Wetter und Klima auf Fuerteventura

Teil 1: Norden und Mitte

 

Viele Urlauber zieht es jedes Jahr auf die Kanareninsel Fuerteventura, sowohl im Sommer, als auch im Winter, denn hier ist das ganze Jahr durch Saison.

Sonnenschein findet man in jedem Monat reichlich und auch im Winter gibt es badetaugliche Temperaturen.

 

Geprägt wird das Klima auf Fuerteventura durch Passatwinde, das sind Winde, die zu 90% über das Jahr gesehen aus derselben Richtung wehen. Die Windrichtung wird auf Fuerteventura hauptsächlich von Nordwesten, Norden und Nordosten bestimmt.

Grund ist das meist beständige Azorenhoch, wobei an der Ostseite des Hochs meist mit strammer Strömung die Luft nach Süden geführt wird.

Alle Urlauber kennen den stetigen Wind auf Fuerteventura, der manchmal lästig, oft aber als angenehm empfunden wird.

Nicht umsonst reisen auch tausende Kitesurfer jedes Jahr auf diese Insel und genau wegen dem stetigen Wind finden auch jeden Sommer die Surfweltmeisterschaften an der Costa Calma statt. Costa Calma heißt sie übrigens deswegen, weil hier die kleinsten Wellen an den Strand rauschen, nicht weil es hier weniger Wind herrscht. Aber dazu später mehr.

 

Den wenigsten Wind gibt es natürlich im Schutz der Berge, aber es gibt auch eine Besonderheit, die es sonst auf keiner anderen Kanarischen Insel gibt.

Man sagt ja, der Süden jeder Insel ist am windärmsten. Stimmt auch weitestgehend, denn auch rund um Morro Jable auf Fuerteventura schützen die hohen Jandia Berge mit dem Pico de Zarza (knapp über 800 m hoch) vor den strammen Winden aus Norden.

Aber auch ganz im Norden der Insel rund um die Dünenlandschaft, an den Stränden des Flag Beach und in Corralejo gibt es oft weniger Wind, als an anderen Orten Fuerteventuras.

Das liegt hier an der vorgelagerten Insel Lanzarote. Nur 10 km Atlantik liegen zwischen Corralejo und Playa Blanca, daher wirkt das bergige Lanzarote wie eine kleine Schutzmauer. Kommt der Wind aus Nord oder Nordost, so wird der Wind nicht mit voller Kraft auf den Nordosten Fuerteventuras treffen. Meist herrschen bei dieser Windrichtung dann 1 bis 2 Windstärken weniger vor.

 

Es gibt einen weiteren Effekt des „Lanzarote-Föhns“:

Zum einen ist die Luft trockener als im Süden und auch vielfach 2 bis 3 Grad wärmer als im Süden. Das mögen viele nicht glauben, haben wir anhand unserer Wetterstationen im Norden und Süden belegen können. Dies klappt aber nur, wenn der Wind aus Nord oder Nordost weht.

Generell muss gesagt werden, dass die Inselmitte zwischen La Oliva und Antigua auch am wärmsten wird über Tag. Das liegt einfach an der Entfernung zum Meer, da hier eventueller Seewind nicht wirken kann und die Sonne das Lavagestein rasch erwärmen kann.

 

Auch beim Sonnenschein gibt es auf der Insel Unterschiede. Die meisten Wolken (überwiegend Quellwolken im Winterhabjahr) bilden sich ebenfalls über der Inselmitte, viele Wolken werden mit nördlichem Wind auch in der Bucht von Cofete an den Bergen gestaut. Demnach trifft man die wenigsten Sonnenstunden hier an. Wobei „die wenigsten“ immer noch rund 2500 Sonnenstunden im Jahr sind.

Den meisten Sonnenschein gibt es etwa vom südlichen Teil der Costa Calma bis nach Morro Jable hin. Ebenso aber auch ganz im Nordosten der Insel zwischen dem Parque National de Corralejo (Dünenlandschaft) bis hin nach Corralejo und weiter rüber bis fast nach El Cotillo.

