
Historisches Niedrigwasser am Rhein im Jahr 2026
Am Rhein wurden im Jahr 2026 verbreitet neue Tiefststände erreicht und das Niedrigwasser ist in mehrfacher Hinsicht historisch. Seit Beginn der Messungen wurden zum einen neue absolute Rekorde für den tiefsten Wasserstand aufgestellt, zum anderen gab es auch so früh im Jahr noch nie so tiefe Wasserstände.
Die Dürre
Wenn wir uns das extreme Niedrigwasser am Rhein genauer anschauen wollen, müssen wir mit den Niederschlagsmengen in den vergangenen Monaten beginnen. Mit Schwerpunkt im Süden, Südwesten und der Mitte Deutschlands, aber ganz besonders auch in Frankreich und im Alpenraum, war der Sommer 2026 extrem trocken. Hinzu kommt, dass auch der Frühling 2026 und der Winter 2025/2026 besonders im Südwesten Deutschlands sehr trocken waren. Es war zwar in diesen Regionen auch ein historischer Hitzesommer, aber ausschlaggebend ist der Niederschlag. Seit die Hitze seltener geworden ist und es zeitweise kühler wurde, hört und liest man nur noch wenig zum Thema Niedrigwasser. Dabei wurden neue Rekorde für die tiefsten Wasserstände Ende September erneut aufgestellt.
Man beachte unten die Niederschlagsanomalie im Frühling und Sommer 2026 im Süden Deutschlands, vor allem Baden-Württemberg. Und das trifft ebenfalls auf die Schweiz zu, was für unseren Rhein sehr relevant ist.

Im Jahr 2026 zeigt sich übrigens in fast alle Regionen in deutliches Niederschlagsdefizit. Auch hier ist aber ein Schwerpunkt klar im Süden und Südwesten Deutschlands zu sehen. Von Rheinland-Pfalz und dem Saarland über Südhessen und Baden-Württemberg bis Bayern wurden regional von Januar 2026 bis Ende September 2026 eine Niederschlagsabweichung von -50 Prozent registriert. Die Karte unten zeigt die Niederschlagsabweichung im Jahr 2026 (Stand 01. Oktober) im Vergleich zu langjährigen Mittelwerten. Einfach gesagt: Es war viel zu trocken.
Das Einzugsgebiet des Rheins war damit verbreitet sehr lange, sehr trocken – viele Monate. Es war nicht nur ein Teil des Einzugsgebietes von Trockenheit betroffen, sondern alles. Sowohl aus der Schweiz, von Alpenrhein und Aare kam nicht viel Wasser, aber auch aus dem Schwarzwald und den Vogesen. Ebenfalls herrschte an allen Nebenflüssen flussabwärts, zum Beispiel über den Neckar und den Main bis zur Mosel Dürre.

Exemplarisch können wir mit dem Klimavergleichs-Tool einfach noch einen Blick auf Freiburg im Breisgau werfen. Hier hat sich seit Mai im Vergleich zum langjährigen Klimamittel ein großes Defizit aufgebaut. Und zum Thema Rhein und seinem Einzugsgebiet: In der Schweiz sieht es ähnlich aus.

Das haben wir so noch nicht gesehen am Rhein
Unten ist der Wasserstand am Pegel Düsseldorf und Kaub im Jahr 2026 zu sehen, Stand ist der 01. Oktober 2026. Die dunkelblaue Linie ist der Mittelwert der Wasserstände in der Zeitspanne 2010 bis 2020. Die rote Linie ist der tiefste Wasserstand am Pegel, der bis zu diesem Jahr gemessen wurde (Rekord).
Wasserstand am Pegel ist nicht gleich Wassertiefe in der Fahrrinne: Der Pegelnullpunkt ist ein künstlicher Wert am Ufer, während die Fahrrinne in der Mitte des Flusses viel tiefer ausgebaggert ist. So kann der Wasserstand am Pegel im Extremfall auch einen negativen Wert haben!


