Verschiedene Glättearten – Erklärungen und Infos

Die Vorhersage von Straßenglätte ist in den Wintermonaten immer eine große Herausforderung für uns Meteorologen, da es von vielen Faktoren abhängt, ob es zu Glätte kommt. Zudem ist Glätte nicht gleich Glätte. Im folgenden Artikel will ich Ihnen die verschiedenen Glättearten genauer erläutern und zu diesen einige Hintergrundinfos geben.

Wir unterschieden zwischen
– Reifglätte
– Glätte durch gefrierende Nässe
– Schneeglätte
– Glatteis duch gefrierenden Regen.

Allgemein bekannt ist auch der Begriff „Blitzeis“. Er ist meteorologisch gesehen keine Glätteart und wird von Medien allgemein verwendet, wenn Glätte auftritt. In der Regel wird er für Glätte durch gefrierende Nässe und Glatteis durch gefrierenden Regen verwendet. Ich distanziere mich von diesem Begriff.

Brücke1Sonderfall Brücken:

Brücken sind generell deutlich anfälliger für Glätte. Aus dem einfachen Grund, dass sie viel schneller auskühlen und der Straßenbelag deutlich schneller negative Temperaturen erreicht. Während bei Straßen noch Wärme aus dem Boden nachkommt, sind Brücken unterhalb auch von der Luft umgeben, so dass sie schneller abkühlen.

 

 

Reifglätte

Reifglätte tritt auf, wenn sich auf Straßen und Wegen bei Belagstemperturen unter 0 Grad Tau absetzt und gefriert. Dies geschieht, wenn sich Straßenbeläge unter den Taupunkt abkühlen (Was ist der Taupunkt) und der Wasserdampf aus der Luft damit an diesen auskondensiert. Reifglätte zeigt sich durch einen weißen Belag auf den Straßen und tritt bevorzugt auf Brücken auf. Meist ist dies die erste Glätte im Spätherbst oder Frühwinter und tritt nur sehr selten verbreitet auf. Oft sind nur kleine Straßenabschnitte oder einzelne Brücken betroffen, was sehr tückisch sein kann. Reifglätte tritt bis auf wenige Ausnahmen nur bei klarem Himmel und nachts auf. Also wenn sich über mehrere Stunden nachts die Sterne zeigen, die Luft nicht zu trocken ist und schwacher Wind herrscht.

Als erstes bildet sich Reif meist auf Autos, da sich diese in klaren Nächten schneller abkühlen, als Straßen und Wege. Wenn sie also morgens die Autoscheiben frei kratzen müssen, ist es ein erstes Warnsignal, dass es stellenweise Reifglätte auf den Straßen gibt. Allerdings sind nach sehr milden Tagen sowie in den Übergangsjahreszeiten (Herbst und Frühling) öfter die Straßenbeläge zu warm für Glätte.

reif1     In Ausnahmefällen kann Reifglätte auch in dichten  Nebelgebieten auftreten, bevorzugt in höheren Lagen der Mittelgebirge. Wenn die Straßen nach Dauerfrost schon kalt genug sind, kann sich der Nebel als Reif auf den Straßen niederschlagen.

Glätte durch gefrierende Nässe

Glätte durch gefrierende Nässe tritt auf, wenn Straßen und Wege nach Sonnenuntergang noch nass sind und sich die Belagstemperaturen so stark abkühlen, dass die restliche Nässe zu Eis gefriert. Wie bei Reifglätte braucht es bis auf wenige Ausnahmen auch hier einen klaren Himmel, um die Straßenbeläge ausreichend abzukühlen. Wolken verhindern dagegen ein starkes Auskühlen. Zudem darf nur wenig bis kein Wind vorhanden sein. Durch ausreichend Wind werden die Straßen nämlich zu schnell trocken.

