Wenn Hurrikane Europa nahe kommen

Ist von Hurrikanen die Rede, denkt man meist an die Karibik oder die USA, wo im Sommer und Herbst 2017 gleich mehrere starke Hurrikane zahlreiche Menschenleben forderten und enorme Schäden anrichteten. Tropenstürme und sogar Hurrikane können sich aber auch auf dem Nordostatlantik bilden und manchmal Europa sehr nahe kommen, obwohl die Wassertemperaturen hier deutlich unter den in den Tropen üblichen Werten liegen. Einige Beispiele sollen hier vorgestellt werden.

In den meisten Veröffentlichungen und Lehrbüchern wird als Untergrenze für die Bildung eines tropischen Wirbelsturms eine Wassertemperatur von 26,5 oder 27 Grad angegeben. Eine solche Grenze gibt es aber genau genommen gar nicht. Denn entscheidend ist nicht die absolute Wassertemperatur, sondern der Temperaturunterschied zur Luft in größeren Höhen. Liegt dort kältere Luft, kann der Temperaturunterschied besonders groß sein, die Schichtung ist sehr labil. Dann kann sich auch bei niedrigeren Wassertemperaturen ein Sturm oder sogar ein Hurrikan bilden. Beispiele dafür gab es in der Vergangenheit einige, darunter der Hurrikan VINCE im Herbst 2005, der abgeschwächt auf den Südwesten Spaniens traf. Dazu werden einige Bilder aus unserem Satellitenbildarchiv vorgestellt.

Hurrikan Alex 2016

Am 14.01.2016 wurde ein ehemals außertropischer Sturm zum tropischen Hurrikan Alex heraufgestuft. Der Luftdruck im Zentrum war auf geschätzte 981 Hektopascal gefallen. Die mittleren Windgeschwindigkeiten reichten in Zentrumsnähe bis etwa 140 km/h mit Böen bis etwa 165 km/h. Das entsprach einem Hurrikan der untersten Kategorie 1 auf der fünfteiligen Hurrikanskala. „Alex“ konnte sich sogar noch etwas verstärken, bevor er mit Böen bis Orkanstärke auf die Azoren traf.

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Hurrikan Alex südlich der Azoren

Hurrikan Gordon 2012

Am 15./16. August 2012 entstand der Tropische Sturm „Gordon“, der sich am 18. August zu einem Hurrikan der Kategorie 2 mit mittleren Windgeschwindigkeiten bis etwa 175 km/h bei einem Kerndruck von geschätzten 969 Hektopascal und am 19. August traf er unter langsamer Abschwächung auf die südlichen Azoren. In den Morgenstunden (Ortszeit) zog er zwischen den Inseln Santa Maria und San Miguel hindurch. Meldungen über größere Schäden auf den Inseln lagen nicht vor. Im weiteren Verlauf löste sich „Gordon“ zwischen den Azoren und Portugal sehr rasch auf.

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Tropensturm Grace 2009

Aus einem ehemaligen außertropischen Tief ging Anfang Oktober 2009 ein kleinräumiges Tief hervor, das immer mehr tropische Eigenschaften annahm. Am 05. Oktober bekam der Sturm den Namen „Grace“. Der Sturm erschien in den Satellitenbildern wie ein sehr kleinräumiger Hurrikan mit einem deutlich sichtbaren Auge und einer „Eyewall“ – dem Ring mit den höchsten Windgeschwindigkeiten – um das Auge herum. „Grace“ zog weiter nach Nordosten und sollte sich über deutlich kälterem Wasser bei zunehmenden Höhenwinden unter Einbeziehung in eine Front weitgehend auflösen. Dennoch zog der kleinräumige, weiterhin eigenständige Wirbel nordostwärts und erreichte im Laufe des 06. Oktober Irland. Seit Beginn der Satellitenbeobachtungen im Jahre 1960 wurde bisher keine Sturm- / Hurrikanbildung so weit im Nordosten des Atlantiks registriert. Offiziell gab es die erste Warnung des National Hurricane Centers, als sich „Grace“ auf einer nördlichen Breite von 41.2 Grad befand. Allerdings dürfte sich „Grace“ bereits etwas weiter südlich gebildet haben. Nördlicher entstanden aber über dem westlichen Atlantik die Stürme „Alberto“ im Jahre 1988 vor der Küste von Cape Cod, Massachusetts auf einer Breite von 41.5 Grad Nord und „Laura“ im Jahre 2008.

