Sonnendefizit – ja oder nein?

Wir Meteorologen werden immer wieder mit Fragen konfrontiert, wie: Wann gibt es wieder Sonnenschein? Es war noch nie so trüb und grau wie in diesem Herbst?

Wir haben eine Recherche gemacht – und die Monate November und Dezember angeschaut, was an diesen Aussagen dran ist: Vorweg: Es gibt Regionen in Deutschland, da stimmen diese Aussagen sehr wohl. Speziell in NRW war es in diesem Dezember ausgesprochen wolkenverhangen und wenig sonnig. Teilweise haben wir (bis zum 20. Dezember) in Lüdenscheid, in Lennestadt-Theten oder in Aachen-Orsbach nicht einmal 2 Stunden! Sonnenschein im gesamten Monat zustande gebracht. Daran wird sich auch in den nächsten Tagen über Weihnachten nicht viel ändern – hier über das Menü ihren Wunschort eingeben.

Betrachten wir den November – den gesamten Monat, so sehen wir, dass es ebenfalls vor allem in Niedersachsen, und dort vor allem im südlichen Niedersachsen sowie in NRW viel zu wenig Sonne gab. In Faßberg wurden zum Beispiel im gesamten Monat November nur 15,2 Stunden Sonnenschein registriert, in Alfeld 15, 8 oder in Lennestadt-Theten nur 17,0 Stunden Sonne gemessen. Heißt: Ab 1. November bis heute gab es in Lennestadt-Theten im Kreis Olpe in Nordrhein-Westfalen zusammen nicht mal 20 Stunden Sonnenschein. So ist die Aussage, dass die Sonne fehlt, durchaus berechtigt: In einem Vergleich mit der Historie (Messung in Lennestadt-Theten seit 1962) sieht man, dass es noch nie in einem ganzen Monat November so wenig Sonne gab wie im Jahr 2017. Nach 2017 (mit 17,0 Stunden Sonnenschein) folgten die Jahre 2010 (19,8 Stunden), 2008 (20,7 Stunden) sowie 2013 und die Jahre 2009 mit 22,5 bzw. 26,6 Stunden Sonnenschein.

Die tägliche Sonnenscheindauer (sowie andere, weitere meteorologische Parameter) können in unserem umfangreichen Kachelmann-Wetterarchiv nachgeschaut werden.

Werfen wir einen Blick auf die Hauptstadt Berlin: Hier gab es im November in Tegel 42,7 Stunden Sonnenschein, im Dezember bisher 23,4 Stunden. Durchschnittlich werden in einem November 56 Stunden (die 42,7 Stunden entsprachen also 76 Prozent des langjährigen Mittels), im Dezember in Berlin 37 Stunden Sonnenschein gemessen. Nach 20 Tagen (im Dezember bisher) liegen wir also weitgehend im langjährigen Durchschnitt. Die trübsten/unsonnigsten Monate November in Berlin (seit Messbeginn) waren die Jahre 1987 (13,4 Stunden Sonnenschein), 2010 mit 22,5 Stunden bzw. 1996 mit 24,8 Stunden Sonnenschein.

Zusammengefasst: Speziell in den Regionen von der Lüneburger Heide bis NRW ist die Aussage, dass in diesem Herbst die Sonne gefehlt hat, angebracht und richtig – sie kann aber nicht auf ganz Deutschland angewendet werden.

Wer aber reichlich Sonne sucht – muss in dieser Jahreszeit auf die Berge. Dort ist man oft über dem Nebel/Hochnebel – und die niedrige Sonnenbahn ist nicht von störenden Einflüssen (Gebäuden, Bäumen usw) beeinträchtigt. So gab es auf der Zugspitze im November 104 Stunden Sonnenschein, im Dezember bisher 64 Stunden. Die Zugspitze war jeweils der Spitzenreiter in Sachen „sonnigste Orte“ für November und Dezember von ganz Deutschland. Auch in Dresden oder z.B. in Freiburg im Breisgau gab es in diesem Monat Dezember bereits rund 40 Stunden Sonnenschein. Üblich sind in diesen Regionen (im gesamten Monat) 35 Stunden  für Dresden beziehungsweise 53 Stunden Sonnenschein für Freiburg – heißt: In Dresden haben wir im Dezember 2017 das Monatssoll an Sonnenstunden bereits überschritten, in Freiburg können wir mit ein paar Sonnenstunden in den nächsten Tagen bis Silvester noch an das Monatsmittel herankommen.

 

2 Kommentare

  1. Wolfgang 20. Dezember 2017
  2. Sven 27. Dezember 2017

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