Und jedes Jahr grüßt die „Prognose“ vom Jahrhundertwinter

Man kann fast die Uhr nach stellen, denn pünktlich im September tauchen in diversen Medien die ersten „Winterprognosen“ auf. So natürlich auch in diesem September 2017, wie es schon 2016, 2015 und meist in den Vorjahren der Fall war. Selbstverständlich wird dabei niemals ein durchschnittlicher oder meinetwegen auch normaler, mitteleuropäischer Winter angekündigt – nein, es ist fast immer ein „Schneewinter“, „Eiswinter“ oder auch (wie in diesem Jahr mal wieder) ein „Jahrhundertwinter“, der uns angeblich bevorsteht.

Die Quellen sind meist sehr verwirrend, so soll es in diesem Jahr nach einigen Berichten laut „britischen Klimaexperten“ einen Jahrhundertwinter geben. Es konnte bisher nicht herausgefunden werden, welche Experten das sein sollen.

Winterprognosen sind und bleiben Blödsinn

Auch wenn immer wieder versucht wird das Wetter oder den Witterungsverlauf von Monaten oder  Jahreszeiten vorherzusagen, scheitern diesen „Prognosen“ meist kläglich. Nicht selten trifft sogar genau das Gegenteil der Vorhersage ein. So ist es allein aufgrund der Klimaerwärmung und den doch oft milden Wintern der vergangenen Jahre eher wahrscheinlich, dass der Winter ein milder Geselle wird als dass er deutlich zu kalt wird. Gerne wird auch versucht Vergleiche aus vergangenen Jahren zu ziehen. Beispielsweise „War der Oktober im Jahre xy zu warm, folgte in diesem Jahr auf ihn ein eisiger Winter. All diese lustigen Beziehungen sind völliger Humbug. Das Wetter wiederholt sich nicht und erinnert sich erst recht nicht an zurückliegende Jahre.

Fakt ist und bleibt: Es kann kein Mensch und kein Computer das Wetter Monate im voraus berechnen und erst recht nicht im September den Verlauf des Winters. Uns erreichen natürlich aufgrund der blödsinnigen Prognosen fast täglich Anfragen, was denn dran wäre und ob jetzt wirklich ein Jahrhundertwinter kommt. Merken Sie sich: Es weiß niemand wie der Winter wird.

Grundlage öfter CFS der NOAA

Die Nationale Ozean- und Atmosphärenbehörde (NOAA – Wetterbehörde USA) veröffentlicht schon seit vielen Jahren regelmäßig Karten mit den berechneten Abweichungen vom Klimamittel für die kommenden Monate. Auch auf Grundlage dieser Karten haben wir schon Monatsvorhersagen oder Jahreszeitenvorhersagen in diversen deutschen Medien gehabt. Man muss nur wissen, dass es sich hier selbstverständlich um experimentelle Prognosen von Wissenschaftlern handelt und es nicht selten auch ganz anders kommt, als auf diesen Karten berechnet. In den USA wird eben von der NOAA alles veröffentlicht und jedem im Internet frei zugänglich angeboten.

Wir sehen unten die aktuelle Prognose für Europa für den Januar 2018, dargestellt ist die Abweichung der Temperatur vom Klimamittel (langjähriges Mittel). Unschwer zu erkennen ist, dass der Januar in weiten Teilen Europas 1 bis 2 Kelvin (=Grad) „zu warm“ ausfallen soll. Nun ist das die berechnete Abweichung für den ganzen Monat Januar und selbst wenn die Prognose eintreffen sollte, kann es trotzdem Schnee und Frost geben. Beispiel: Die ersten 10 Tage im Januar gibt es Schnee und Dauerfrost bis ins Tiefland in Deutschland – die weiteren 20 Tage bricht dann eine sehr milde Südwestströmung durch. Dann könnte der Gesamtmonat, trotz den ersten eisigen 10 Tage noch 1 bis 2 Grad zu warm werden.

