Oktober 1998 – Niederschlagsrekorde, Überflutungen und Hochwasser

Während es in diesem Oktober 2017 vergleichsweise trocken ist, besonders in den vergangenen Wochen, war der Oktober 1998 der regenreichste der vergangenen Jahrzehnte, oft sogar seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Dies hatte natürlich dramatische Folgen durch große Überschwemmungen und Hochwasser an zahlreichen Bächen und Flüssen. Wir wollen genauer einen Blick auf diesen Monat der Extreme werfen.

Wetterlage im Oktober 1998

Der gesamte Monat war durch starken und anhaltenden Tiefdruckeinfluss geprägt und wiederholt kam es verteilt über Deutschland zu intensivem Dauerregen und Starkregen. Zu Monatsbeginn beeinflusste ein Höhentief über Mitteleuropa das Wetter. Als dieses sich zurückzog und abschwächte, folgte direkt eine aktive Westwetterlage, die sich mit einer kurzen Unterbrechung bis zum Monatsende fortsetze. Eine anhaltende Westwetterlage führt immer wieder Tiefdruckgebiete mit feuchter Luft und Regengebieten über Deutschland hinweg. Sollte sie länger anhalten, kam es dadurch schon häufiger in der Vergangenheit zu Hochwasser, insbesondere dann im Westen Deutschlands. Häufig war es dadurch im Oktober 1998 sehr windig bis stürmisch und am 28.10.1998 zog das Sturmtief XYLIA über Deutschland hinweg mit oft schweren Sturmböen und Orkanböen auf den Bergen. –> Windböen 28.10.1998

Westwetterlage

Westwetterlage

Große Regenmengen – die Ereignisse im Überblick

Im Folgenden wollen wir uns zunächst jeweils die 24stündigen Regenmengen der einzelnen Ereignisse im Oktober 1998 anschauen. Messzeitraum ist immer von 8 Uhr bis 8 Uhr zum Folgetag. Die Grafiken können Sie allen anklicken und auf der Webseite dann bis in Länder und Landkreise gehen, um die einzelnen Messwerte anzuschauen. Mit einem Klick auf den Messwert sehen Sie auch den Namen der Station.

Das Höhentief zu Monatsbeginn brachte besonders vom 30.09. bis 03.10. starken Dauerregen etwa vom Süden über die Landesmitte. Die Luftmassengrenze mit dem Frontenzug und dem Regengebiet ist sehr gut zu erkennen an den zahlreichen Messungen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass im mittleren Deutschland auch der September schon deutlich zu nass war, teilweise fiel das zwei bis dreifache vom langjährigen Mittel. Bis zum 05.10. kam es zu weiteren Niederschlägen, die aber nicht mehr so ergiebig ausfielen. Die Mengen können Sie hier nachsehen.

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Am 07.10. verschärfte sich die Situation wieder, denn neuer intensiver Dauerregen brachte in einem breiten Streifen flächig 15 bis teils über 30 Liter/qm.

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Zwischen dem 09. und 14. Oktober gab es dann mit der einsetzenden Westwetterlage verbreitet immer wieder Regenfälle, die zwar nicht sehr ergiebig waren, aber die Böden konnten nun vielerorts nicht mehr viel Wasser aufnehmen und die Bäche und Flüsse füllten sich weiter.

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Nach weiteren, meist aber nur leichten Regenfällen, wurde es ab dem 23.10. dann brisant. Die Westwetterlage lebte mit sehr feuchter Meeresluft erneut auf und brachte intensiven Dauerregen besonders am 24.10. Vor allem im Stau der Mittelgebirge kamen größere Regenmengen zusammen.

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Der Monat endete dann mit einer markanten Luftmassengrenze, welche nur langsam nach Süden zog. Am 27.10. fielen bis zum Morgen des 28.10. in Niedersachsen stellenweise über 80 Liter Regen pro Quadratmeter, einen Tag später dann im Süden mit flächig über 100 Liter/qm im Stau des Nordschwarzwaldes. Hier kamen sogar bis zu 131 Liter/qm in 24 Stunden zusammen. In den Folgetagen kam es zu weiteren Regenfällen, die genauen Mengen können Sie hier nachsehen.

