Was ist ein Vb-Tief?

In den Wetterberichten ist manchmal von einem „Vb-Tief“ die Rede, aber was ist das eigentlich? Ausgesprochen wird der Begriff „Fünf-b-Tief“ von der römischen Zahl V. Er geht auf den deutschen Meteorologen Wilhelm Jacob van Bebber zurück. Ein Vb-Tief zieht vom Mittelmeer nach Norden bis Nordosten und kann vor allem im östlichen Mitteleuropa schwere Unwetter hervorrufen.

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Bevorzugte Zugbahnen nach van Bebber

Wilhelm Jacob van Bebber schaute sich die Zugbahnen der Tiefs in den Jahren1876 bis 1880 an und machte daraus 1891 eine Karte mit bevorzugten Zugbahnen. Er deklarierte insgesamt fünf Hauptzugbahnen mit einigen Seitenarmen. Sein System mit den Tiefzugbahnen ist weitgehend in Vergessenheit geraten, nur eine Zugbahn hat bis heute überlebt, das Vb-Tief. Hier erklärt der Kollege Marcus das Vb-Tief auch im Video:

Der Ursprung ist entweder ein Tief, das von Nordwesten her in den zentralen Mittelmeerraum zieht (Zugbahn Va) oder ein über dem Mittelmeer neu entstehendes Tief. Es zieht von hier aus in Richtung Österreich und weiter nach Polen und zum Baltikum oder ins östliche Deutschland (Zugbahn Vb).

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Hochwassermarke in Brandenburg, auch das Oderhochwasser im Juli 1997 ging auf eine Vb-Wetterlage zurück

Die Auswirkungen eines Vb-Tiefs sind sehr vielfältig. An seiner Ostseite lenkt ein Vb-Tief meist sehr milde, im Sommerhalbjahr sehr warme bis heiße Luft nach Südost- und Osteuropa, während es an seiner Westseite kalte Luft ansaugt. Im Übergangsbereich der beiden Luftmassen gleitet die Warmluft auf die bodennahe Kaltluft auf und löst dabei anhaltende und oft sehr ergiebige Niederschläge aus. Diese können im Winter auf der Kalten Seite des Tiefs als Schnee fallen. Die genaue Zugbahn entscheidet dann darüber, wo es schneit und wo Regen fällt, oft liegen die beiden Aggregatzustände nur wenige Kilometer auseinander.

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24stündige Regensummen bis zum 13.08.2002, 8 Uhr MESZ

Vb-Tiefs haben in der Vergangenheit schon häufiger schwere Unwetter ausgelöst. So brachte eine Vb-Wetterlage mit gleich zwei Tiefs auf dieser Zugbahn kräftige Regenfälle vor allem im Bereich von den Alpen bis nach Sachsen. An den Alpen selbst stauten sich die Regenwolken und in Aschau-Stein (Bayern) kamen innerhalb von nur vier Tagen etwa 400 Liter Regen pro Quadratmeter zusammen. Die Folge war ein schweres Hochwasser in Bayern und Sachsen. Auch das Elbhochwasser im August 2002 wurde durch ein Vb-Tief ausgelöst. Damals war in Zinnwald-Georgenfeld innerhalb von nur 24 Stunden die Rekordmenge von 312 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Ein Tief war vom Mittelmeer nach Polen gezogen und an seiner Westseite stauten sich die Niederschläge am Erzgebirge. Die gefallenen Regenmengen von damals kann man jederzeit bei uns im Archiv nachlesen.


 

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