Warmluftvorstoß – 0 Grad am Nordpol

Das klingt auf den ersten Blick sehr ungewöhnlich, geradezu extrem: Am Donnerstag kann die Temperatur am Nordpol auf Werte um oder sogar leicht über den Gefrierpunkt ansteigen. Man braucht aber nur knapp ein Jahr zurückzuschauen, um festzustellen, dass solche Warmluftvorstöße bis an den Nordpol gar nicht so selten sind. Dies ändert natürlich nichts an dem beunruhigenden Eisrückgang in der Arktis, der aktuelle Warmluftvorstoß hat damit aber wenig zu tun.

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Bereits am Dienstag lenkte ein kräftiger Sturmwirbel mit Zentrum bei Island sehr milde Luft weit nach Norden. Sie erreicht am Mittwoch das Nordpolarmeer und am Donnerstag die Region um den Nordpol.

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Die Karte aus dem globalen US-Modell mit den erwarteten Temperaturen rund um den Nordpol am Donnerstagmittag zeigt eine Warmluftzunge , die an Spitzbergen vorbei bis weit zum Nordpolarmeer reicht. Hier werden Temperaturen um den Gefrierpunkt erreicht.

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Die Karte aus dem globalen US-Modell mit der Temperaturabweichung vom Mittel der Jahre 1981 bis 2010 zeigt, dass die Region rund um den Nordpol bis zu 20 Grad wärmer ist als sonst. Schon längere Zeit ist hier eine enorme Abweichung zu finden. Mit dem aktuellen Warmluftvorstoß ist diese besonders groß.

Und bevor es wieder Chaos gibt: In einigen Meldungen heißt es, der Nordpol würde 50 Grad wärmer sein als normal zu dieser Zeit. Hier spielen einem gern die verschiedenen Einheiten einen Streich. Denn es sind 50 Grad Fahrenheit gemeint, in europäischen Einheiten umgerechnet ergeben sich „nur“ 20 bis 25 Grad Abweichung zum langjährigen Mittel.

Die Frage ist nun, ob dieser Vorgang außergewöhnlich und einmalig ist oder ob solche Warmluftvorstöße zum Nordpol häufiger vorkommen. Erst vor ziemlich genau einem Jahr bot sich folgendes Bild mit einem Orkantief bei Island:

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Wie sich die Bilder doch gleichen – auch damals lenkte das Orkantief milde Luft bis in die Nordpolarregion, wo die Temperaturen vorübergehend auf 0 bis +2 Grad anstiegen (Unser Beitrag damals: Über den Island-Orkan und Nordpolwärme). Schon damals titelten einige Medien, dass nun das Eis in der Region schmelzen würde. Das macht es zwar auch immer mehr von Jahr zu Jahr, aber nicht durch einen solchen Warmluftvorstoß, der nach ein bis zwei Tagen wieder Geschichte ist. Schauen wir in den Modellkarten einfach mal zwei Tage weiter, man kann im Menu die Karten für viele verschiedene Parameter Stunde für Stunde und Tag für Tag durchschauen.

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Die Warmluftzunge verwindet immer mehr, viel ist am Samstag (24.12.) nicht mehr davon übrig. Natürlich gibt es einen Klimawandel und das Eis in der Arktis wird immer weniger, aber das hat nichts mit einem solchen Sturmtief zu tun. Die Troposphäre ist in Bewegung, das Wetter meist wechselhaft. Es gibt Warmluftvorstöße bis weit in den Norden, ebenso Kaltfronten, die bis in die Tropen vorankommen.


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