Der klassische Fall ist, wenn es tagsüber geregnet hat. Am besten bis in den Abend hinein. Wenn dann nach Sonnenuntergang der Himmel in polarer Kaltluft verbreitet aufklart, kühlen Straßen und Wege rasch ab und die Nässe gefriert. Auch hier sind Brücken bevorzugt betroffen. Achtung: die Lufttemperatur kann an ihrem Autothermometer noch deutlich im Plus sein (~1-3 Grad), während der Straßenbelag schon frostig und glatt ist. Selbstverständlich kommt es auch hier auf die Vorgeschichte an. Waren zum Beispiel die Tage zuvor sehr mild bis warm, können die Straßenbeläge oft nicht ausreichend abkühlen.

In sehr selten Fällen kann Nässe auch bei bedecktem Himmel gefrieren. Es kann vorkommen, dass nach Schneefall oder Regen am Tage abends und nachts sehr kalte und deutlich frostige Luft (meist aus Osten) heranweht. Sind die Straßen schon aus den Tagen zuvor sehr kalt, kann restliche Nässe oder Schneematsch auch bei bedecktem Himmel gefrieren.

Schneeglätte

Zu Glätte durch Schnee kommt es (Sie hätten es kaum vermutet), wenn Schnee fällt und die Straßen kalt genug sind, sodass sich auf ihnen eine Schneedecke ausbildet. Sind die Straßenbeläge dagegen zu warm, kann es stundenlang schneien ohne Glättegefahr.

Das ist für uns Meteorologen nicht selten eine große Herausforderung, denn es stellt sich oft dieschnee3 Frage, ob der Schnee wirklich auf den Straßen liegen bleibt. Dies ist nämlich nicht nur von der Belagstemperatur vor dem Schneefall abhängig, sondern auch von der Intensität des Schneefalls.

Die einfachste Situation ist, wenn im Hochwinter Schneefall einsetzt und es zuvor schon viele Tage Dauerfrost gab. Die Straßen sind dann definitiv gefroren und der Schnee bleibt liegen. Sind die Straßen nicht gefroren, es schneit aber sehr stark und über längere Zeit, kühlt der Straßenbelag durch den zunächst tauenden Schnee immer weiter ab und irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem der Schnee liegen bleibt. Fahren Autos den Schnee dann platt, können sich sogar dicke Vereisungen aus dem Schneematsch auf den Straßen bilden.

schnee1Oft führen nasse und sehr starke Schneefälle bei Temperaturen um 0 Grad zum berüchtigten Schneechaos in den Städten und Ballungsräumen. Schneit es bei tief frostigen Temperaturen stundenlang nur leicht, ist die Situation oft deutlich entspannter. Hier weht der trockene Schnee dann teilweise sogar über die gefrorenen Straßen und fährt sich nicht so schnell platt. Selbstverständlich kommen bei leichter Intensität auch Winterdienste besser dem Schneefall hinterher.

Glatteis durch gefrierenden Regen

Fällt Regen auf gefrorene Straßen und Wege, sprechen wir von Glatteis durch gefrierenden Regen. Wie Sie sicher selbst schon einmal erlebt haben, kann es selbst bei frostigen Temperaturen zu Regen kommen. Dazu ein kurzer Einschub, wie das überhaupt möglich ist:

Glatteis Herrscht in bodennahen Schichten der Atmosphäre Frost, kann sich in der Höhe manchmal deutlich wärmere Luft über die frotige Kaltluft schieben. Ihr Thermometer zeigt dann z. B. -2 Grad, in etwa 1000 bis 1500 Meter Höhe sind es aber +4 Grad. Fällt dann Niederschlag, wird er in der wärmeren Luftschicht zu Regen, der am Boden auf Straßen und Gegenständen, wie z. B. Autos sofort zu Eis gefriert.

eisregen

Diese Glätteart sorgt nicht selten für absoluten Stillstand auf den Straßen, weil sich eine nicht mehr befahrbare, spiegelglatte Eisschicht ausbildet. Diese kann mehrere Millimeter dick sein, in Ausnahemfällen auch deutlich über 1 Zentimter. Selbst Räumfahrzeuge kommen dann nur noch schwer voran.

Zudem können im Extremfall durch die Eislast Äste abbrechen und sogar Bäume umstürzen. Auch Stromleitungen können durch die Eislast ihr Gewicht vervielfachen und selbst die Masten zum Einsturz bringen.

Kommen Sie gut und unfallfrei durch den Winter!


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