Tornado vom Freitag bestätigt

Am vergangenen Freitag zog ein Randtief von Island kommend unter Verstärkung zu einem Sturmtief nach Südskandinavien. Die zugehörige Kaltfront überquerte am späten Freitagnachmittag und am Abend den Nordosten Deutschlands mit teils stürmischen Windböen. Beim Durchzug der Front trat in Barenthin im Nordwesten Brandenburgs ein Tornado auf, der erhebliche Schäden anrichtete. Verletzte gab es glücklicherweise nicht. Erste Verdachtsmomente erhärteten sich nun und durch eine Vor-Ort-Untersuchung der Tornado-Arbeitsgruppe Deutschland konnte der Tornado an Hand der Schäden bestätigt werden.

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Die stärksten Böen am Freitag, den 10. November, in Deutschland. In Kyritz, nur rund 10 Kilometer östlich des Schadenortes in Barenthin im Nordwesten Brandenburgs, wurde eine Böe von 67 km/h gemessen.

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Das Radarbild vom 10. November, 16:40 Uhr zeigt den Durchgang der Front im brandenburgischen Landkreis Prignitz. Der Ort Barenthin  liegt westlich von Kyritz am Vorderrand des Niederschlagsgebietes.

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Quelle der Schadenanalyse: Thilo Kühne (Tornado-Arbeitsgruppe Deutschland / ESSL)

In Barenthin traten beim Durchgang der Kaltfront erhebliche Schäden an Gebäuden sowie an Bäumen und Büschen auf. Fotos der Schäden sind hier zu finden. Am Südrand des Ortes erstreckte sich eine etwa 1,2 Kilometer lange und meist etwa 40 Meter breite Schneise mit einigen Schäden. Zwei Gebäude stürzten komplett ein, die Bausubstanz erwies sich allerdings als altersschwach. An mehreren anderen Gebäuden wurden die Dächer meist leicht beschädigt und einige Bäume und Äste brachen ab. Da keine Fotos oder Videos während des durchziehenden Unwetters vorliegen, nahm Thilo Kühne (Tornado-Arbeitsgruppe Deutschland / ESSL) die Untersuchung der Schäden auf. Ganze Dachteile wurden Hunderte Meter weit durch die Gegend gewirbelt. Dies spricht deutlich für einen Tornado als Ursache der Schäden, ebenso die lange, schmale Schneise. Dazu passen die Beschreibungen der Anwohner. Der Tornado wird damit als bestätigter Fall in die Tornadoliste Deutschland eingetragen. Die Stärke liegt im oberen F1-Bereich der Tornadoskala, die Windgeschwindigkeiten dürften bei 150 bis 180 km/h gelegen haben.

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Quelle: Thilo Kühne (Tornado-Arbeitsgruppe Deutschland / ESSL)

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Quelle: Thilo Kühne (Tornado-Arbeitsgruppe Deutschland / ESSL)

Die Fotos zeigen die beiden eingestürzten Gebäude am westlichen Ende und am Südrand des Ortes Barenthin in der Prignitz.

Insgesamt sind in diesem Jahr bisher 20 bestätigte Tornados bekannt. Dazu kommen allerdings noch drei plausible Fälle und mehr als 150 Verdachtsfälle, die noch untersucht werden. Die Zahl der bestätigten Tornados dürfte damit noch ansteigen. Im vergangenen Jahr sahen die Zahlen ganz anders aus mit bisher 62 bestätigten Tornados, dazu 15 plausible Fälle und fast 400 Verdachtsfälle, darunter unzählige Trichterwolken, die über die sozialen Netzwerke gemeldet wurden. Im langjährigen Mittel wurde seit der Jahrtausendwende 30 bis 60 Tornados registriert mit einer gewissen Dunkelziffer. In jedem Jahr treten in Deutschland durch Tornados Schäden in Millionenhöhe auf. Dabei können Tornados bei uns in Mitteleuropa genauso stark sein wie in den USA.

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Das Foto wurde am 13. Mai 2017 von Jürgen Zerrahn auf dem Gelände des Modellflug-Clubs Herzogenaurach e.V. in der Nähe von Erlangen in Bayern aufgenommen. Es zeigt eine weit hinab reichende Trichterwolke (englisch Funnelcloud) und darunter am Boden eine Staubwolke. Augenzeugen berichten über einen deutlich ausgeprägten Wirbel am Boden. Damit ist der Wirbel von der Wolke bis zum Boden nachgewiesen, es handelt sich um einen bestätigten Tornado, der nicht durchgehend sichtbar sein muss.


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