2016 zweitstärkstes Tornadojahr in Deutschland

Die Zahl der bestätigten Tornados im Jahr 2016 hat sich weiter erhöht. Bei einer Nachbesprechung der Tornado-Arbeitsgruppe Deutschland (TAD) wurden am vergangenen Wochenende zahlreiche Tornadoverdachtsfälle diskutiert und einige Fälle konnte dabei als bestätigte Tornados eingetragen werden. Damit gehört 2016 zu den aktivsten Tornadojahren in Deutschland, soweit es Aufzeichnungen gibt. Bisher sind in der Tornadoliste Deutschland 62 Tornados bestätigt, dazu kommen 15 plausible Fälle, die mit hoher Wahrscheinlichkeit Tornados waren, und mehr als 380 Verdachtsfälle.

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Tornado in Walldorf am 04.06.2016, aufgenommen von Jürgen Scheuermann – einer der neu beurteilten Fälle

Von Mai bis September 2016 – dies entspricht etwa der Hauptsaison für Tornados in Deutschland – gab es unzählige Meldungen über bestätigte oder mögliche Tornados. Teils wurden verdächtige Schäden gemeldet und sehr häufig ausgeprägte Trichterwolken fotografiert oder gefilmt. Diese enorm hohen Zahlen einerseits mit wochenlangen Unwetterlagen von Ende Mai bis in den Juli hinein zu erklären, andererseits besonders auf neu geschaffene Möglichkeiten, entsprechende Beobachtungen zu melden. Im Frühjahr 2016 entstand bei Facebook die Gruppe UWA Wettermelder, die schnell auf mehr als 40.000 Mitglieder anwuchs. Allein darüber kamen sehr viele Meldungen zusammen.

Von den 62 bisher bestätigten Tornados erreichten drei die Stärke F2 auf der Fujitaskala (Skala reicht von F0 bis F5), dies entspricht Windgeschwindigkeiten zwischen 180 und 250 km/h. Zwei davon traten bei einer Tornadoserie am 04. September auf, die gleich mehrere Tornados in Hessen, Südniedersachsen und Thüringen hervorbrachte. Der kleine Ort Friedebach im Saale-Orla-Kreis wurde von einem starken Tornado gestreift, der ein ganzes Waldgebiet zerstörte. Die Schäden wurden nun vor Ort und aus der Luft untersucht und eindeutig von einem Tornado verursacht. Der dritte F2-Tornado zerstörte am 29. Mai unter anderem das komplette Dachgeschoss eines massiven Wohnhauses im bayerischen Maxhütte-Haidhof. Viele weitere Fälle aus dem vergangenen Jahr sind noch offen und weiteren demnächst noch diskutiert.

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Torsten Stein (Air-Media&Rescue) konnte Luftaufnahmen der Schneise im thüringischen Friedebach machen. Man erkennt deutlich, dass die Bäume auf der rechten Seite der Zugbahn mehr oder weniger in Zugrichtung oder nur leicht nach links gefallen waren. Auf der linken Seite ergibt sich ein eher chaotisches Bild, teilweise sieht man aber auch deutlich ein Fallmuster mit gegen den Uhrzeigersinn („zyklonal“) gefallenen Bäumen. Die Stärke des Tornados lässt sich nur an Hand der Schäden feststellen. Dafür wurde in den 1970er Jahren die Fujitaskala erstellt, sie reicht von F0 (unter 118 km/h) bis F5 (über 420 km/h). Nach ersten Abschätzungen lag der Tornado in Friedebach im oberen Bereich der Stufe F2 (180-250 km/h).

Damit gehört das Tornadojahr 2016 in Deutschland zu den aktivsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Mit insgesamt 77 bestätigten oder plausiblen Tornados wurde die zweithöchste Zahl in einem Jahr erreicht. mehr Tornados wurden nur im Jahr 2006 mit der Rekordzahl von 123 bestätigten oder plausiblen Fällen registriert. Im Mittel der Jahre 2000 bis 2016 lag die Zahl bei 58 Fällen. Die Schäden durch Tornados gehen in jedem Jahr in die Millionen. Die Anzahl ist seit 1999/2000 sprunghaft angestiegen, weil es davor keine Meldestellen für Tornados in Deutschland gab.  Auch die zunehmende, inzwischen nahezu flächendeckende Handyverbreitung ließ die Zahlen ansteigen. Ein klarer Trend ist seitdem aber nicht zu erkennen, die Anzahl der Tornados schwankt stark von Jahr zu Jahr. Ein möglicher Einfluss der Klimaerwärmung ist derzeit nicht absehbar.

Vor allem während der Unwetterlagen im Juni und Juli wurden unzählige Trichterwolken gemeldet. Viele Fälle konnten bisher noch gar nicht erfasst werden, an manchen Tagen kamen 50 bis 100 Meldungen zu mehr als einem Dutzend Fällen zusammen.

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In Erinnerung bleiben auch die Tornados, die Anfang Juni im nördlichen Schleswig-Holstein weithin sichtbar waren und jede Menge Staub aufwirbelten (Foto: Brian Andresen/nordpresse mediendienst am 05.06. bei Schleswig). Zahlreiche Fotos und Videos gingen durch die Medien. Dass die Tornados am 05. und 06. Juli so viel Staub aufwirbelten und dadurch in weitem Umkreis beobachtet wurden, lag unter anderem daran, dass es hier zuvor wochenlang trocken gewesen war. Auch der Tornado am 07. Juni im Osten Hamburgs war weithin sichtbar (Foto: David G.).

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Anders als oft berichtet können Tornados bei uns genauso stark sein wie in den USA. Selbst tonnenschwere Mähdrescher wurden in Brandenburg schon mal durch die Luft gewirbelt. Die meisten Tornados sind dabei schwach, dies gilt aber auch für die USA. Die Tornadoschäden gehen bei uns in jedem Jahr in die Millionen. Die Hauptsaison für Tornados reicht bei uns von Mai bis September, aber auch außerhalb dieser Zeit treten manchmal Tornados auf.

Die Tornado-Arbeitsgruppe Deutschland ist ein privater Verein, in dem sich führende Tornadoexperten zusammengeschlossen haben mit dem Ziel, die Tornadoforschung in Deutschland voranzubringen. Dabei werden auch regelmäßig zurückliegende oder historische Tornadoverdachtsfälle diskutiert. Mitglieder sind neben dem Autor weitere Experten aus Meteorologie, Forst, Baustatik, Mathematik, IT und Medienwissenschaften. Die Arbeitsgruppe existiert seit 2006, die Vereinsgründung erfolgte 2015. Die Tornadoforschung in Deutschland ist noch sehr jung. Dies war mal anders, bis in die 1930er Jahre war Deutschland in dem Gebiet weltweit führend.


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