Die magische 40 Grad-Marke – am Sonntag nächster Anlauf

Seit einer Woche gibt es einen medialen Run auf die 40 Grad-Marke in Deutschland. Was wurde nicht alles angekündigt, jeder wollte mit seiner Meldung noch den anderen übertreffen. 40 Grad, 41 Grad, 42 Grad – und es wird noch heißer. Die 40 Grad-Marke war in Deutschland schon immer eine hohe Hürde, weil wirklich alles passen muss. Einfach nur heiße Luft reicht da sozusagen nicht, es braucht mehr. Am Sonntag  könnte es nach aktuellen Stand der Wettermodelle an einzelnen Wetterstationen ernsthaft klappen, aber auch hier gilt von unserer Seite: Könnte.

Am vergangenen Mittwoch lagen die Höchstwerte in Coschen und Bad Muskau bei 38,6°C, während die Höchstwerte im Südwesten und im Rhein-Main Gebiet eher ein wenig unter den Berechnungen der Wettermodelle blieben. Hier wurden immer wieder 39 bis 40 Grad angesetzt, im Endeffekt lagen die Höchstwerte aber meist bei 36 bis 37 Grad, in Waghäusel-Kirrlach wurden es 37,5°C. Grund war eine stark ausgeprägte Inversion, die Rekordluft in der Höhe wurde nicht voll durchmischt. Ein wenig wirkte sicher auch der Saharastaub entgegen, aber das sollte nicht die Hauptursache gewesen sein. Schauen wir auf die Messungen vom Feldberg im Schwarzwald, dann wurde hier am Dienstag und am Mittwoch ein neuer Junirekord aufgestellt. Oben war die Luft also rekordwarm, wurde aber bis ganz runter, beispielsweise im Oberrheingraben, nicht vollständig ausgereizt.

Höchstwerte am Mittwoch, 26.06.2019

Das ist für die Menschen dort im Grunde auch völlig egal, denn ob es 37 Grad oder 39 Grad sind, ist nicht so der riesige Unterschied – es ist einfach knallig heiß. Trotzdem bleibt die 40 Grad-Marke natürlich immer eine magische Marke, das hört sich einfach so tierisch heiß an, nach Ägypten, nach Wüste. Und es passt ja auch zu den ganzen medialen Saharakeulen und Afrika-Hitze-Schellen.

Es gab in der Vergangenheit schon häufiger Wetterlagen, wo die 40 in Reichweite war, oft klappte es dann aber am Ende doch nicht und die Höchstwerte blieben knapp unter der magischen Hitzemarke kleben. Man muss auch einfach bedenken, dass der absolute Deutschlandrekord bei der Höchsttemperatur „nur“ bei 40,3°C liegt, die 2015 in Kitzingen gemessen wurden. Ebenso wurden 40,2°C in Freiburg als absoluter Höchstwert bei der extremen Hitzewelle im August 2003 gemessen.  Es sollte sich bei so viel Hitzewellen in den vergangenen Jahrzehnten nun jeder selbst denken können, dass das so einfach bei uns nicht zu erreichen ist und wirklich alles passen muss. Deswegen finde ich einen so leichtfertigen Umgang mit der 40 und erst recht mit 41 oder 42 Grad, wie es in den vergangenen sieben Tagen vielerorts zu lesen war, aus meteorologischer Sicht nicht richtig.

Wenn alles passt, dann kann es am Sonntag für 40 Grad reichen

Wir haben heute Donnerstag, bis Sonntag sind es noch ca. 3 Tage, die der genauen Lage natürlich noch etwas Spielraum geben. Und weil eben alles ganz genau passen muss, kann niemand sicher sagen, ob es am Sonntag reichen wird. Aber schauen wir uns die Situation in den Wettermodellen etwas genauer an.

Der direkte Modelloutput, also die Berechnung der Höchstwerte in 2 Meter über dem Erdboden, sieht im Großen und Ganzen vom Südwesten und Süden über die Landesmitte bis in den Osten ähnlich aus, wie am Rekordmittwoch. Es werden lokale Spitzen, die ich mit schwarzen Zahlen hervorgehoben habe, von 38 bis 40 Grad berechnet. Dabei werden erneut die „Hotspots“ am Oberrhein, im Rhein-Main-Gebiet und im Osten, insbesondere in Brandenburg, Sachsen, und Sachsen-Anhalt gerechnet. Die jeweils aktuellen Berechnungen finden Sie hier:

 

Macht wieder der Osten das Rennen?

