Rückblick auf Orkan Lothar Weihnachten 1999

Am 2. Weihnachtsfeiertag 1999 zog das extreme Sturmfeld des Orkans „Lothar“ vom Nordatlantik kommend über Frankreich, Süddeutschland, die Schweiz und Teile Österreichs hinweg. Es war einer der schlimmsten Stürme der letzten 100 Jahre und Lothar richtete nicht nur große Schäden an, sondern sorgte auch für zahlreiche Opfer. „Infolge des Sturms und der Aufräumarbeiten starben etwa 110 Menschen, darunter 88 in Frankreich. Die Zahl 88 beinhaltet auch die Opfer des Sturms Martin, der am Folgetag Südfrankreich traf.“ (Quelle: Wikipedia).

Das Zentrum des Orkantiefs „Lothar“ zog von Nordfrankreich her nach Luxemburg und schnell weiter etwa über Frankfurt hinweg Richtung Thüringen zur Lausitz. Am 26.12.1999 wurde um 11 Uhr der niedrigste Luftdruck mit 971 hPa in Trier und Berus (Saarland) gemessen. Der große Luftdruckunterschied zeigt sich hier zwischen dem Saarland und Salzburg mit mehr als 20 hPa. „Lothar“ entwickelte sich als Randtief, zugehörig zu einem großen Tiefdruckkomplex bei Island und über dem Nordmeer.

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Das Sturm- beziehungsweise Orkanfeld von „Lothar“ war an der Südseite des Tiefs zu finden, wie es in den meisten Fällen üblich ist. Das heißt es waren von den schweren Orkanböen die Gebiete betroffen, die südlich des durchziehenden Tiefdruckzentrums lagen. In erster Linie waren das Baden-Württemberg und Bayern sowie die Schweiz und Teile Österreichs. Der Luftdruckverlauf von Karlsruhe zeigt eindrücklich die extremen Luftdruckschwankungen während der Passage von „Lothar“. Der Orkan zog vergleichsweise schnell über Deutschland hinweg, sodass er nur wenige Stunden tobte, aber umso verheerender war. Er wird deswegen auch als „Schnellläufer“ bezeichnet. Das Satellitenbild aus unserem Archiv zeigt „Lothar“ um 13 Uhr mit Kern etwa im Bereich Südhessen.

Luftdruckverlauf Karlsruhe am 26.12.1999
03 Uhr 1004 hPa
04 Uhr 1003 hPa
05 Uhr 1000 hPa
06 Uhr 998 hPa
07 Uhr 995 hPa
08 Uhr 991 hPa
09 Uhr 987 hPa
10 Uhr 982 hPa
11 Uhr 977 hPa
12 Uhr 975 hPa (Tiefdruckzentrum zieht über die Pfalz hinweg)
13 Uhr 979 hPa
14 Uhr 988 hPa
15 Uhr 994 hPa
16 Uhr 996 hPa
17 Uhr 997 hPa

Bereits um 17 Uhr zog „Lothar“ über die Oberlausitz nach Osten ab, hier wurde der tiefste Luftdruck mit rund 978 hPa an der Wetterstation Lichtenhain-Mittelndorf gemessen. In etwa 6 Stunden, zwischen 11 und 17 Uhr, wurde damit Deutschland auf einer Strecke vom Saarland bis zur Oberlausitz von Lothar überquert. Zudem zeigt der tiefe Luftdruck über der Nordsee und in Schleswig-Holstein das zugehörige Zentraltief an, von dem ausgehend sich „Lothar“ gebildet hat. Rückseitig stieg der Luftdruck über der Südhälfte Deutschlands kräftig an.

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Die Spitzenböen erreichten teilweise unglaubliche Werte, besonders in Baden-Württemberg. Auf dem Feldberg im Schwarzwald setze das Messgerät bei weit über 200 km/h aus, in Karlsruhe wurden 153 km/h gemessen, kurze Zeit später auf dem Wendelstein in Bayern sogar 259 km/h. Verbreitet kam es bis in tiefe Lagen zu Orkanböen. Mit einem Klick auf die Karte der Spitzenböen vom 26.12.1999 können sie bis in die Bundesländer gehen und jeden Messwert anklicken für mehr Infos. Die Karte zeigt auch gut, dass nördlich des Tiefdruckzentrums der Wind deutlich schwächer war.

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Ähnliche Windgeschwindigkeiten in einem Ballungsraum sind zuletzt beispielsweise beim Pfingsunwetter vom Rheinland bis ins Ruhrgebiet in NRW aufgetreten mit über 140 km/h in Düsseldorf am 09.06.2014. Damals hielt der Sturm aber deutlich kürzer an und war viel begrenzter auf die Fläche gesehen. Wichtig ist hier auch, dass es sich in diesem Fall um ein besonders schweres Gewitter handelte und nicht um ein Orkantief wie „Lothar“!

Der Orkan „Lothar“ richtete extreme Schäden an, unter anderem war besonders der Schwarzwald betroffen, da er genau im Bereich des stärksten Orkanfeldes lag. Ganze Wälder wurden dem Erdboden gleich gemacht. „In der Schweiz wurden rund 10 Millionen Bäume umgeworfen“, (Quelle: Wikipedia). Es ist nicht ausgeschlossen, dass einige Schäden auch durch Tornados entstanden, die mit Durchzug von „Lothar“ durchaus möglich waren (-> Hinweis: Winterstürme und Tornados). Aufgrund der großräumigen und extremen Schäden, lässt sich dies aber Jahrzehnte später nur schwer belegen.

Urs Ritter filmte während des Orkans in Oberwil bei Basel und stellte uns freundlicherweise die Bilder zur Verfügung. Die folgenden vier Bilder zeigen eindrücklich wie schnell ein ganzes Waldstück dem Orkan zum Opfer fiel.

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Auch in vielen anderen betroffenen Regionen zeigte sich nach dem Orkan ein ähnliches Bild mit großen Zerstörungen.

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2 Kommentare

  1. Johannes.v.N.22 20. Dezember 2016
  2. Daniel Bachmeier 15. September 2017

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