Was ist der Lake Effect? – Wenn die Ostseeküste im Schnee versinkt

Besonders in den Wintermonaten kann es zu einem sogenannten Lake Effect oder auch Lake Effect Snow im Bereich der Ostsee kommen. Etwa von Mitte November bis in den März ist an der Ostseeküste bei bestimmter Wetterlage „Saison“ für den Lake Effect. Der Begriff stammt eigentlich aus den USA und kommt dort von heftigen Schneefällen, die an den großen Seen („Great Lakes“) ausgelöst werden. Die Ursache ist bei uns an der Ostsee ähnlich, so dass hier der gleiche Begriff verwendet wird.

Ausgangslage ist eine nordöstliche bis östliche Strömung, mit der kalte Luft über die vergleichsweise warme Ostsee weht. Hinzu kommen meistens auch größere vertikale Temperaturunterschiede, mit sehr kalter Luft in der Höhe. Die kalte Luftmasse nimmt über der Ostsee Feuchte auf und es bilden sich kräftige Schauer, manchmal auch Gewitter. Diese gehen dann besonders an der direkten Küste als teils kräftige und selten gewittrige Schneeschauer nieder.

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Die große Besonderheit ist, dass sich die Schauer in eng begrenzten Linien anordnen. Das macht zum einen eine genaue, lokale Prognose der Schneehöhen sehr schwierig. Zum anderen kommen örtlich für dortige Verhältnisse sehr große Neuschneemengen in kurzer Zeit zusammen. Sie müssen sich vorstellen, dass es innerhalb der Schneeschauerlinie stundenlang kräftig schneit, aber wenige Kilometer weiter kaum eine Flocke vom Himmel fällt. Je weiter die Schauer ins Binnenland ziehen, desto schwächer werden sie meist. Hinzu kommen durch starken Nordost- bis Ostwind nicht selten erhebliche Schneeverwehungen, die durchaus über 1 Meter Höhe erreichen können. Das folgende Beispiel zeigt zwei Schneeschauerlinien mit blauen Pfeilen, dazwischen kann es nur einzelne Flocken geben oder auch trocken bleiben.
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In den vergangenen Jahren waren immer mal wieder besonders Rügen und Hiddensee sowie die Gebiete um die Lübecker Bucht betroffen. Je nach genauer Anströmung, können aber generell alle Gebiete an der Ostsee vom Lake Effect betroffen sein.

Ende November 2010 fielen durch den Lake Effect in Teilen von Ostholstein und teils auch im Kreis Segeberg erhebliche Neuschneemengen in kurzer Zeit. Ursache war sicher auch der recht frühe Einbruch von sehr kalter Luft aus Osten, so dass die Ostsee noch vergleichsweise warm war. Es kamen hier eng begrenzt 30 bis 50 cm Neuschnee zusammen, örtlich und vor allem durch Verwehungen auch mehr. Das öffentliche Leben kam teilweise zum Erliegen, Schulen wurden geschlossen. Anfang Dezember lag der Schnee gebietsweise bis zu 65 Zentimeter hoch.

Lake-Effect im Januar 1987

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Anfang Januar lagen die Wassertemperaturen der Ostsee nach einem sehr milden Dezember mit rund 5 Grad noch recht hoch. Als dann sehr kalte Luft aus Nordosteuropa über die noch recht warme Ostsee strömte, bildeten sich häufig kräftige Schneeschauer, die vor allem in der Zeit vom 10. bis 12. Januar bis weit ins Binnenland zogen und hier besonders in einem schmalen Streifen von Nordwestmecklenburg bis zum Südosten Hamburgs und zum nördlichen Niedersachsen enorme Schneemengen brachten. Wie die Karte mit den Schneehöhen am 13. Januar 1987 in Schleswig-Holstein zeigt, war das Kreis Herzogtum Lauenburg im Südosten Schleswig-Holsteins besonders schlimm betroffen, zeitweise brach der Verkehr zusammen. Schneehöhen bis zu einem Meter Höhe wurden gemeldet. Für Details einfach in die Landkreise klicken und auf die Stationen gehen.

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Die Schneehöhen am 13. Januar 1987 in Mecklenburg-Vorpommern, auch hier lag vielerorts mehr als ein halber Meter Schnee – und das im Flachland. Um 70 Zentimeter waren es gebietsweise auf den Inseln Rügen und Usedom.



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3 Kommentare

  1. Roger 8. Februar 2017
  2. Odi 27. Februar 2018
    • Fabian 27. Februar 2018

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