Hier wirkt sich auch wieder der Föhn von Lanzarote aus, wo die Wolken „hängen“ bleiben bzw. sich hinter Lanzarote auflösen und vor allem der Nordhälfte oft sonniges Wetter bringt. (Siehe Bild 1 und  Bild 2)

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 Satellitenbild (zoom in/out):

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 Teil 2 — Süden

 

Betrachten wir nun den Süden Fuerteventuras genauer: es zeigen sich hier drastische Unterschiede in Bezug auf Temperatur und Wind zwischen der Costa Calma und der Playa del Matorral (Jandia) sowie Morro Jable. Weht am langen Sandstrand von Jandia meist nur ein leichter oder mäßiger Wind, belegen die Daten der seit März an der Costa Calma neu installierten Wetterstation hohe Windgeschwindigkeiten – zur Freude der Surfer an der Playa de Sotavento. Mit der Hauptwindrichtung aus Nordwest erklärt sich damit auch der Name COSTA CALMA. Hier ist nicht die Windstärke gemeint, sondern die durch den ablandigen Wind meist nur kleinen Wellen in Strandnähe. In diesem Sommer wurden an vielen Tagen Böen um 70 km/h (8 Bft) registriert, die stärksten Böen erreichten 76 km/h (9 Bft). Voraussetzung für dermaßen starke Passat-Winde ist fast immer ein kräftiges Hochdruckgebiet bei den Azoren.

 

Mit dem starken Wind zählt die Region um die Costa Calma auch zu den kühlsten Ecken auf der Insel – nicht nur gefühlt. Vermutet man im Hochsommer große Hitze, so zeigen beispielsweise die Messungen des vergangenen Sommers (Anfang April bis Ende August) nur drei Tage mit mehr als 30 Grad C, teilweise schaffte die Temperatur über Wochen nicht mal die 25-Grad-Marke. Die recht kühle Atlantikluft konnte sich auf dem kurzen Weg zwischen La Pared und der Costa Calma kaum erwärmen, und so manch Urlauber kramte die warme Jacke aus dem Koffer. Schon in Morro Jable oder auch in Richtung Norden zwischen Gran Tarajal, Tuineje und Antigua ist das Fuerteventura-Klima wieder ein ganz anderes. Im Norden der Insel an der Station kurz vor den Dünen im Parque Holandes wurden zwischen dem 1. April und dem 31. August gar 14 Tage mit über 30 Grad gemessen, also 11 Tage mehr als an der Costa Calma.

Das spiegelt sich auch an den Durchschnittstemperaturen wider: An der Costa Calma lag die mittlere Temperatur von Anfang Mai bis Mitte Oktober bei 22,4 Grad, so lag sie im Norden der Insel bei 23,9 Grad und demnach 1,5 Grad höher im Schnitt. Das hört sich nicht viel an, macht sich aber besonders bei den Höchsttemperaturen bemerkbar.

 

Noch einige Daten zu den Tagen mit über 25 Grad an beiden Stationen:

Gezählt haben wir hier die Sommertage mit einer Höchsttemperatur von 25,0 Grad und mehr im Zeitraum vom 15. März 2017  bis zum 15. Oktober 2017 (also einen Zeitraum von 215 Tagen)

 

Costa Calma: 52 Tage mit 25 Grad oder mehr (163 Tage unter 25 Grad)

Parque Holandes: 156 Tage mit 25 Grad oder mehr (59 Tage unter 25 Grad)

 

Ganz klar kann man hier den Unterschied zwischen dem Süden und dem Norden Fuerteventuras erkennen!

 

 

Und um dieses so unterschiedliche Klima auf Fuerteventura noch besser kennenzulernen, braucht es weitere Wetterstationen mit hohen Qualitätsansprüchen. Noch in diesem Winter sind entsprechende Messeinrichtungen in La Pared, in Triquivijate, in Villaverde sowie bei Tefia geplant.

Wer selbst eine Station auf der Insel stehen haben möchte, der kann für relativ wenig Geld eine WIFI Station erwerben und von überall auf der Welt live das Wetter an seinem Standort auf Fuerteventura abfragen.

 

Fuerteventura und Meteorologie aus Leidenschaft

Andreas Neuen (Parque Holandés)

Thomas Globig (Costa Calma)

9 Kommentare

  1. Hans 1. Januar 2018
  2. Hans 1. Januar 2018
  3. Frank 1. Januar 2018
    • Thomas Sävert 2. Januar 2018
  4. Wolfgang 2. Januar 2018
  5. Hans 2. Januar 2018
  6. Hermes 2. Januar 2018
  7. Sab Geisreiter 2. Januar 2018
    • Thomas Sävert 3. Januar 2018

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