Meteorologen schauen sich bei diesen Hitzelagen immer auch die Temperatur in der Höhe an, genauer gesagt auf einem Drucklevel von 850 hPa, was sich je nach Wetterlage meist zwischen 1500 und 1600 Meter befindet. Daraus lassen sich die möglichen, absoluten Spitzen am Boden (besser gesagt in 2 Meter über dem Erdboden, wo gemessen wird) ableiten. Ohne schnickschnack ganz kurz erklärt: Im Idealfall erwärmt sich die Luft tagsüber mit voller Sonneneinstrahlung um ca. 1 K pro 100 Meter. Haben wir also 20 Grad in 1500 Meter, dann sind grob in Berlin 35 Grad zu erwarten. Hinzu kommt aber eine sogenannte Überadiabte, besonders wenn die Böden noch sehr trocken sind und man kann gut und gerne statt 15 K dann 17 bis 18 K aufschlagen. So auch am vergangenen Mittwoch, wo rund 20 Grad in dieser Höhe, in Berlin bis rund 37 Grad brachten.

Nun sehen wir in der Vorhersage unten sowohl vom ECMWF Wettermodell als auch vom ICON Modell im Süden und Südwesten Spitzen bis 23 Grad, im Osten bis 22 Grad in 850 hPa. Theoretisch wären also in diesen Gebieten 40 Grad möglich. Die große Frage wird wieder sein, ob es wirklich am Oberrhein und im Rhein-Main-Gebiet die höchsten Werte geben wird oder nicht doch wieder im Osten, wie bereits am Mittwoch. Wenn man die Situation vergleicht, dann werden hier in 850 hPa ca. 1 bis 2 Grad mehr berechnet als am Mittwoch. Wenn wir von den 38,6 Grad am Mittwoch ausgehen und die 1-2 Grad mehr aufschlagen, dann könnte die 40 Grad besonders in der knochentrockenen Lausitz tatsächlich fallen. Insbesondere auch, weil der Hitzehöhepunkt genau auf den Nachmittag und frühen Abend fallen soll, dann liegt die wärmste Luftmasse drüber. Also passend zur vollen Sonneneinstrahlung und Durchheizung.

Wenig nordwestlich lauert allerdings schon weniger warme Luft, in den Karten unten ersichtlich. Schwenkt diese doch etwas schneller nach Osten durch, dann ist das schon nicht mehr so ideal für ein Erreichen der 40 Grad. Es ist also alles mal wieder nicht so einfach – es muss alles haargenau passen!

Im Modellvergleich für Bad Muskau, wo am Mittwoch die 38,6 Grad gemessen worden sind, reicht die Spanne der 850 hPa Temperatur noch von 19 bis 22,7°C am Abend. Nach dem ECMWF (blau) dürfte es bei 22,7°C in der Lausitz recht sicher für 40 Grad reichen, kommt aber eher die „kältere“ Lösung mit „nur“ 19 Grad vom GFS (grün), dann wird es eher nicht klappen.

Fazit: Es deutet derzeit vieles darauf hin, dass es am Sonntag tatsächlich mit der 40 Grad-Marke klappen könnte, aber sicher ist das (wie immer!) nicht. Es ist auch nur rein meteorologisch interessant, denn ob Sie am Sonntag in den Hotspots bei 38, 39 oder 40 Grad braten, ist für das Hitzeempfinden nicht so sehr ausschlaggebend. Es wird so oder so tierisch heiß.



Haben Sie sich schon auf unsere Webseite kachelmannwetter.com umgeschaut? Wir haben zahlreiche Vorhersagetools, wie die Vorhersage Kompakt Super HD, den XL Trend und Ensemble Vorhersagen für jeden Ort.
Neben unseren weltweiten Messwerten mit umfangreichem Archivweltweiten Satellitenbildern (mit Archiv ab 1981) und der weltweiten Blitzortung finden Sie neben dem HD Regenradar zahlreiche weitere von uns entwickelte Radartools, wie beispielsweise das Stormtracking für Gewitter oder unser Sturzflut-Tool!
Außerdem gibt es ein umfangreiches Angebot an Modellkarten, wie für Mitteleuropa und andere Teile der Welt das hauseigene Super HD Modell mit 1×1 km Auflösung und das europäische Modell ECMWF mit unzähligen Vorhersagekarten für die ganze Welt.

Zahlreiche Apps: Wetter-Apps Pflotsh