Warum im Bergland mehr Niederschlag fällt, als im Flachland

Vielen Wetterinteressierten ist aufgefallen, dass es im Bergland öfter und mehr regnet, als im Flachland. Warum ist das so?

Nun, eine potentielle Regenwolke ist in der Regel eine recht tiefe Wolke mit einem hohen Flüssigwassergehalt. Damit sich die Wolke abregnet, braucht es nur noch einen kleinen Anstoß. Dies kann beispielsweise noch mehr Verdunstung vom Boden (Wasserdampf) sein, den die Wolke aufnimmt und damit größer wird oder abregnet. Es reicht aber auch, wenn die Wolke angehoben wird. Dazu wiederum ist eine weitere Voraussetzung, dass die Luft über der Wolke noch kälter und feuchter ist.

Es gibt Situationen, da ist das nicht so! Jeder, der schon mal mit dem Flugzeug über den Wolken unterwegs war, hat gewisse „Sperrschichten“ registriert: Es gab einfach ein Wolkenmeer unter dem Flugzeug, aber die Wolken sind nicht weiter aufgestiegen und hatten eine klare Obergrenze. Grund dafür könnte eine Inversion sein (höhere Temperatur über den Wolken) oder (meist im Zusammenhang damit) trockenere Luft.

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An Bergen sprechen wir Meteorologen von “erzwungener Hebung“. Zieht also eine tiefe Wolke auf ein Gebirge zu und hatte sie bisher keine Lust, sich abzuregnen, wird sie jetzt dazu gezwungen, immerhin will sie ja die Berge überqueren. Die Wolke wird also in höhere Luftschichten angehoben. Folglich gelangt sie (in der Regel) in kältere Luft. Als physikalischer Fakt gilt: kalte Luft kann weniger Feuchtigkeit (unsichtbar!) aufnehmen, als warme Luft. In kalter Luft kondensiert der unsichtbare Wasserdampf aus und wird als mini mini winzige Tröpfchen sichtbar – deshalb ist Nebel sichtbar, deshalb ist unser Atem im Winter sichtbar, deshalb dampfen manche weniger behaarten Köpfe an kalten Wintertagen (im Übrigen gibt der menschliche Körper über den Kopf am meisten Wärme ab, deshalb ist eine Mütze im Winter die halbe Miete, aber das nur am Rande).

Die Wolke ist also in kälterer Luft angekommen, ihr Wasserdampf kondensiert noch mehr aus (wird sichtbar), gewinnt also noch mehr an Flüssigwassergehalt, und irgendwann ist eben das Ende der Fahnenstange erreicht. Das Wasser ist zu schwer, um von der Wolke gehalten zu werden – es regnet. Der Regen ist das „Opfer“, welches die Wolke bringen muss, um den Berg überqueren zu dürfen, wenn sie vorher schon reichlich Wasser beinhaltet hat. Eigentlich clever von den Bergen. Als Tribut fordern sie Regen, dann darf die Wolke passieren. 😉 Blöd nur, dass die Wolke bei ausreichend hohen Gebirgszügen hinter dem Berg meist stirbt, da die Luft dahinter meist wieder absinkt, sich erwärmt und Wolken sich auflösen – dieser Effekt gehört zum Föhn.

 

Bilder (c) Horst Ender, naturfotografen-forum.de & Michael Kirste Fotografie, mkirste.de

7 Kommentare

  1. tobias 4. Juni 2015
    • Marcus 4. Juni 2015
  2. Andreas Derichs 4. Juni 2015
  3. Friedhelm 5. August 2016
  4. Asxxsaaa 7. September 2017
  5. Fiona B. 17. September 2017

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