Was wir am Rhein seit August erlebt haben ist historisch. Am Pegel Düsseldorf sind die Wasserstände seit dem Jahr 1872 vergleichbar, wir können hier also von Aufzeichnungen über mehr als 150 Jahre sprechen.
Es gibt im Grunde zwei oder sogar drei Rekorde, die im Jahr 2026 neu aufgestellt wurden: Zum einen war der Wasserstand so früh im Jahr noch nie so tief und zum anderen haben wir neue, absolute Tiefststände erreicht. Und das gleich zwei Mal, im August und Ende September / Anfang Oktober. Wie außergewöhnlich das Niedrigwasser im Jahr 2026 bisher war, zeigt der Vergleich mit dem bisherigen Niedrigwasserrekord. Dieser wurde im Dürrejahr 2018 erreicht, allerdings erst am 22. beziehungsweise 23. Oktober. Im Herbst werden häufig die tiefsten Wasserstände am Rhein erreicht. Ein so tiefer Wasserstand, wie bereits Mitte August 2026, stellt alles zuvor Beobachtete am Rhein in den Schatten.
Absolute Tiefststände am Pegel
Kaub
25 cm am 22.10.2018 (alt)
5 cm am 17.08.2026
-6 cm am 01.10.2026
Düsseldorf
23 cm am 23.10.2018 (alt)
-2 cm am 17.08.2026
-6 cm am 01.10.2026
- Am 17.08.2026 wurde also mehr als zwei Monate früher als 2018 ein neuer Tiefststand erreicht und das gleich mit einem deutlich neuen Rekord.
- Erstmals wurde an beiden Pegeln ein negativer Wasserstand gemessen.
- Nach den Rekorden im August 2026, wurde Ende September / Anfang Oktober 2026 schon wieder ein neuer Rekord gemessen
Auch der Bodensee auf historischem Tiefststand
Ebenso zeigen sich am Bodensee schon seit dem Sommer, etwa ab Ende Juni, historische Tiefststände. Der Wasserstand am Pegel Konstanz liegt seit dem durchweg unter dem historischen Minimalwert. Auch hier ist wie am Rhein das beachtliche die lange Andauer des historischen Niederigwassers.

Die ausbleibende Westwetterlage
Kurz etwas zu den Ursachen. Ich könnte hier jetzt sehr viel schreiben und spekulieren, will mich aber vergleichsweise kurz fassen. Sie können noch einmal einen Blick auf die braune Karte oben mit der Niederschlagsanomalie im Jahr 2026 werfen. Große Anomalien mit sehr viel fehlendem Niederschlag zeigen sich in allen Mittelgebirgen und den Alpen. Zum Beispiel auch im Harz, Sauerland, Bergisches Land, Thüringer Wald und ganz extrem im Schwarzwald. Dies zeigt uns sehr gut, dass die klassischen Staulagen mit kräftigen Tiefs und viel Wind aus Westen fehlen. Kurz: Die eigentlich klassische Westwetterlage (die an den Bergen sehr niederschlagsreich ist) war selten bis gar nicht zu Gast. Und das übrigens schon seit dem Februar 2025.
Im Februar 2025 gab es nach vermehrten Westwetterlagen in den Jahren 2023 und 2024 einen Bruch der dominierenden Großwetterlagen in Europa. Es kam verstärkt zu blockierenden Hochdruckgebieten über West- und Nordwesteuropa sowie über dem Nordatlantik. Diese Hochs blockieren dort die Tiefdruckautobahn oder lenken sie weit nach Norden ab. Die Folge sind ausbleibende Niederschläge in West- und Mitteleuropa mit historischer Trockenheit insbesondere auch in Frankreich im Sommer 2026, aber auch sehr ungewöhnlich auf den sonst nassen Britischen Inseln.
Ob das vermehrte Auftreten von diesen blockierenden Hochs insbesondere im Frühling und Sommer mit dem Klimawandel zusammenhängt, wird derzeit erforscht. Es ist naheliegend, dass sich durch die Erwärmung der Erde auch die Großwetterlagen und/oder dessen Häufigkeit verändern. Laut einer Preprint-Studie führt das Schmelzen des Eises auf Grönland zu erheblichen Veränderungen der atmosphärischen Zirkulation im Frühling und Sommer mit Auswirkungen auf Europa. Dadurch könnte die Bildung mächtiger Hochs über Westeuropa gefördert werden, so wie wir es 2026 sehr ausgeprägt gesehen haben. Was auf dem Nordatlantik passiert, ist für unser Wetter eben von großer Bedeutung.
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