Ruhige Hurricane-Saison 2015 – Prognose der NOAA

Am 1. Juni beginnt die atlantische Hurricane-Saison. Am gestrigen Mittwoch, den 27.5. veröffentlichte die amerikanische Wetter- und Klimabehörde NOAA die Hurricane Saisonvorhersage für 2015. Besonders die Menschen, die in den Hurricane-Gebieten leben (von der Golfküste über Florida bis in den Norden der Ostküste), sind an diesen Langzeitvorhersagen sehr interessiert. Sie möchten wissen, worauf sie sich einzustellen haben.

Die Saison 2015 wird voraussichtlich ruhig verlaufen. Die Wahrscheinlichkeit, dass in diesem Jahr weniger Stürme als im langjährigen Durchschnitt auftreten, gibt die NOAA mit 70% an, die Wahrscheinlichkeit für mehr Stürme als im Durchschnitt liegt nur bei 10%. Die NOAA rechnet in der Zeit von Anfang Juni bis Ende November mit insgesamt 6 bis 11 Stürmen, die die Kategorie „Tropensturm“ erreichen und damit einen Namen erhalten. Sie erwarten, dass sich 3 bis 6 dieser Stürme zu einem Hurricane verstärken (Windgeschwindigkeiten ab 119 km/h) und höchstens 2 schwere Hurricanes der Kategorie 3 oder höher auftreten werden (Windgeschwindigkeiten > 178 km/h).

(Quelle: NOAA)

(Quelle: NOAA)

Was bedeutet das nun?

Gar nichts. Man muss zwei Dinge bedenken. Zum einen handelt es sich hier um reine Statistik. Sie sagt nichts über den Einzelfall aus. Punkt 2: man weiß nicht, wie viele Stürme tatsächlich auf Land treffen und wie viele draußen auf dem Meer bleiben werden. Auch die NOAA betont dies: „Eine unterdurchschnittliche Saison bedeutet nicht, dass wir fein raus sind“, so Dr. Kathryn Sullivan. Grund zur Verharmlosung gibt es also nicht. Es reicht ein einziger starker Hurricane, der irgendwo auf Land trifft und für erhebliche oder gar katastrophale Schäden sorgt. Ein gutes Beispiel dafür ist das Jahr 1992. Damals gab es innerhalb der ganzen Saison lediglich 7 Tropenstürme. Aber einer von ihnen war der Hurricane Andrew, ein Hurricane der höchsten Kategorie 5 auf der Saffir-Simpson-Skala. Er sorgte im Süden Floridas rund um Miami für über 60.000 zerstörte Häuser und Wohnungen, Sachschäden von rund 26,5 Milliarden Dollar und 26 Tote.

Mögliche Gründe für eine ruhige Saison

Die NOAA-Experten geben mehrere Gründe für eine unterdurchschnittliche Saison an. Einer der Hauptfaktoren ist vermutlich El Niño. Wissenschaftler sehen schon seit vielen Jahren einen Zusammenhang zwischen der Hurricane-Entstehung und dem Klimaphänomen El Niño, welches alle 2 bis 5 Jahre im Pazifik auftritt und in diesem Jahr noch bis in die Hurricane-Saison anhalten oder sich sogar noch intensivieren soll. Auch wenn das El Niño Ereignis im Pazifik auftritt, beeinflusst es trotzdem den ganzen Globus. El Niño sorgt über dem Atlantik sowohl für eine höhere vertikale Windscherung, als auch für eine stabilere Atmosphärenschichtung und die Entwicklung von Hochdruckgebieten. Alle diese Dinge sind für die Entstehung eines Hurricanes kontraproduktiv.  Ein weiterer Faktor ist die Wassertemperatur des Atlantiks. NOAA erwartet in den tropischen Entstehungsgebieten der Stürme eine durchschnittliche Wassertemperatur. Für die Entstehung von tropischen Stürmen ist wärmeres Wasser notwendig.

Neben der NOAA geben auch weitere Wetterbehörden, -firmen und Institute in den USA und Großbritannien Prognosen für die Hurricane-Saison heraus. Sie unterscheiden sich geringfügig in den konkreten Zahlen, sind sich aber in einer Sache alle einig: es wird in 2015 eine unterdurchschnittliche Anzahl an tropischen Stürmen geben.

Ende November, wenn die Hurricane-Saison vorbei ist, lesen wir uns hierzu wieder.

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