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Rekorde – nassester Oktober seit Messbeginn

Auswahl der höchsten Regenmengen – alles Stationen, an denen der Oktober 1998 bis heute der nasseste seit Beginn der Aufzeichnungen ist. Zur Einordnung sind auch die Mittelwerte für den Monat Oktober aufgeführt. Ich habe das alte und zu 1998 passende Mittel 1961 bis 1990 genommen.

451.4 mm Brocken / Oktobermittel 1961-1990: 135.6 mm
432.9 mm Braunlage  / Oktobermittel 1961-1990: 93.6 mm
418.5 mm Großer Arber / Oktobermittel 1961-1990: 97 mm
413.9 mm Wernigerode-Schierke / Oktobermittel 1961-1990: 93.5 mm
413.1 mm Freudenstadt / Oktobermittel 1961-1990: 121.2 mm
368.1 mm Weiskirchen/Saar / Oktobermittel 1961-1990: 101.4 mm
357.1 mm Baden-Baden-Geroldsau / Oktobermittel 1961-1990: 85.2 mm
344.3 mm Fichtelberg/Oberfranken-Hüttstadl / Oktobermittel 1961-1990:
330.6 mm Sandberg / Oktobermittel 1961-1990: 77.7 mm
327.8 mm Bad Berleburg-Stünzel / Oktobermittel 1961-1990: 74.2 mm
327.7 mm Neuhaus am Rennweg / Oktobermittel 1961-1990: 87.3 mm
326.1 mm Remscheid-Lennep / Oktobermittel 1961-1990: 101.9 mm
322.6 mm Siegen (Kläranlage) / Oktobermittel 1961-1990: 84.9 mm
322.0 mm Eslohe / Oktobermittel 1961-1990: 82.1 mm
311.9 mm Kahler Asten / Oktobermittel 1961-1990: 110.8 mm
305.5 mm Schmücke / Oktobermittel 1961-1990: 97.0 mm
304.8 mm Beerfelden / Oktobermittel 1961-1990: 88.0 mm
294.5 mm Tholey / Oktobermittel 1961-1990: 83.4 mm
293.2 mm Lüdenscheid / Oktobermittel 1961-1990: 90.1 mm

Weitere Auswahl Stationen mit Oktoberrekord

192.4 mm Alfhausen (NDS) / Oktobermittel 1961-1990: 56.1 mm
136.1 mm Hannover (NDS) / Oktobermittel 1961-1990: 42.0 mm
183.0 mm Hamburg-Fuhlsbüttel / Oktobermittel 1961-1990: 63.1 mm
172.8 mm Bremen / Oktobermittel 1961-1990: 54.7 mm

261.8 mm Wuppertal-Buchenhofen (NRW) / Oktobermittel 1961-1990: 84.1 mm
229.4 mm Kleve (NRW) / Oktobermittel 1961-1990: 58.5 mm
224.5 mm Essen-Bredeney (NRW) / Oktobermittel 1961-1990: 69.5 mm
145.1 mm Köln-Stammheim (NRW) / Oktobermittel 1961-1990: 54.2 mm

164.7 mm Frankfurt/Main-Westend (HE) / Oktobermittel 1961-1990: 51.6 mm

214.2 mm Kaiserslautern (RP) / Oktobermittel 1961-1990: 53.4 mm

Hochwasser und Überschwemmungen

Das folgende Video zeigt eine kurze Dokumentation der Überschwemmungen in Delemhorst. Dazu noch:
Dokumentation des Hochwasser im Oktober / November 1998 im Einzugsgebiet von Weser, Aller und Leine

Hochwasser in Baden-Baden – dazu folgender Link mit weiteren Informationen

 

Hochwasser in Rheinland-Pfalz –> Dokumentation hochwasser-rlp.de

Hochwasser im Emsland –> Bericht der NOZ

Hochwasser Bordenau –> Bericht auf bordenau.de

Hochwasser an der Ruhr –> Bericht der Talsperrenleitzentrale Ruhr

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3 Kommentare

  1. Hans 19. Oktober 2017
  2. Daniel Bachmeier 20. Oktober 2017
  3. Ingo 26. Oktober 2017

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