Windkanalisierung im Oberrheingraben

Anwohner der dortigen Region wissen genau, wovon ich spreche. Wir haben derzeit stetigen Ostwind, der auch vergleichsweise stark ist. Doch hinterm Schwarzwald im Oberrheingraben weht der Wind aus einer bis zu 90° gedrehten Richtung. Wie kommt das eigentlich zustande?

An diesem Wind wirken unterschiedliche Kräfte. Normalerweise würde der Wind direkt vom Hoch zum Tief wehen (Druckgradientkaft, weiß). Aufgrund der Erdrotation wirkt die Corioliskraft (blau), die den Wind auf der Nordhalbkugel nach rechts ablenkt. Daher haben wir Hochs, die sich im Uhrzeigersinn (UZS) drehen und Tiefs, die sich entgegen des UZS drehen. Das nördlich von uns gelegene Hoch sorgt also für Ostwind hauptsächlich in Süddeutschland.

HT

Wenn der Ostwind über den Schwarzwald strömt (ungefähr dort wo braun ist), wird er hinter selbigem im Graben des Oberrheins gebremst, weil er auseinander geht. Das ist die gleiche Wirkung, wie bei einer Düse. Nach der Engstelle geht es in die Breite (in unserem Fall Höhe), und die Luft hat wieder mehr „Platz“, sich zu verteilen. Deshalb ist die Windgeschwindigkeit im Oberrheingraben geringer:

obs_2015_09_29_13_00_37_11

 

Diese geringere Windgeschwindigkeit hat zur Folge, dass die Corioliskraft abnimmt, also auch die Ablenkung nach rechts. Die Druckgradientkraft ist größer und somit wird der Wind im Vergleich zu vorher wieder nach links gelenkt in Richtung des tiefen Drucks. Fertig! Es geht als nur um Geschwindigkeiten und entsprechende Kräfte, die geschwindigkeitsabhängig wirken.

Ehrlicherweise muss man hinzufügen, dass die Wirkung im Oberrheingraben so besonders (übertrieben) ist, weil der Wind durch den Graben noch zusätzlich kanalisiert wird und wenig Chance hat, auf dem Weg flussaufwärts nach links oder rechts zu entweichen.

4 Kommentare

  1. Andreas 2. Mai 2016
    • Wettervorhersage 3. Mai 2016
  2. Andreas 2. Mai 2016
  3. Andreas Schifferdecker 7. Juni 2016

Kommentieren