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Von der Großwetterlage abhängig

Ob wir im Winter eisige Wochen mit strengem Frost und viel Schnee bekommen oder mildes und sehr windiges Wetter, ist einzig und allein von den sich einstellen Großwetterlagen abhängig. Ich frage mich jedes mal, wie angenommen werden kann, dass diese Großwetterlagen schon Monate im voraus vorhergesagt werden können. So ist es doch oft schon für die kommenden 10 bis 15 Tage völlig offen, wie sich die Großwetterlage in Europa in zwei Wochen präsentieren wird. Lustig ist auch immer das Märchen von der für kalte Wetterlagen in Deutschland vorteilhaften Schneedecke in Russland/Sibirien. Es kann dort noch so eisig und verschneit sein, wenn die Kälte dort nicht durch eine Nordostwetterlage bei uns abgezapft wird, spielt das überhaupt keine Rolle. Wo wir wieder bei der entscheidenden Großwetterlage angekommen wären.

Unten sehen Sie als Beispiel die klassische Ost-Nordostlage, die uns eisiges Wetter im Winter bringen würde. Mehr zu Großwetterlagen im Winter und was sie bedeuten, können Sie in diesem Beitrag hier nachlesen.

Ost

 

Ein gutes Beispiel, an das ich mich immer gerne erinnere, ist der Verlauf des Winters 2010/2011. Viele werden sich an den eisigen und bis in tiefe Lagen sehr schneereichen Dezember 2010 erinnern. Bis Weihnachten lag ganz Deutschland unter einer geschlossenen Schneedecke. Vom Niederrhein bis Berlin und vom Bodensee bis nach Helgoland war es am 25.12.2010 durchgehend weiß. Unten die Schneehöhen von damals aus unserem großen Archiv.

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Ich erinnere mich noch gut, dass sich erst 7 bis maximal 10 Tage vorher abzeichnete, dass „etwas im Busch“ sein könnte und sich die Großwetterlage wohl günstig für kaltes und schneereiches Wetter einstellen könnte. Im Oktober oder gar im September konnte das bei weitem noch niemand ahnen, geschweige denn vorhersagen. Im Verlauf des Rekord-Dezembers 2010 wollten die Wettermodelle immer wieder eine Milderung durchgreifen lassen und die eisige Wetterlage beenden. Will heißen, selbst der schneereiche und kalte Verlauf war ständig ungewiss und oft nur wenige Tage vorher kristallisierte sich doch wieder eine Fortsetzung der kalten Wetterlage heraus.

Ebenso kamen dann natürlich stimmen auf „was dann erst der Januar und der Februar wohl bringen mögen?“, wenn der Dezember doch schon so eisig und schneereich ist. Spätestens jetzt gingen einige von einem Jahrhundertwinter aus. Es kam natürlich anders: Im Januar und im Februar gab es zwar auch noch winterliche Phasen, aber spektakulär kalt und schneereich waren sie nicht mehr. Wer hätte das gedacht?

Jahrhundertwinter kaum möglich

Abschließend wollen wir noch kurz schauen, wie denn ein Winter bei uns ausfallen müsste, wenn es ein echter „Jahrhundertwinter“ werden soll. Der Winter 1962/1963 war einer der kältesten Winter des 20. Jahrhunderts mit einer Abweichung von bis zu -6 Grad. Also 6 Grad kälter als im langjährigen Mittel! Nur mit man sich das mal vorstellen kann: Der Winter 2009/2010 hatte in Deutschland eine Abweichung von etwa -1,4 Grad, der Winter 2010/2011 etwa -0,7 Grad. Es sollte langsam dämmern, was ein Winter wie 1962/1963 bedeutet, sollten Sie ihn nicht selbst erlebt haben. Allein aufgrund der allgemeinen Erwärmung in den vergangenen Jahren, erscheint ein derartig kalter Winter doch sehr schwer erreichbar. Bewusst schließe ich es natürlich nicht zu 100% aus, da eben niemand weiß, ob sich nicht doch eine festgefahrene, extrem winterliche Großwetterlage einstellt.

Sie können sich im großen Archiv mal durch die Tageshöchstwerte, die Tagestiefstwerte oder auch durch die täglich gemessene Schneedecke des Winters 62/63 klicken, um eine Vorstellung von dem Winter zu bekommen oder Erinnerungen wach werden zu lassen, wenn Sie ihn selbst erlebt haben damals.

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3 Kommentare

  1. Kofelheini 26. September 2017
  2. Hans 27. September 2017
  3. Sabine 27. September 2017

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