Der Russlandkälte geht es an den Kragen!

Was macht eigentlich die sibirische Kälte, die sich seit einiger Zeit im Osten Russlands eingenistet hat? Müssen wir befürchten, dass sie demnächst zu uns kommt oder bleibt sie dort, wo sie dem Namen nach hingehört? In den Medien und vor allem in verschiedenen Internetplattformen wurden Befürchtungen geäußert, dass die derzeit herrschende extreme Kälte in Sibirien uns einen eisigen Winter bescheren könnte. Ist da etwas dran?

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Die Karte aus dem deutschen globalen Modell zeigt die erwarteten Höchsttemperaturen am heutigen Donnerstag. In einem großen Gebiet liegen demnach die Höchstwerte unter -30 Grad, so auch im bekannten Skiort Chanty-Mansijsk. Im Westen Russlands liegen die Temperaturen allerdings tagsüber nur wenig unter dem Gefrierpunkt. Zur Orientierung: Links im Bild ist Skandinavien zu erkennen, darunter die baltischen Staaten und etwas weiter rechts die russische Hauptstadt Moskau. Im oberen Bereich des Bildes liegt das Eismeer mit der riesigen Insel Novaja Zemlja.

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Die Temperaturabweichungen zum langjährigen Mittel sind enorm, großflächig liegen die Temperaturen bis fast 20 Grad unter den Mittelwerten.

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Die Luftdruckverteilung am Donnerstagabend mitteleuropäischer Zeit zeigt hohen Luftdruck (rot) über Sibirien, hier hat sich ein kräftiges Kältehoch gebildet, und tiefen Luftdruck (blau) im Bereich Skandinavien. Solche Kältehochs können sich oft wochenlang halten und den Grundstock für Kältezufuhr aus Osten bis nach Mitteleuropa bilden. Es kann aber auch ganz anders kommen.

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Nur wenige Tage später soll sich das Hoch bereits nach Kasachstan verlagert haben, wie man auf der Karte mit der Luftdruckverteilung am Sonntag (20.11.) sieht. Damit wird der Weg frei für Tiefs mit ihren Ausläufern, die zur Arktis ziehen und milde Luft weit nach Norden lenken.

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Die Höchstwerte aus dem deutschen Modell für den kommenden Montag. Aus fast -35 Grad als Höchsttemperatur werden in Chanty-Mansijsk nur noch -6 Grad und in Nordrussland herrscht Tauwetter.

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Die großen negativen Temperaturabweichungen zum langjährigen Mittel sind plötzlich verschwunden oder weit nach Süden verrutscht. Im Norden Russlands macht sich milde Luft breit, die großflächig mehr als 10 Grad wärmer ist als im Mittel.

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Auch auf der Zirkumpolarkarte mit dem Nordpol im Mittelpunkt sieht man rechts unten im Bild die große Erwärmung in Teilen Nordrusslands. Nun ist dies zwar nur ein Teil Russlands, der so plötzlich wärmer werden soll, aber der Ablauf zeigt, wie schnell aus der Hochwinterlage mit einem scheinbar massiven Kältehoch eine milde Wetterlage werden kann. Indessen bleibt die extreme Temperaturabweichung im Nordpolargebiet bestehen.

Fazit: Nicht jedes sibirische Kältehoch, das sich früh bildet, hält auch den ganzen Winter durch. Natürlich kann es sich neu bilden oder wieder nach Russland ausweiten. Dies wird sehr wahrscheinlich auch irgendwann wieder passieren im kommenden Winter, von dem wir zumindest auf dem Kalender noch weit entfernt sind. Die Umstellung der Wetterlage in den kommenden Tagen über Nordrussland zeigt, dass man nicht von einem frühen Winter in Russland auf das Wetter im kommenden Winter bei uns schließen kann. Selbst wenn sich ein Kälteblock über Russland ausbildet, heißt dies noch lange nicht, dass er auch angezapft wird und ein Teil zu uns gelangt. Oder der Kälteblock schwächt sich wieder ab wie in diesem Fall. Wenn es also wieder mal in einem Internetforum oder in den Medien heißt „Die Russenpeitsche kommt mit sibirischer Kälte“, dann lehnen Sie sich entspannt zurück und sagen sich „Abwarten, die muss noch einen weiten Weg zurücklegen.“


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2 Kommentare

  1. n.22 17. November 2016
  2. Johannes 18. November 2016

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