Woher kommen die Namen für die Hurrikane? Teil 1

Teil 1: Geschichte der Sturmnamen

Immer wieder hören wir in den Nachrichten, dass ein Hurrikan oder Taifun Verwüstungen angerichtet und Opfer gefordert hat. Dabei wird meist auch der Name des jeweiligen Sturms genannt. Woher kommen eigentlich diese Namen? Warum braucht man Namen für tropische Wirbelstürme?

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Das Satellitenbild vom 30. August 2015 zeigt gleich drei Hurrikane, die gleichzeitig auf dem zentralen Nordpazifik rund um Hawaii unterwegs waren. Dies kann schnell zu Verwirrung führen. Um die betroffene Bevölkerung einfach, sicher und schnell warnen zu können, macht es Sinn, jedem Sturm einen Namen zu geben, damit jede/r weiß, dass vor dem Sturm gewarnt wird, der einen selbst betrifft. Einfache, möglichst kurze Namen kann sich jede/r merken, die Kommunikation zwischen den Meteorologen und der Öffentlichkeit klappt wesentlich besser.

Namen von unbeliebten Politikern

Die Namensgebung für tropische Wirbelstürme hat eine lange Tradition. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts begann der australische Meteorologe Clement Wragge, den Stürmen Namen zu geben. Er zog dafür zunächst Frauennamen aus der Südsee und – als der Staat nach einem Regierungswechsel keinen staatlichen Wetterdienst mit ihm als Direktor gründen wollte – Vornamen von Politikern heran, die er nicht mochte bzw. die dem Wetterbüro gegenüber nicht gut gestimmt waren. Letztere Namen nahm er vor allem für Stürme, die im sturmgeplagten Australien großes Unheil anrichteten. Diese Praxis wurde aber nicht von anderen Meteorologen übernommen und schlief ein, als der Wetterdienst, bei dem Clement Wragge arbeitete, geschlossen wurde.

Namensgebung ab den 1940er Jahren

Einen neuen Anlauf nahmen Meteorologen erst in den 1940er Jahren. Im Jahre 1941 erschien die Novelle „Storm“ von George Stewart, in der der Autor außertropische Stürme auf dem Pazifik nach seinen Ex-Freundinnen benannte. Diese Novelle wurde auch von vielen Meteorologen gelesen und bereits 1945 gab es die ersten Namenslisten für Hurrikane, damals noch von der US-Armee. Auch die US-Luftwaffe führte bald Namen ein und 1950 gab der Meteorologe Grady Norton allen Stürmen in seinem Zuständigkeitsbereich Namen aus dem phonetischen Alphabet. Sie hießen also Able, Baker, Charlie etc.; Verwirrung gab es aber, als 1952 ein neues, international gültiges phonetisches Alphabet eingeführt wurde. Daher entschied der amerikanische Wetterdienst, ab 1953 einprägsame Frauennamen zu verwenden, was sich rasch nahezu weltweit durchsetzte. Es dauerte aber noch bis 1978, bis unter dem Druck von Politikern und Frauenrechtlerorganisationen bei den tropischen Wirbelstürmen Gleichberechtigung einzog. Seit 1978/79 werden immer abwechselnd Frauen- und Männernamen verwendet. Lediglich auf dem Nordpazifik kommen auch Namen von Tieren, Blumen, Bäumen oder sogar Lebensmitteln zum Einsatz.

Die Namenslisten werden von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in Genf festgelegt. Vergeben werden sie aktuell von den Wetterdiensten, die für das jeweilige Seegebiet zuständig sind. So gibt das National Hurricane Center (NHC) in Miami/Florida Warnungen vor Stürmen auf dem Atlantik und den Nordostpazifik heraus und benennt daher auch die Stürme in diesem Bereich.

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Namen besonders starker oder verheerender Wirbelstürme bleiben lange Zeit im Gedächtnis der betroffenen Bevölkerung. Noch heute erinnern sich Millionen Menschen an den gewaltigen Hurrikan „Katrina“, der Ende August 2005 weite Teile der Stadt New Orleans unter Wasser setzte. Das Satellitenbild der NRL zeigt den Hurrikan am 28. August 2005 auf dem Golf von Mexiko. Was passiert mit den Namen, wenn ein Sturm so verheerende Auswirkungen hat? Und was wird aus dem Namen, wenn ein Sturm oder Hurrikan aus den Tropen in die gemäßigten Breiten zieht und z.B. unser Wetter beeinflusst? Dazu mehr im zweiten Teil.

Im zweiten Teil wird erklärt, was mit den Namen passiert, wenn ein Hurrikan/Taifun besonders stark war oder wenn der tropische Wirbelsturm sich zu einem außertropischen Sturmtief umwandelt und Wind und Regen zum Beispiel nach Mitteleuropa bringt?

Im dritten Teil werden die Namenslisten vorgestellt und das Prozedere erklärt, wie sie eingesetzt werden. Und was machen die Wetterdienste, wenn die Namen mal ausgehen?

Ein Kommentar

  1. Albrecht 13. November 2015

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