Schwere Sturmlage am Donnerstag möglich – das Update

Es wird Zeit für ein Update zur möglichen Sturmlage am Donnerstag. Nach unserem ersten Bericht am Samstag, wollen wir nun auf die neusten Wettermodelle schauen und versuchen bereits Regionen einzugrenzen. Es sind am heutigen Montag immer noch 3 Tage bis zum Ereignis und wir müssen uns bewusst sein, dass sich das verantwortliche Tief erst heute nördlich der Karibik beziehungsweise vor der US Ostküste aus der tropischen Tiefdruckzone abspaltet. Es hat also einen sehr weiten Weg vor sich und dass es auf diesem Weg noch so einige Unsicherheiten bezüglich Stärke und Zugbahn gibt, sollte logisch sein. Es ist schon beeindruckend genug, dass die heutigen Computermodelle das Tief bereits auf einem so langen Weg berechnen können. Eine große Leistung, die vor vielen Jahren noch undenkbar war.

Ich will ihnen in der ersten Animation zeigen, welchen Weg das Tief von der Geburt nördlich der Karibik bis nach Europa nehmen wird. Es spaltet sich aus der tropischen Tiefdruckzone ab, wird von der nordatlantischen Tiefdruckzone eingefangen und mit dem starken Jetstream nach Europa geführt. Man könnte auch sagen es um das kräftige Azorenhoch herumgeführt wird, wobei steuernd eher die große Tiefdruckzone ist.

sturm_donnerstag

 

Wettermodelle gleichen sich an

Wir sehen unten den Vergleich der drei großen Wettermodelle für den Luftdruck am Donnerstag um 16 Uhr, Ausschnitt Mitteleuropa. Im Großen und Ganzen kann man von einer recht guten Übereinstimmung sprechen, was aber noch nichts bedeuten muss. Im Hinterkopf sollte immer der Gedanke sein, dass auf dem langen Weg über dem Atlantik noch viel passieren kann, was derzeit noch nicht erfasst wird. Ich habe schon viel erlebt bezüglich Sturmvorhersagen. Sowohl eine deutliche Abschwächung kurz vor dem Ereignis, als auch eine deutliche Verstärkung oder eine überraschende Änderung der Zugbahn. Der Kerndruck wird je nach Modell irgendwo zwischen 961 hPa und 965 hPa bei Dänemark angenommen.

Vergleich

Der Norden im Fokus?

Sollte sich das oben gezeigte Szenario mit der Zugbahn etwa über Dänemark bestätigen, so dürfte es logisch sein, dass insbesondere der Norden Deutschlands wenig südlich des Tiefkerns vom Sturm betroffen sein würde.

Im Folgenden habe ich zwei Animationen erstellt, die die maximalen Windböen am Donnerstag aus dem HD Modell und aus dem ECMWF Modell zeigen. Das ist selbstveständlich noch mit Vorsicht zu genießen, da es eine Momentaufnahme der Berechnungen ist. Das HD Modell wird alle 6 Stunden neu berechnet, das ECMWF Modell alle 12 Stunden, als 2x täglich. Sie können sich die aktuellen Berechnungen immer anschauen unter folgenden Links. Einfach im Menü bei „Gültig für“ weiterklicken:

wind_ez

wind_hd

 

In den Animationen oben sehen wir, dass es insbesondere in Norddeutschland und hier an den Küsten von Nord- und Ostsee wild werden könnte. Orkanböen über 130 km/h sind möglich und je nach Zugbahn könnte auch eine schwere Sturmflut an der Nordsee Thema werden, sollte der Wind länger und zeitlich ungünstig aus Nordwest an der Rückseite des Tiefs reindrücken. Dies sei nur ein erster Hinweis, wir müssen abwarten.

Wir sollten auch die Kaltfront des Tiefs nicht aus den Augen verlieren. Diese könnte mit einem Einschub milderer Luft ebenfalls markant werden und von starkem Höhenwind überlagert werden. Unter Umständen bekämen wir es auch weiter südlich mit einem Sturmereignis an der Kaltfront zu tun.

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Ensemble-Verfahren – Wahrscheinlichkeit Windböen

Bei Ensemble-Verfahren werden zahlreiche Lösungen mit leicht veränderten Anfangsbedingungen berechnet. Wir können anhand dieser Verfahren sehen, wie wahrscheinlich ein Ereignis ist. Vom US Modell GFS werden neben dem Hauptlauf noch 20 weitere Berechnungen durchgeführt, die wir unten als bunte Linien sehen. Ich habe einfach mal Bremerhaven herausgesucht. Es sind die maximalen Windböen im Diagramm eingefügt und wir sehen, dass viele Lösungen einen schweren Sturm sehen, nur noch wenige Ententeich und kaum Wind.

bremerhaven

 

Das gleiche Verfahren vom ECMWF Modell rechnet sogar 50 Lösungen und hier sehen wir ebenfalls, dass schon das Mittel für Bremerhaven an die 90 km/h heranreicht. Man muss bedenken, dass im Mittel eben auch die Lösungen einfließen, die kaum Sturm berechnen. Das Mittel ist also nicht die wahrscheinlichste Windgeschwindigkeit! Extremlösungen gehen sogar bis 150 km/h. Die neuen 50 Berechnungen kommen ab 09:30 Uhr und waren beim Erstellen des Beitrags noch nicht da. Also einfach unter dem Link die neusten Berechnungen nachsehen.

bremerhaven_rz

 

Schneefall östlich und nordöstlich des Tiefs möglich

Die Animation des signifikanten Wetters zeigt Regen (grün), Schneeregen (orange) und Schnee (blau). Sollte das Szenario etwa so kommen, wie derzeit berechnet, würde an der Vorderseite des Tiefs kältere Luft nach Norden stoßen, beziehungsweise ein Schwung milderer Luft auf die bei uns liegende kältere Luft treffen. Damit könnte es vorderseitig zu teils kräftigen Schneefällen kommen, die aber in Regen übergehen würden. Das nur als grober Ablauf, über exakte Regionen, timing etc. brauchen wir noch nicht reden.

schnee_sturm

 

Fazit – was wissen wir heute?

  • Eine nördliche Zugbahn über die südliche Nordsee nach Dänemark wird immer wahrscheinlicher oder zumindest derzeit priorisiert, auch wenn sie noch nicht 100% sicher ist
  • Der Süden wird wahrscheinlich eher weniger betroffen sein, auch wenn es hier ebenfalls Sturm geben kann (Kaltfront!)
  • In der Nordhälfte sind je nach Intensität Windböen über 100 km/h möglich, eventuell auch abseits der Küste Orkanböen über 120 km/h

Weitere Updates folgen laufend hier im Wetterkanal.



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18 Kommentare

  1. Hans 15. Januar 2018
    • Daniel Bachmeier 15. Januar 2018
      • Hans 15. Januar 2018
        • Daniel Bachmeier 16. Januar 2018
  2. Alex 15. Januar 2018
    • Fabian 15. Januar 2018
    • Hans 15. Januar 2018
  3. Hans 15. Januar 2018
  4. Alex 15. Januar 2018
    • Hans 15. Januar 2018
  5. Hans 15. Januar 2018
  6. Wintersturm 15. Januar 2018
  7. Hans 15. Januar 2018
    • Alex 15. Januar 2018
  8. Wintersturm 15. Januar 2018
  9. Alex 16. Januar 2018
  10. michael 16. Januar 2018
    • Thomas Sävert 16. Januar 2018

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