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Hurrikan Gordon 2006

Am 11. September 2006 entstand der Tropische Sturm „Gordon“ mitten auf dem Atlantik, nachdem bei einem Aufklärungsflug Windgeschwindigkeiten in Sturmstärke gemessen wurden. Zum 13. September wurde „Gordon“ zum dritten Hurrikan der Saison. Vorübergehend verstärkte sich „Gordon“ erheblich mit mittleren Windgeschwindigkeiten bis etwa 195 km/h und einem Kerndruck von etwa 955 Hektopascal. Dies entspricht der Kategorie 3 auf der Hurrikan-Skala. „Gordon“ drehte unter Abschwächung nach Norden und am 18./19. September nach Osten ein. Dabei konnte sich der Hurrikan in recht nördlicher Position erneut etwas verstärken. Als Hurrikan überquerte er zum 20. September die Azoren. Danach wandelte er sich in ein Sturmtief um, das den Nordwesten der Iberischen Halbinsel mit Böen bis Hurrikanstärke streifte.

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Hurrikan Vince 2005

Der sehr ungewöhnliche Sturm „Vince“ bildete sich im Bereich eines Höhentiefs über etwa 23 Grad warmem Wasser zwischen den Azoren und den Kanaren. Die Konvektion formierte sich um ein Zentrum und bildete am 08./09. Oktober sogar ein Auge aus. Am 09. Oktober wurde das System schließlich zum Tropischen Sturm „Vince“ heraufgestuft. Dabei befand er sich dicht westlich von Madeira, wo Sturmwarnungen ausgegeben wurden und bis zu 3 Meter hohe Wellen auftraten. Noch am selben Tag wurde „Vince“ offiziell zum elften Hurrikan der Saison heraufgestuft. Allerdings beruhte diese Heraufstufung auf Satellitendaten, Messwerte aus dem Hurrikan lagen nicht vor. Der Hurrikan zog nach Nordosten, drehte aber nach Osten ein. Am 10. Oktober schloss sich das Auge und der Hurrikan wurde wieder zu einem Tropischen Sturm herabgestuft. Allerdings hielt sich „Vince“ länger als gedacht, am späten Abend des 10. Oktober meldete das deutsche Schiff „Monteverde“ mittlere Windgeschwindigkeiten von 76 km/h auf der Position 34°42’N 13°42’W – etwa 165 km südwestlich des Sturmzentrums. Der sich abschwächende Sturm zog zum 11. Oktober knapp südlich an Portugal vorbei und erreichte am Vormittag Land im Südwesten Spaniens mit Sturmböen und Regenfällen. „Vince“ war der erste tropische Wirbelsturm, der seit Beginn der Aufzeichnungen nach Spanien zog. Jerez de la Frontera meldete eine Spitzenböe von 81 km/h. Der sich abschwächende Rest von „Vince“ zog ins Landesinnere von Andalusien. In Cordoba fielen am Nachmittag innerhalb von nur 6 Stunden 86 Liter Regen auf den Quadratmeter – mehr als sonst im langjährigen Mittel im gesamten Monat Oktober fällt. Hier und im Bereich Sevilla wurden einige Straßen sowie zahlreiche Keller und Garagen überflutet und die Feuerwehren mussten hunderte Einsätze fahren.

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Tropensturm Delta 2005

Der Tropische Sturm „Delta“ war aus einem außertropischen Tief entstanden und erreichte am 24./25. November 2005 südwestlich der Azoren fast Hurrikanstärke. Dabei zog „Delta“ langsam nach Süden, bevor er unter Abschwächung nach Nordosten eindrehte. Am 27. November konnte sich „Delta“ vorübergehend erneut verstärken, bevor er am folgenden Tag zwischen Madeira und den Kanaren hindurch nach Osten zog. Dabei wandelte er sich wieder in ein außertropisches Tief um. Seine Ausläufer streiften die Kanaren mit schweren Orkanböen und starken Regenfällen. Danach zog er in den Nordwesten Afrikas, wo er sich auflöste. Auf den Kanarischen Inseln und auf dem Ozean kamen zahlreiche Menschen ums Leben. Da die ursprüngliche Namensliste für das Jahr 2005 mit ihren 21 Namen bereits komplett verbraucht war, bekamen weitere Stürme die Namen des griechischen Alphabets. Nach den Stürmen „Alpha“, „Beta“ und „Gamma“ war „Delta“ bereits der 25. Sturm der Saison 2005.

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Ein Kommentar

  1. Daniel Bachmeier 14. Oktober 2017

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