechend vorzubereiten. Der Informationsdienst Meteosafe benachrichtigt dabei auch proaktiv.








