
Ausbleibende Westwetterlage sorgt für Niederschlagsdefizit
Nach in großen Teilen Deutschlands viel Niederschlag im Jahr 2023 und 2024, hat sich das Muster der Großwetterlagen seit dem Februar 2025 in Europa umgestellt. Durch eine nur noch seltene Westwetterlage, ist in weiten Landesteilen ein Niederschlagsdefizit zu verzeichnen.
Fangen wir zunächst mit einem kleinen Rückblick auf die Jahre 2023 und 2024 an. Der Zeitraum war von häufigen Tiefdruckwetterlagen geprägt, wenig stabilen Hochdruckgebieten und einer oft ausgeprägten Westwetterlage, die auch typisch für Deutschland ist. In weiten Teilen Deutschlands brachten die Jahre überdurchschnittliche Niederschlagsmengen. Die Karten unten zeigen die Niederschlagssumme 2023 (links) und 2024 (rechts). Besonders viel Regen gab es im Westen und Nordwesten sowie klassisch in West- und Südweststaulagen der Gebirge. Klimatisch bedingt fällt im Osten Deutschlands weniger Regen, aber auch hier war es im Vergleich zum 30jährigen Mittel besonders 2023 fast überall mehr Niederschlag.

In diesem Zeitraum kam es auch zu mehreren, teils markanten Hochwasserereignissen in Deutschland und Mitteleuropa. Um nur einige zu nennen:
- Weihnachtshochwasser 2023/2024 in Deutschland (besonders Niedersachsen)
- Pfingsthochwasser Saarland 2024 (teils auch RP und BW)
- Hochwasser in Süddeutschland Ende Mai/Anfang Juni 2024
- Hochwasser Österreich (Vb-Tief) im September 2024 (teils auch Polen und Tschechien)
Ursache für die niederschlagsreichen Monate war eine starke Tiefdruckanomalie vom Nordatlantik bis nach Mitteleuropa. Ein ausgeprägter Jetstream lenkte immer wieder Tiefdruckgebiete mit feuchter Atlantikluft nach Deutschland. Die Karte unten zeigt die Luftdruckanomalie im Zeitraum Januar bis Juli 2024.

Im Februar 2025 kam es dann zum Bruch des Großwetterlagenmusters der Jahre 2023 und 2024. Es gab einen Übergang zu mehr Hochdruck über dem nördlichen Atlantik und Nordeuropa. Die Karte unten zeigt dazu die Anomalie von Februar bis Mai 2025. Der Jetstream wird dann vom Nordatlantik abgelenkt und bringt weniger Tiefs und entsprechend weniger Feuchtigkeit vom Nordatlantik nach Mitteleuropa. Mit nur ca. 95 mm Niederschlag (rund 48 % weniger als im Mittel 1961–1990) zählte der Frühling 2025 zu den drei trockensten Frühjahren seit 1881. So schnell kann es durch eine ganz andere Großwetterlage ins andere Extrem kippen.

Im Sommer 2025 lebte die atlantische Tiefdrucktätigkeit zumindest vorübergehend wieder auf und brachte im Deutschlandmittel fast durchschnittliche Niederschläge. Damit wurden große Ernteausfälle verhindert und der Regen kam für die Landwirtschaft gerade noch rechtzeitig. Zusätzlich gab es wenige Starkniederschläge und Gewitter, was sich auf die Landwirtschaft ebenfalls positiv auswirkte. Damit gab es aus meteorologischer Sicht aber schon eine Besonderheit: Es war einer der blitzärmsten Sommer seit Aufzeichnungen. Es fehlten die für Deutschland typisch feuchten Südwestwetterlagen, und der oft gewitterreiche Monat Juli brachte eine vergleichsweise kühle Troglage über Mitteleuropa.
Nach einem vor allem im Westen Deutschlands sehr nassen Herbst, kamen die blockierenden Hochdrucklagen zum Winter verstärkt zurück. Der Winter 2025/2026 brachte deutlich unterdurchschnittliche Niederschläge in Deutschland.
In der Summe war das Jahr 2025 in großen Teilen Deutschland ein eher trockenes Jahr. Unten ist neben der Niederschlagssumme (links) die Abweichung vom langjährigen Mittel (rechts) zu sehen. Es fällt dort vor allem auf, dass die klassischen Weststaulagen der Mittelgebirge wenig Regen hatten, was uns wieder die nur seltene Westwetterlage zeigt, ganz anders als 2024.

In Braunlage zeigen sich die Unterschiede sehr deutlich. 2023 und 2024 (rot und grün) brachten deutlich überdurchschnittliche Niederschläge, 2023 gehört sogar zu den nassesten Jahren seit Aufzeichnungen 1931. Ganz anders das Jahr 2025 (rot Grafik unten). Es gehörte zu den trockensten Jahren seit Aufzeichnungen.


Auch wenn der März 2026 vor allem in der Südosthälfte extrem trocken war, ist die Situation aktuell nicht besorgniserregend. Die Bodenfeuchte (0-60 cm) liegt fast verbreitet bei über 70 %, nur speziell in Teilen Ostdeutschlands auch darunter. Der Dürre-Index (rechts) veranschaulicht das Risiko von Trockenstress auf Pflanzen. Hier wird auch die Bodentiefe 0-60 cm betrachtet, also der Bereich, der typischerweise für Gras, Getreide oder auch flach wurzelnde Bäumer und Sträucher relevant ist. Werte <0.1 bedeuten in aller Regel ausreichende Wasserverfügbarkeit.

Ist das alles noch normal?
Was sich auf jeden Fall festhalten lässt: Beim Niederschlag gibt es aus den vergangenen Jahrzehnten keinen klaren Trend für Deutschland. Das ist besonders gut zu sehen, wenn man den Trend bei der Temperatur vergleicht. Unten ist die Anomalie (Abweichung) für den Niederschlag (oben) und die Temperatur (unten) im Deutschlandmittel grafisch aufbereitet (Quelle: Deutscher Wetterdienst). Nasse oder auch sehr nasse Jahre wechseln sich mit trockenen oder auch mal sehr trockenen Jahren ab. Das war schon immer so. Insgesamt lässt sich sagen, dass aufgrund des Klimawandels eine wärmere Welt eine nassere und nicht trockenere Welt sein wird. Die Verteilung könnte sich aber durchaus ändern. So ist in Deutschland in den vergangenen Jahre eine Tendenz zu trockeneren Frühjahren (schlecht für Landwirtschaft) und nasseren Wintern zu beobachten. Bei der Temperatur steht der sich beschleunigende Klimawandel außer Frage. Hier ist ein starker Anstieg der Durchschnittstemperatur zu beobachten.














